Vier Wecker mit der Flagge Großbritanniens stehen in einer Reihe. | null

Stimmen vor Referendum Brüssel warnt Briten vor Brexit

Stand: 16.06.2016 16:00 Uhr

EU-Kommissionschef Juncker hat noch einmal vor einem Brexit gewarnt. EU-Ratspräsident Tusk übte sich in Optimismus. Kanzlerin Merkel warb ebenfalls erneut für einen Verbleib, die Chancen dafür scheinen aber zu schrumpfen, glaubt man den jüngsten Umfragen.

Der Countdown läuft: In einer Woche stimmen die Briten über den Austritt Großbritanniens aus der EU ab. Alle Argumente scheinen ausgetauscht, die verschiedenen Positionen klar. Trotzdem warb Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal für eine EU mit den Briten. "Ich habe vielfach gesagt, dass wir uns einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union wünschen, und das werden wir auch in den nächsten Tagen tun", sagte Merkel bei einem Treffen mit dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico in Berlin. Die Entscheidung liege aber "natürlich in den Händen der Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens".

EU-Gegner gewinnen an Boden

Und die scheinen es bis zum Schluss spannend zu machen: Nach den jüngsten Umfragen haben die EU-Gegner auf der Insel an Boden gewonnen. In einigen Umfragen liegen sie sogar deutlich vorn. "Wenn wir die Entwicklung in Großbritannien verfolgen, müssen wir uns auf beide Szenarien vorbereiten", betonte der slowakische Ministerpräsident. "Wenn ein Team in der 90. Minute 0:3 zurückliegt, kann ich nur schwer glauben, dass dieses Ergebnis umgedreht wird und wir noch 4:3 gewinnen." Zudem warnte Fico davor, Drohungen in Richtung Großbritannien auszusprechen, sie könnten kontraproduktiv sein.

"Unvorhersehbare politische Konsequenzen"

Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk gestand ein, dass es "sehr schwierig" sei, dieser Tage optimistisch zu bleiben. Gleichwohl sei noch "alles möglich". Tusk wies darauf hin, dass das Königreich ein "Schlüsselstaat" der Europäischen Union sei und warnte noch einmal vor "unvorhersehbaren politischen und geopolitischen Konsequenzen".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einer "Phase großer Ungewissheit", sollten die Briten die EU verlassen. Das sollte zwar vermieden werden, allerdings sei die EU ohne Großbritannien auch nicht in "Lebensgefahr".

"Wer raus geht, geht raus"

Im Falle eines Brexit plädierte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Manfred Weber, für ein schnelles Aushandeln der Austrittsbedingungen. Während der Phase der Austrittsgespräche gebe es Unsicherheiten, wie zum Beispiel die Bedingungen für den Handel mit der EU - diese Unsicherheiten müssten vermieden werden.

Im ARD-Morgenmagazin betonte Weber, Großbritannien müsse klar sein, dass es die Vorteile der EU dann nicht mehr nutzen könne: "Die Regeln sind eigentlich relativ klar: Wer raus geht, geht raus."

Britische Notenbank verschärft Warnungen vor Brexit

Die britische Notenbank verschärfte ihre Warnungen vor einem Brexit noch einmal. Der Ausgang des Referendums sei der größte Risikofaktor für die britischen und möglicherweise auch die globalen Finanzmärkte, hieß es in einer Mitteilung auf der Notenbank-Webseite. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) rüstet sich für einen Brexit. Es gebe Vereinbarungen mit der Bank von England für gegenseitige Liquiditätshilfe, hieß es aus dem EZB-Rat.

"Es steht viel auf dem Spiel"

Vizekanzler Sigmar Gabriel warnte vor einem Bedeutungsverlust Europas. "Der Blick auf Europa aus der Welt würde ein anderer werden. Wir würden dann als ein Kontingent gelten, auf den man sich nicht mehr so recht verlassen kann in seinem Zusammenhalt", sagte Gabriel bei einem deutsch-polnischen Wirtschaftsforum in Berlin. Es stehe viel auf dem Spiel: "Unsere Kinder und Enkel könnten uns möglicherweise verfluchen, weil wir Europa nicht zusammengehalten haben."