Schriftzug "Finanzen" am Bundesfinanzministerium | dpa

Zehnjährige Bundesanleihen Wer Geld verleiht, zahlt jetzt drauf

Stand: 14.06.2016 09:59 Uhr

Das gab es noch nie: Wer zehnjährige Staatsanleihen haben will, muss zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Geld zahlen. Denn die Rendite liegt unter null Prozent. Grund dürfte unter anderem die Angst der Anleger vor dem Brexit sein.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen am Morgen unter null Prozent gefallen. Damit müssen Anleger Geld zahlen, wenn sie dem Bund Geld leihen wollen. Die international richtungsweisenden Anleihen rentierten bei minus 0,003 Prozent.

Bei Titeln mit kürzeren Laufzeiten gibt es den Negativzins schon länger: Die Investition in zweijährige Papiere ist seit Mitte 2014 durchgängig ein Verlustgeschäft.

Deutschland ist unter den G7-Industrienationen das zweite Land, dessen zehnjährige Titel unter null Prozent rentieren. Die vergleichbaren japanischen Papiere notieren seit Anfang März in negativem Terrain.

Die Märkte sind nervös - wegen der Briten

Händler erklärten die starke Nachfrage nach Bundesanleihen mit einer nervösen Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über einen EU-Austritt Großbritanniens in der kommenden Woche. Die Furcht vor einem Brexit treibt Anleger schon seit Tagen verstärkt in sichere Anlagen wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen. Zuletzt hatten Umfrageergebnisse ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Großbritannien signalisiert und mehrfach deutliche Kursbewegungen an den Märkten ausgelöst.

Neben der Angst vor einem Brexit wird die Entwicklung auch durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) angetrieben. Im Rahmen des sogenannte Quantitative Easing kauft sie seit März 2015 in großem Stil europäische Anleihen auf. Die Währungshüter wollen so die Anleihezinsen drücken und die Titel für Banken uninteressanter machen. Sie sollen statt dessen mehr Kredite an Unternehmen ausgeben.

Vor einigen Wochen stockte die EZB das monatliche Volumen auf 80 von 60 Milliarden Euro auf. Seit Anfang Juni sammelt sie zudem Anleihen von Großkonzernen am Kapitalmarkt auf.