Varta

Geschäft mit Mikrobatterien Das zweite Leben von Varta

Stand: 23.12.2019 10:26 Uhr

Mit Haushaltsbatterien wurde Varta bekannt. Heute setzt das Unternehmen auf Mikrobatterien - für Kopfhörer von Smartphones. Das Geschäft boomt. An der Börse ist Varta der Superstar. Heute steigt der Batteriehersteller in den MDax auf.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Es läuft und läuft… beim Traditionskonzern Varta in Ellwangen im Jagsttal im Osten Baden-Württembergs. Das Unternehmen wächst rasant - so stark, dass sie mit der Produktion kaum nachkommt. In den ersten neun Monaten des Jahres kletterten die Erlöse um 22 Prozent auf 242,8 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich um gut zwei Drittel auf 33 Millionen Euro.

Weltmarktführer bei Hörgeräte-Batterien

Die Schwaben dominieren den Markt für Mikrobatterien. Bei Hörgerate-Batterien sind "wir Technologie- und Weltmarktführer", erklärt Vorstandschef Herbert Schein. Der Topmanager sieht hier noch viel Potenzial. Zum einen werden die Menschen immer älter und brauchen Hörhilfen. Zum anderen dürfte die Akzeptanz steigen, je kleiner und moderner die Geräte werden. Derzeit besitzt nur ein Viertel der Menschen mit Hörminderung ein entsprechendes Hörgerät.

Das eigentliche große Ding sind die wiederaufladbaren Mikrobatterien für die kabellosen Kopfhörer. In diesem Segment expandiert Varta derzeit am meisten. Die Schwaben beliefern mit ihren Zellen die Premiumhersteller von Headsets. Wichtigster Kunde dürfte wohl Apple sein. Der iPhone-Konzern beherrscht mit seinen AirPods 60 Prozent des Markts.

Mikrobatterien für die Headsets von Apple & Co

Varta-Chef Herbert Schein
galerie

Varta-Chef Herbert Schein

Die Nachfrage ist hoch. Deswegen hat Varta in diesem Jahr schon drei Mal die Prognose angehoben. Vorstandschef Schein rechnet in den nächsten drei bis vier Jahren mit einem Marktwachstum von mehr als 30 Prozent jährlich. "Der Headset-Markt boomt, wir befinden uns in einer riesigen Ramp-up-Phase", behauptet der 54-jährige Manager mit schwäbischem Dialekt.

Zwar sind die asiatischen Konkurrenten deutlich billiger. Die Varta-Batterien weisen dagegen nach Angaben des Unternehmens eine höhere Qualität aus. Sie müssen nicht ständig nach kürzester Zeit wieder aufgeladen werden. Laut Vorstandschef Schein haben die Zellen aus Ellwangen eine um 30 Prozent höhere Energiedichte und kommen so auf eine längere Betriebszeit.

Mit dem Ausbau der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien strebt Varta die Marktführerschaft in dieser Nische an. "Wir stehen am Anfang eines großen Booms bei den Lithium-Ionen-Batterien für kabellose Premiumköpfhörer", schwärmt Schein.

Aufspaltung in drei Teile

Der Mikrobatterienhersteller ist 2002 aus der Abspaltung entstanden. Damals wurde der Traditionskonzern in drei Unternehmen aufgeteilt: Varta Consumer Batteries mit dem ursprünglichen Geschäft der klassischen Haushaltsbatterien, Varta Automotive mit den Autostarterbatterien und eben Varta mit den Mikrobatterien. 2007 kaufte der österreichische Investor Michael Tojner mit seiner Montana Tech Components den Mikrobatterienhersteller und brachte ihn vor zwei Jahren an die Börse. Bis heute ist er mit rund 58 Prozent Hauptaktionär.

Das schwäbische Börsenwunder

Tojner und die Varta-Aktionäre können sich über enorme Kursgewinne freuen. Seit dem Börsengang hat sich der Kurs mehr als verfünffacht. Alleine in diesem Jahr betrug das Plus über 340 Prozent. Kein Wunder, dass Varta am Montag vom SDax in den MDax aufsteigen darf.

Weitere Kursinformationen zu Varta

Start-Stop-Batterie von Varta
galerie

Start-Stop-Batterie von Varta auf einem Förderband

Weiteren Kursschub könnte der Einstieg in die Elektromobilität bringen. Die EU-Kommission hat vor kurzem grünes Licht für den Aufbau einer europäischen Batterieproduktion für Elektroautos gegeben. Zum Industriekonsortium zählt auch Varta. Zusammen mit BMW und Opel winkt dem Batteriehersteller ein Zuschuss von bis zu 1,25 Milliarden Euro.

Rückkauf der Haushaltsbatterien

Und auch damit gibt sich das Varta-Management noch längst nicht zufrieden. Im Mai kündigte der Vorstand an, einen Teil des alten Varta-Geschäfts, die Haushaltsbatterien, wieder zurückzukaufen. Das würde die Einnahmen konstanter machen, heißt es in Ellwangen. Andererseits würde das Unternehmen dann wohl nicht mehr so rasant wachsen wie nur mit dem Mikrobatterien-Segment, befürchten Experten. Sollten die Kartellbehörden zustimmen, würde Varta den Umsatz auf gut 600 Millionen Euro verdoppeln. Dann wäre die neue Varta AG fast wieder die alte Varta. Die Firma in Ellwangen bleibt unter Strom…

MDax mit Aufsteigern Varta und Tea
Jan Plate, HR
23.12.2019 13:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 23. Dezember 2019 um 13:49 Uhr.

Darstellung: