Wasser

Zugang zu Trinkwasser Milliardenmarkt aus Hahn und Flasche

Stand: 19.08.2020 06:35 Uhr

Die Vereinten Nationen haben die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zu einem Menschheitsziel erklärt. Doch viele Millionen Menschen haben dazu keinen Zugang. Anleger können vielfältig ins Thema Wasser investieren.

Der Zugang zu Wasser ist eines der 17 Nachhaltigkeitsziele, die die UN 2015 ausgegeben haben. Diese "Sustainablity Goals" sind Teil der Agenda 2030. Die Nummer sechs dieser Ziele lautet: "Sauberes Wasser und Sanitärversorgung". Dass jeder Mensch auf dem Planeten in den kommenden zehn Jahren in den Genuss von Wasser für seinen Bedarf kommt, scheint schwer zu erreichen.

Milliarden Menschen in Wassernot

Global ist die Lage im Jahr 2020 eher düster: Anlässlich des Weltwassertages im März 2020 haben die Vereinten Nationen einige erschütternde Zahlen vorgelegt. Danach haben 2,2 Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. 785 Millionen können nicht einmal ihre Grundversorgung mit Trinkwasser sicherstellen. 3,6 Milliarden Menschen leben in Gebieten, die mindestens einmal im Jahr extrem wasserarm sind. Die Wasserarmut in vielen Regionen der Erde wird sich durch den Klimawandel noch verschärfen. Mangelnde Hygiene und die Ausbreitungen von Krankheiten sind die Folge der Wassermisere.

Grundwasser geht zurück

Auch Deutschland hat in den vergangenen Wochen eine, sehr relative, Wasserverknappung erlebt, verbunden mit großer Hitze. Bei uns ist allerdings im Prinzip Wasser in Hülle und Fülle vorhanden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes steht uns im jährlichen Mittel ein Wasserangebot von rund 188 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung. Davon wird aber nur ein geringer Teil (25 bis 30 Milliarden Kubikmeter) genutzt. Dass es hin und wieder zu einer "Verknappung" kommt, hat vor allem damit zu tun, dass viele örtliche und regionale Versorger auf Grundwasser zurückgreifen. Da die Grundwasserneubildung in den vergangenen Jahren in einigen Regionen zurückgegangen ist, sind die Reserven begrenzter.

Klimaforscher sehen in den kürzeren Wintern in Deutschland die entscheidende Ursache dafür - der Klimawandel ist auch hier verantwortlich für die Veränderungen. Laut Experten müssen die Wasserversorger ihre Infrastruktur stärker auf diese Veränderungen einstellen. Neben einigen großen Versorgern wie RWE und Veolia besteht die Wasserwirtschaft hierzulande aus vielen Tausend örtlichen und regionalen Unternehmen, die öffentlich, privat oder öffentlich-rechtlich über Zweckverbände organisiert ist. Sie stehen in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, größere Speicher für Reserven aufzubauen und stärker Oberflächenwasser, wie etwa aus Seen, für die Wasserversorgung zu nutzen.

Ein Geschäft für viele Branchen

An der Wasserversorgung und -entsorgung, der Wasseraufbereitung und der Bereitstellung der Infrastruktur sind Unternehmen unterschiedlicher Branchen beteiligt. Wasser muss "gewonnen" werden, also etwa aus Grundwasserschichten abgepumpt oder aus Oberflächenwasser wie Seen entnommen werden. Speicher- und Rohrleitungssysteme sorgen für die Aufbewahrung und den Transport. In Klärwerken wird "gebrauchtes" Wasser aufbereitet, Rückhaltebecken sorgen für die Vermeidung von Überschwemmungen.

Die größten Verbraucher sind in Deutschland die Energieversorger, die etwa die Hälfte des Wasserangebots nutzen. Den Rest nutzen, etwa mit gleichen Anteilen, Industrie und Bergbau und die öffentliche Wasserversorgung an Privathaushalte und Kleinbetriebe.

Wasser in Flaschen für den Gewinn

Verdient wird aber nicht nur an "normalem" Trinkwasser beim privaten Verbraucher. Auch mit "veredelten" Wassern oder Mineralwasser, wie sie Weltkonzerne wie Nestlé verkaufen werden Milliarden verdient. Der Schweizer Konzern Nestlé hatte es in den vergangen Jahren mit unrühmlichem Geschäftspraktiken geschafft, in die Schlagzeilen zu kommen. So wehrt sich der französische Kurort Vittel inzwischen gegen die Wasserentnahme durch den Konzern, weil dort der Grundwasserspiegel sinkt. Nestlé verfolgt in den USA offenbar den Plan, Wasser aus Lagunen in Florida abzupumpen, und in Flaschen abgefüllt zu verkaufen.

Weitere Kursinformationen zu Nestlé

Anlagethema "Wasser"

Wer als Anleger in den Rohstoff Wasser investieren will, sollte die Geschäftspraktiken der Unternehmen, die mit Wasser Geld verdienen, genauer unter die Lupe nehmen. Aktien von Unternehmen, die bei der Wasserversorgung und -aufbereitung eine wichtige Rolle spielen, finden sich etwa in speziellen Aktienindizes. Auf diese Indizes wiederum werden Indexfonds aufgelegt, die an der Börse gehandelt sind. Einige Fondsgesellschaften haben zudem spezielle "Wasserfonds" im Angebot. Auch hier sollte sich der private Investor die Zusammensetzung des Fonds vor dem Kauf genauer ansehen (s. unsere Übersicht: In Wasser investieren).

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. August 2020 um 08:18 Uhr.

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