Dieselmotorabdeckung eines VW Golf | dpa

Hardware für Diesel VW rät weiter von Nachrüstungen ab

Stand: 04.03.2019 22:26 Uhr

Die Richtlinien für Diesel-Nachrüstungen hat das Bundesverkehrsministerium geliefert. Hilft das Autofahrern alter Fahrzeuge? Eher nicht. Die Autohersteller raten von Umrüstungen ab und warnen vor Risiken.

Auch nachdem das Bundesverkehrsministerium die technischen Vorschriften für die Umbauten älterer Diesel geliefert hat, spricht sie Volkswagen weiter gegen die Umrüstungen aus. Das Unternehmen rät seinen Kunden von einer Hardware-Nachrüstung durch Drittanbieter ab. "Alle uns bisher bekannten Konzepte weisen Nachteile für unsere Kunden auf, etwa Mehrverbrauch und damit erhöhte CO2-Emission, zum Teil auch Leistungsreduzierung", warnte Entwicklungsvorstand Frank Welsch.

Zudem ließen sich nicht alle Euro-5-Fahrzeuge nachrüsten und nicht alle würden einen Richtwert von 270 Milligramm pro Kilometer unterschreiten, um von Fahrverboten ausgenommen zu werden. Auch sei die dauerhafte Funktionssicherheit der Technik nicht zu gewährleisten.

Ein Euro-5-Auto mit einer elf Jahre alten Motorengeneration auf den Stand eines modernen Euro-6-Fahrzeugs aufzurüsten, sei aus technischer Sicht nicht möglich. Darüber hinaus gibt es VW zufolge bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirkten.

Scheuer liefert technische Vorschriften

Das Bundesverkehrsministerium hatte zuvor ein 30-seitiges Papier veröffentlicht, in dem die technischen Anforderungen für Hardware-Nachrüstungen aufgeführt werden. Die Vorschriften sollen Anfang Januar 2019 im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Verkehrsminister Andreas Scheuer sagte, jetzt sei die Nachrüstindustrie am Zug, wirksame Systeme zu entwickeln, mit denen alle Grenzwerte und Vorschriften eingehalten würden. Sofern diese erfüllt seien, werde das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schnellstmöglich die Genehmigung erteilen, damit die Systeme zeitnah auf dem Markt angeboten werden könnten.

Skepsis bei der Automobilindustrie

Auch der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, Bernhard Mattes, zeigte sich skeptisch gegenüber den Nachrüstungen. Er sagte der "Welt", Besitzer älterer Diesel könnten bei technischen Problemen nach einer Nachrüstung nicht mit Unterstützung der deutschen Hersteller rechnen. "Wir können keine Garantie für ein Fahrzeug übernehmen, in das nachträglich Abgasreinigungssysteme Dritter eingebaut wurden", sagte Mattes. Der Kunde und der Nachrüster trügen die Verantwortunge bei möglichen Flogeschäden einer Umrüstung.

Die Hardware-Nachrüstungen - Umbauten am Motor - sind Teil eines Maßnahmenpakets der Bundesregierung für bessere Luft in Städten. In vielen Kommunen werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Gerichte haben für mehrere Städte Fahrverbote angeordnet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Zero One 28.12.2018 • 14:56 Uhr

Aktive Hardware-Abwehr

Mit den sehr hohen technischen Anforderungen und Garantiebestimmungen an die Nachrüstsätze in den „Richtlinien für Dieselnachrüstung“ hat unser Automobil-Hersteller-freundliche Herr Scheuer mit 30 Seiten Papier die effektivste Hardware-Abwehr auf den Weg gebracht. Jetzt sollen also die Nachrüster und Dieselfahrer alle Risiken tragen, die im Rahmen einer Nachrüstung zur Schafstoffreduzierung entstehen könnten, was nicht notwendig wäre, wenn Hersteller, wie VW, nicht mutwillig manipuliert und getäuscht hätten. Von diesen selbstlosen Bedenkenttägern brauchen Dieselfahrer sicherlich keine klugen Ratschläge oder Warnungen mehr. Aber auch völlig abstruse Richtwerte sollten in Frage gestellt werden dürfen, wenn diese mit den nun mal aktuell auf den Straßen befindlichen Fahrzeugen nicht erreichbar sind. Einfach etwas weniger Hysterie und stattdessen realistische und technisch machbare Lösungen, die vielleicht nicht perfekt sind, aber sicher mehr bringen als Software-Updates.