Proteste der Demokratiebewegung in Hongkong | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Nach Massenprotesten Moody's stuft Hongkong herab

Stand: 21.01.2020 10:41 Uhr

Die Ratingagentur Moody's hat Hongkong aufgrund der andauernden politischen Unruhen heruntergestuft. Die Bonitätsprüfer übten harte Kritik an der Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Der chinesischen Sonderverwaltungszone "fehlen konkrete Pläne, um die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Bevölkerung Hongkongs anzugehen, die in den letzten neun Monaten in den Vordergrund getreten sind. Dies könnte eine schwächere institutionelle Kapazität widerspiegeln, als Moody's es zuvor angenommen hatte", sagte die Agentur in einer Erklärung.

Der Druck auf die Regierung durch die teils gewalttätigen Proteste der pro-demokratischen Bewegung untergrabe Hongkongs Kreditprofil direkt. Die Ratingagentur stufte daher die Bonität Hongkongs von "Aa2" um eine Stufe auf "Aa3" herab, verschob ihren Ausblick jedoch von negativ auf stabil. In absehbarer Zeit droht damit keine weitere Herabstufung.

Nicht die erste Herabstufung

Die Regierung in Hongkong teilt die von den Moody's-Experten geäußerte Kritik naturgemäß nicht. Sie sagte in einer ersten Reaktion, sie sei mit der Einschätzung Moody's nicht einverstanden und "zutiefst enttäuscht" über die Entscheidung.

Erst im September hatte die Ratingagentur Fitch Hongkong aufgrund der politischen Unruhen von "AA+" auf "AA" herabgestuft. Sie begründete dies mit der Aussicht auf eine "weitreichende Integration in Chinas Regierungssystem". Die Fitch-Experten erwarteten, dass die chinesische Zentralregierung in Peking die Sonderverwaltungszone künftig kürzer an die Leine nehmen werde.

Im Würgegriff der Rezession

Erst am Wochenende hatte die Polizei in Hongkong erneut Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse eingesetzt, um eine regierungskritische Kundgebung Zehntausender Demonstranten im Stadtzentrum aufzulösen.

Seit mehr als sieben Monaten dauern die Hongkonger Massenproteste inzwischen an. Das hat auch Folgen für die Wirtschaft, vor allem der Einzelhandel und die Tourismusbranche leiden. Die logische Folge ist eine sinkende Binnennachfrage.

Ende 2019 – erstmals seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren – rutschte Hongkong sogar in eine technische Rezession. Eine solche ist durch zwei Quartale mit sinkender Wirtschaftsleistung in Folge gekennzeichnet.

ag

Quelle: boerse.ard.de
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