Visa und PayPal

Trotz Wirecard-Skandal Warum PayPal und Co. erfolgreich sind

Stand: 02.07.2020 06:45 Uhr

Die erfundenen Milliarden bei Wirecard sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Abwicklung von Zahlungsverkehr ein extrem lukratives Geschäftsmodell ist. Warum das so ist und welche Herausforderungen es gibt, zeigt das Beispiel der Branchenriesen PayPal, Visa und Mastercard.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Tatsächlich dürfte ein Blick auf die Bilanzen von Visa und Mastercard die meisten Firmenchefs vor Neid erblassen lassen, bleibt doch von 100 Euro Umsatz rund die Hälfte als Gewinn übrig – Margen, von denen die meisten Unternehmen aus Industrie und Handel nur träumen können. Deren Umsatzrendite erreicht oft nicht einmal zehn Prozent.

Dagegen hat Visa im ersten Quartal dieses Jahres bei Erlösen von 5,9 Milliarden Dollar einen Gewinn von 3,1 Milliarden Dollar erzielt, also etwas mehr als die Hälfte. Mastercard schaffte einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 4,0 Milliarden Dollar. Zahlungsdienstleister wie das US-Unternehmen PayPal oder der niederländische Wirecard-Konkurrent Adyen verdienen zwar deutlich weniger, aber ihre Umsätze wachsen zweistellig.

Und ihre Aktienkurse sind in den letzten Wochen geradezu explodiert. So ist der Kurs von Adyen seit Jahresbeginn um fast 80 Prozent gestiegen. Auch die PayPal-Aktie notiert auf Rekordniveau. Was macht diese Firmen so erfolgreich?

Dünne Personaldecke

Es sind gleich mehrere Faktoren, die Visa, Mastercard & Co befeuern. So zahlen weltweit immer mehr Menschen mit Bank- und Kreditkarte oder per Smartphone, statt mit Bargeld. Der boomende Onlinehandel hat diesen Trend noch beschleunigt. Einen zusätzlichen Schub brachte die Corona-Pandemie.

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Denn aus Angst vor Ansteckung kaufen die Menschen nicht nur zunehmend im Internet, sie zahlen auch in Geschäften verstärkt mit Karte oder dem Smartphone, weil viele Einzelhändler das wünschen - in der Annahme, dass dies hygienischer ist als der Umgang mit Bargeld. Kein Wunder also, dass die Zeichen für die Zahlungsdienstleister auf Wachstum stehen.

Trotzdem arbeiten diese Firmen mit einer vergleichsweise dünnen Personaldecke. Weltweit beschäftigt Mastercard laut "Forbes" 18.600 Mitarbeiter, bei Visa sind es 19.500. PayPal hat 23.000 Angestellte. Das mag zwar zunächst nach viel klingen, aber die großen Banken oder Einzelhändler beschäftigen deutlich mehr Menschen. Allein die Deutsche Bank zählt noch 95.000 Angestellte - mit entsprechend hohen Personalkosten.

Schlanke Kostenstruktur

Zudem brauchen die Zahlungsabwickler und Kartenanbieter keine teuren Filialen. Sie arbeiten also mit einer schlanken Kostenstruktur und müssen nur die Infrastruktur für Banken und Händler bereitstellen, erklärt Jochen Siegert von Traxpay, der die Branche seit Jahren kennt. Und bei jeder Transaktion verdienen die Firmen einen kleinen Betrag mit.

Dabei kommt es darauf an, einen möglichst großen Kundenstamm zu haben. Nur so lassen sich auch Milliarden verdienen. PayPal beispielsweise und sein mobiler Bezahldienst Venmo verfügen über mehr als 275 Millionen aktive Verbraucherkonten. Tendenz stark steigend: Denn ein elementarer Vorteil von PayPal ist es, dass getätigte Zahlungen sofort dem Zahlungsempfänger gutgeschrieben werden und somit die sonst übliche Banklaufzeit einer Überweisung entfällt.

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Dominante Marktstellung

Noch besser stehen Visa und Mastercard da. Sie kontrollieren weltweit fast drei Viertel des Marktes für Kreditkarten. In Deutschland haben die beiden Anbieter sogar 80 Prozent Marktanteil. Teil des Erfolgsrezepts ist es dabei, den Vertrieb der Karten den lokalen Banken zu überlassen. Weder Visa noch Mastercard geben ihre Kreditkarten selbst heraus, sondern lizenzieren sie an Banken und Sparkassen.

Zusätzlich haben beide Konzerne eine starke Stellung im Online-Handel, dort kümmern sie sich abgesehen von der Zahlungsabwicklung auch um Betrugserkennung oder Risikomanagement – ein zusätzliches Geschäft. Längst sind Kreditkartenanbieter und Zahlungsabwickler also zu vollwertigen Zahlungsdienstleistern mutiert, mit einer hochkomplexen Infrastruktur. Sie machen es neuen Playern extrem schwer, in den Markt einzusteigen.

Neue Konkurrenten drohen

Doch wie überall steht auch in dieser Branche die Welt nicht still. Neue Konkurrenten drohen den etablierten Firmen Marktanteile abzujagen. Gerade im Bereich der mobilen Bezahldienste ordnet sich der Markt inzwischen neu. So könnte sich der rasante Erfolg von Apple Pay zu einer Bedrohung für PayPal erweisen.

Auch wollen Experten nicht ausschließen, dass Apple eines Tages eine eigene Finanzinfrastruktur aufbaut, um damit den beiden großen Kreditkarten-Anbietern Visa und Mastercard Konkurrenz zu machen.

Weniger Zukunftsmusik ist die wachsende Bedeutung des Bitcoin, vor allem für größere und grenzüberschreitende Zahlungen. Im vergangenen Jahr erreichte das Transaktionsvolumen mit Bitcoin 727 Milliarden Dollar, rund zehn Prozent des Transaktionsvolumens von Visa. Der Vorteil der Kryptowährung gelten die Transaktionskosten, die deutlich niedriger sind als bei Visa und Co.

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Sollte das exponentielle Wachstum der Kryptowährung sich weiter fortsetzen, könnte der Bitcoin bereits in zehn Jahren zum Marktführer in der Zahlungsbranche werden und die Konkurrenz übertrumpfen, prophezeien die Anhänger der Kryptowährung. Ob dies auch so kommt, bleibt abzuwarten, denn noch gilt die Kryptowährung eher als Zockervehikel denn als vertrauenswürdige Devise. Somit dürfte dem Geschäft von Visa, Mastercard & Co noch eine glänzende Zukunft bevorstehen.

Quelle: boerse.ard.de
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