Nvidia-Schriftzug | Bildquelle: REUTERS

Nvidia kauft Arm Milliardenübernahme in der Chipbranche

Stand: 13.09.2020 13:31 Uhr

Der für seine Grafikkarten bekannte US-Konzern Nvidia übernimmt eines der wichtigsten Unternehmen der Smartphone-Industrie, den britischen Chip-Designer Arm - für 40 Milliarden Dollar. Verkäufer ist der japanische Softbank-Konzern.

Durch den Verkauf wird Nvidia alle Anteile von Arm gegen einen Mix aus Bargeld und Aktien erwerben, wodurch Softbank und sein Vision Fund einen Anteil an Nvidia zwischen 6,7 und 8,1 Prozent erhält, teilte Softbank am Morgen mit.

Softbank hatte Arm vor vier Jahren für rund 32 Milliarden Dollar gekauft und von der Börse genommen. Jetzt bekommt der japanische Konzern Nvidia-Aktien im Wert von 21,5 Milliarden Dollar sowie 12 Milliarden Dollar in bar. Später kann Softbank noch weitere fünf Milliarden Dollar in bar oder Aktien bekommen, wenn bestimmte Ergebnisziele erreicht werden. Außerdem gibt Nvidia noch Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an die Arm-Belegschaft aus.

Zustimmung der Kartellbehörden nötig

Allerdings erfordert die Übernahme noch die Zustimmung von Wettbewerbshütern in den USA, der Europäischen Union, China und Großbritannien. Die Unternehmen rechnen dabei mit einem Zeitraum von 18 Monaten.

Arm selbst stellt keine Computerchips her. Es vergibt vielmehr Lizenzen für die dahinter liegende Technologie. Von Arm stammt die Grund-Architektur der Chips, die in praktisch allen Smartphones und den weitaus meisten Tablet-Computern verwendet werden. Auf Basis der Arm-Designs entwickeln unter anderem Apple und Samsung die Prozessoren für ihre Smartphones.

Auch der Chipkonzern Qualcomm, dessen Prozessoren in vielen Android-Telefonen stecken, greift darauf zurück. Die Arm-Architekturen setzten sich in Smartphones gegen Chip-Systeme des Halbleiter-Riesen Intel durch - unter anderem weil sie deutlich stromsparender arbeiten. Jetzt steht die Technologie auch vor dem Sprung in den PC-Markt: Apple stellt seine Mac-Computer auf Arm-Technologie um, ein erstes Modell wird noch in diesem Jahr erwartet.

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Quantensprung von Nvidia

Für Nvidia ist die Übernahme ein Quantensprung. Das erst 1993 gegründete Unternehmen ist bekannt für seine Grafik-Chips , die in Videospielen zum Einsatz kommen. Die von Nvidia entwickelte Software lässt aber auch sehr gut für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz einsetzen. Die Firma entwickelt inzwischen auch Computer für Fahrassistenz-Systeme im Auto und autonomes Fahren.

Das neue Geschäft hat dem Nvidia-Geschäft einen neuen Schub beschert. So ist der Umsatz allein im jüngsten Geschäftsquartal um 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Der Aktienkurs hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, seit 2019 sogar fast vervierfacht. Damit ist Nvidia derzeit fast 300 Milliarden Dollar wert, mehr als der alt ehrwürdige Konkurrent Intel, der 211 Milliarden Dollar auf die Waage bringt.

Lizenzmodell soll bleiben

Zum Vergleich: 2016, als Arm von Softbank übernommen wurde, betrug die Marktkapitalisierung von Nvidia gerade einmal 31 Milliarden Dollar und lag damit in etwa auf der Höhe des Kaufpreises von Arm. Diese Zahlen verdeutlichen welch riesigen Entwicklungssprung Nvidia in den letzten Jahren vollzogen hat.

Noch ist unklar, was genau Nvidia mit Arm vorhat. Konzern-Chef Jensen Huang versicherte, dass das Lizenzmodell von Arm beibehalten werde. Zugleich wolle Nvidia auch seine Grafik-Technologie über die Arm-Plattform anbieten. Nvidia betonte auch, das Hauptquartier von Arm solle in Großbritannien bleiben - und um Forschung für Robotik, autonomes Fahren und das Gesundheitswesen ausgebaut werden.

Strategischer Schachzug von Softbank?

SoftBank-Chef Masayoshi Son
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SoftBank-Chef Masayoshi Son vor SoftBan Vision Fund 1-Display

Für Softbank-Gründer Masayoshi Son haben sich die Pläne nicht erfüllt, wollte er doch mit Hilfe von Arm das Internet der Dinge vorantreiben. Doch die damit beauftragten Abteilungen wurden im August geschlossen.

Auch markiert der Verkauf einen Einschnitt in die bisherige Strategie, durch strategische Investitionen in junge Technikfirmen eine führende Stellung einzunehmen. Arm gilt als der wichtigste Designer von Smartphonechips und wurde deshalb als ein wichtiger Baustein in der Digitalwelt von morgen betrachtet.

Unklar bleiben deshalb die Gründe für die Trennungsabsichten von Softbank. Einige Experten sprechen zwar von einem geschickten Schachzug, weil die Japaner mit dem Deal zum größten Anteilseigner von Nvidia aufsteigen, was ihre Stellung in der Halbleiterbranche noch stärken würde. Zudem kennt der Softbank-Chef das Nvidia-Management gut, da er noch vor wenigen Jahren zu den Hauptanteilseignern des Grafikkartenkonzerns gehörte.

lg/dpa/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. September 2020 um 14:00 Uhr.

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