Ölfeld in China (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Coronavirus und andere Gründe Warum Öl billig bleiben wird

Stand: 12.02.2020 11:25 Uhr

Die Ölpreise und mit ihnen die Spritpreise an den Tankstellen fallen und fallen. Und das liegt nicht nur am Coronavirus.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Das Coronavirus wütet immer heftiger. Allein in China sind bereits mehr als 1.100 Menschen an dem neuen Virus gestorben. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Ölmarkt, ist China doch der wichtigste Ölnachfrager der Welt.

Die Volksrepublik verbraucht rund 14 Millionen Barrel pro Tag. Das ist so viel wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Südkorea und Japan zusammen.

Ein Virus und seine Folgen

Kein Wunder also, dass die Notierungen für Rohöl seit Jahresbeginn um rund 18 Prozent eingebrochen sind. Zu Wochenbeginn fiel der Preis für die Nordseesorte Brent bis auf 53 Dollar – das ist der niedrigste Stand seit Januar 2019.

China und seine Importe sind für den Weltölmarkt einfach zu bedeutend, um den massiven Nachfragerückgang ignorieren zu können. Die US-Energiebehörde EIA rechnet in ihrem Monatsbericht damit, dass die Ölnachfrage aus dem virusgeplagten China im ersten Quartal um rund 320.000 Barrel täglich sinken wird.

Brent
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Der Preis für die Nordseesorte Brent steht seit Januar deutlich unter Druck

Zudem sorgt die Krankheit weltweit für eine deutliche Abschwächung der Kerosin-Nachfrage, weil der Flugverkehr von und nach China stark eingeschränkt ist.

Fracking-Boom schürt Überangebotssorgen

Doch damit nicht genug: Jenseits der kurzfristigen Schwächung der Ölpreise durch das Coronavirus lastet auch ein struktureller und damit langfristig negativer Effekt auf dem "schwarzen Gold".

Fracking-Anlage in Wyoming, USA
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Fracking-Anlage in Wyoming, USA

Überangebotssorgen dämpfen schon seit Monaten die Stimmung am Ölmarkt. Zwar produziert die Organisation erdölproduzierender Länder (OPEC) heute täglich 2,1 Millionen Barrel Öl weniger als noch im Oktober 2018. Erst im Dezember hatte sie sich mit weiteren Förderstaaten auf Kürzungen um weitere 500.000 Barrel pro Tag geeinigt.

Doch das Kartell steht nur noch für rund ein Drittel des weltweiten Ölangebots. Die USA haben dank des Fracking-Booms Saudi-Arabien als weltgrößten Ölproduzenten überholt. Laut der EIA hat die Ölförderung in den USA im Januar mit rund 13 Millionen Fass pro Tag ein Rekordhoch erreicht. Der amerikanische Schieferöl-Sektor konterkariert damit die Bemühungen der OPEC.

"Jojo-Effekt" am Ölmarkt

Ölraffinerie Libyen
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Ölraffinerie in Libyen

Hinzu kommen neue – und alte – starke Player auf der Angebotsseite. Sollte auf der Libyen-Konferenz kommende Woche in Kairo ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien erzielt werden, dürfte sich die libysche Ölproduktion rasch erholen. Das würde den Ölmarkt zusätzlich täglich mit über einer Million Barrel des "schwarzen Goldes" aus Libyen fluten und damit die Preise weiter drücken.

Zudem wurde Brasilien binnen weniger Monate zu einem bedeutenden Ölexporteur. Laut dem staatlichen Ölkonzern Petrobras stieg die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um rund 400.000 Barrel auf über drei Millionen Barrel täglich.

Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte der Commerzbank spricht daher von einem "Jojo-Effekt" am Ölmarkt. "Von unten wird der Ölpreis durch die OPEC+ unterstützt. Von oben drückt der Produktionsanstieg aus den Nicht-OPEC-Ländern."

Jetzt hängt es an Saudi-Arabien

Die OPEC ist auch jetzt wieder unter Zugzwang. Ein Ölpreis von aktuell gut 50 Dollar – das ist für Saudi-Arabien einfach viel zu wenig. Das Land braucht einen Preis von mindestens 80 Dollar, um seine Staatsausgaben finanzieren zu können.

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Was macht die OPEC?

Das in der vergangenen Woche eilig einberufene Technische Komitee der OPEC+ hat nun eine zusätzliche Förderkürzung um 600.000 Barrel pro Tag bis Juni empfohlen. Diese muss aber erst noch auf dem nächsten OPEC-Ministertreffen beschlossen werden. Das führende OPEC-Land Saudi-Arabien hat bereits seine Zustimmung signalisiert; Russland zeigt sich bislang zögerlich. Einmal mehr dürfte es damit von Saudi-Arabien abhängen, ob der Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht kommt.

Rasche Erholung nicht in Sicht

Doch selbst wenn sich die OPEC+ auf eine zusätzliche Fördermengendrosselung einigen sollte: Mit einer raschen Erholung der Ölpreise ist deshalb noch lange nicht zu rechnen.

Der globale Ölmarkt bleibt nach einhelliger Meinung von Rohstoffexperten auch ohne die aus dem Coronavirus resultierenden Belastungen in der ersten Jahreshälfte klar überversorgt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2020 um 17:06 Uhr.

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