Wirecard-Firmensitz in Aschheim

Kurssprünge nach Insolvenz Wirecard-Aktie wird zum Zockerpapier

Stand: 29.06.2020 18:16 Uhr

Nach dem Absturz auf 1,28 Euro am Freitag bäumt sich die Wirecard-Aktie heute noch einmal auf und schaffte kurz den Sprung über die Marke von 4,00 Euro. Befeuert wird sie von einer Mitteilung der Geschäftsführung. Doch Anleger sollten sich nicht zu früh freuen.

Wie so oft bei insolventen und krisengeschüttelten Unternehmen greifen die Anleger auch bei Wirecard nach jedem Strohhalm, der Rettung aus dem Sumpf verspricht. Im konkreten Fall geht es um eine Mitteilung vom Samstag, wonach der Vorstand der Meinung ist, dass eine Fortführung im besten Interesse der Gläubiger sei.

In dem Schreiben versichert das Unternehmen, dass der Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften inklusive der lizenzierten Einheiten fortgesetzt werde. Zudem werde laufend geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard Gruppe gestellt werden müssen.

Wirecard Bank nicht betroffen

Konzerngesellschaften mit Ausnahme einer kleinen Entwicklungsniederlassung hätten derzeit keine Insolvenzanträge gestellt. Die Wirecard Bank sei aktuell nicht Teil des Insolvenzverfahrens, der Zahlungsverkehr der Wirecard Bank sei nicht betroffen. Auszahlungen an Händler der Wirecard Bank würden weiterhin ohne Einschränkungen ausgeführt.

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Man stehe zudem "im stetigen Austausch mit den Kreditkartenorganisationen". Visa und Mastercard, die beiden großen Kreditkartenabieter, hatten am Freitag angekündigt, die Zusammenarbeit mit Wirecard zu überprüfen.

"Welcher Kunde will sich mit so einer Firma einlassen?"

Die Mitteilung des Vorstands war offenbar Balsam für die Seelen der geschundenen Anleger. Die Wirecard-Aktie schoss am Vormittag bis auf über 4,00 Euro in die Höhe, nachdem sie am Freitag bei 1,28 Euro geschlossen hatte. Am grundsätzlichen Problem einer gigantischen Bilanzfälschung mit frei erfundenen Umsätzen und Gewinnen in Milliardenhöhe, ändert der Kurssprung nichts. Auch bleibt die Aktie meilenweit von ihrem Kurs vom 18. Juni bei gut 100 Euro zurück.

Auch sollten sich die Anleger nicht zu früh freuen. Selbst wenn Wirecard ein nennenswertes operatives Geschäft fortführen kann, stehen die erwirtschafteten Mittel stets in der Gefahr, durch die zu erwarteten Klagen der geschädigten Anleger abgeschöpft zu werden.

Der britische Hedgefondsmanager Christopher Hohn sieht denn auch keine Zukunft für Wirecard. "Wie sich jetzt herausstellt, war ein signifikanter Teil der Vermögenswerte nicht real, was wiederum Zweifel über die Substanz historischer Gewinne aufwirft", so Hohn im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

Wirecard sei nicht in der Lage gewesen, dem Prüfer KPMG eine Liste der Endkunden im Third-Party-Acquiring-Geschäft für den Zeitraum 2016 bis 2018 vorzulegen. "Welcher Kunde will sich mit so einer Firma noch einlassen?", so Hohn.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. Juni 2020 um 13:38 Uhr in der Sendung "B5 Wirtschaft und Börse".

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