Broker an Londoner Börse

Wirtschaftliche Folgen des Brexit Weltweite Turbulenzen

Stand: 24.06.2016 21:15 Uhr

Einbrüche an den Aktienmärkten, massive Kursstürze - die Finanzwelt ist erschüttert. Das "Nein" der Briten zur EU hat weltweit eine Schockwelle an den Märkten ausgelöst. Und das ist wohl erst der Anfang. Experten erwarten teils dramatische Auswirkungen.

Das "Nein" der Briten zur Europäischen Union hat weltweit für Turbulenzen in der Finanzwelt gesorgt und Anlegern einen schwarzen Freitag beschert. Die Börsenkurse fielen von Asien bis Europa oft im zweistelligen Bereich - Summen in Billionenhöhe wurden so binnen Stunden vernichtet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte mit, sie halte sich bereit, Banken bei Bedarf mit zusätzlichen Krediten zu versorgen. Auch Großbritanniens Notenbank erklärte, nach dem Referendum bereit zu stehen, um Verwerfungen an den Finanzmärkten einzudämmen. "Die Bank von England beobachtet die Entwicklungen genau", teilte die Notenbank mit. Zur Geldversorgung der Finanzwirtschaft könnten zusätzliche 250 Milliarden Pfund abgerufen werden.

IWF und G7 bringen sich in Stellung

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde erklärte, der IWF unterstütze die britische Notenbank und die Europäische Zentralbank darin, für die nötige Liquidität des Bankensystems zu sorgen. Die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) kündigten an, sich nach dem Brexit-Votum eng abstimmen zu wollen, um auf massive Verwerfungen an den Finanzmärkten rasch reagieren zu können. Übermäßige Schwankungen und Turbulenzen bei den Wechselkursen könnten die wirtschaftliche Stabilität und die Finanzstabilität beeinträchtigen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

"Schlag ins Kontor"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nannte den Brexit für die deutsche Wirtschaft "einen Schlag ins Kontor". Deutsche Firmen müssten sich jetzt bei einem ihrer wichtigsten Handelspartner "auf erhebliche Veränderungen einstellen".

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Hauptgeschäftsführer Markus Kerber rief zu einer "maximalen Schadensbegrenzung" für deutsche Unternehmen und ihre Beschäftigten bei den Austrittsverhandlungen auf. Die EU müsse "straffe Verhandlungen" mit Großbritannien führen, etwa bei Fragen des Marktzugangs, zu regulatorischen Standards oder zur Mobilität von Beschäftigten.

Schaden für britische Wirtschaft

Der Status Großbritanniens als großer internationaler Bankenstandort könnte Schaden nehmen, erklärte die Ratingagentur Fitch zum Brexit-Votum. Denn einige Geschäftsbereiche dürften in die EU abwandern.

Erste britische Unternehmen erwarten bereits schlechte Gewinnprognosen. So rechnet beispielsweise der British-Airways-Mutterkonzern International Consolidated Airlines Group (IAG) nach eigenen Angaben in diesem Jahr nicht mehr mit einem Gewinnanstieg, der in Pfund dem Plus des vorigen Jahres entspreche.

Analysten senken nach dem britischen Votum ihre Wirtschaftsprognose für Großbritannien. Für das laufende Jahr sei nicht länger mit einem Plus von 2,0 Prozent, sondern nur noch mit 1,5 Prozent zu rechnen, sagte Howard Archer vom Forschungsdienstleister IHS Global Insight.

Börsen weltweit eingebrochen

Der Ausgang des Referendums traf die Finanzmärkte hart. Sie hatten bis zuletzt darauf gesetzt, dass die Briten mehrheitlich für einen Verbleib in der EU stimmen. Als sich das "Nein" abzeichnete, stürzten die Kurse und das britische Pfund ab - auf knapp 1,33 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren.

Der Nikkei in Tokio schloss 7,92 Prozent im Minus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor zu Handelsbeginn 9,98 Prozent und sackte auf 9233,48 Punkte. Das war der größte Kurssturz seit der Finanzkrise 2008. Besonders stark waren Papiere von Banken betroffen. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank brachen um jeweils knapp 17 Prozent ein.

Die Börse in London startete mit einem Minus von 7,5 Prozent. In Paris rutschen die Kurse um fast acht Prozent ab, in Wien und Lissabon waren es jeweils rund zehn Prozent.

Deutsche Börse und LSE wollen trotzdem fusionieren

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) wollen ihren Zusammenschluss trotz des geplanten Austritts Großbritannien aus der EU durchziehen. Wegen des Brexit sei eine Verbindung zwischen Frankfurt und London sogar noch wichtiger, erklärte Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber.

"Wir sind davon überzeugt, dass der beabsichtigte Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange durch das Abstimmungsergebnis eine noch höhere Bedeutung für unsere Kunden bekommen hat und sowohl für unsere Aktionäre als auch weitere Stakeholder Vorteile bringen wird."

Der Betriebsrat der Deutschen Börse betont allerdings: "Wir fordern nicht, dass die Fusion beendet wird, aber der Hauptsitz muss nach Frankfurt", sagte die Betriebsratvorsitzende Jutta Stuhlfauth. Angesichts des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens wäre es aus Sicht des Betriebsrats "widersinnig, wenn der Hauptsitz nach London verlegt würde".

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Moderation 24.06.2016 • 10:14 Uhr

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