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Starker November für den Dax Anleger dürfen auf weitere Kursgewinne hoffen

Stand: 29.11.2020 10:49 Uhr

Die Aussichten auf einen Corona-Impfstoff und die milliardenschweren Konjunkturhilfen der Regierungen lassen die Investoren zuversichtlich Richtung Jahresende blicken. Aber Rückschläge sind jederzeit möglich.

In der vergangenen Woche gewann der Dax rund 1,5 Prozent dazu und ging am Freitag mit einem Stand von 13.335 Punkten aus dem Handel – das war der vierte Wochengewinn in Folge. Außerdem steuerte er mit einem Plus von bislang rund 15 Prozent auf den besten November seiner Geschichte zu.

Dem US-Standardwerteindex Dow Jones, der in der alten Woche erstmals die Marke von 30.000 Punkten übersprungen hatte, winkte mit einem Anstieg von knapp 13 Prozent der größte Monatsgewinn seit 1987.

"Aussichtsreicher Cocktail"

Experten halten es für wahrscheinlich, dass die gute Stimmmung anhalten dürfte: "Die Aussicht auf einen baldigen Beginn der Covid-19-Impfungen lässt Anleger über die gegenwärtigen Belastungen durch die Lockdowns hinwegsehen. Angesichts zunehmend schwindender Anlagealternativen bleibt ihnen auch kaum eine andere Wahl, als in Aktien zu investieren", komentiert Helaba-Analyst Markus Reinwand.

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die staatlichen Hilfsprogramme zur Abfederung der Pandemie-Folgen gepaart mit den Erfolgen bei der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs seien ein sehr aussichtsreicher Cocktail für weitere Zugewinne, prognostiziert Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen.

Eine geo- und handelspolitisch freundlichere Biden-Regierung, positive Impfstoffentwicklungen und die weltweite Fortsetzung der üppigen Konjunkturprogramme würden für Tauwetter auch im nächsten Jahr sprechen, meint auch Robert Halver, Marktstratege bei der Baader Bank. "Neben fundamentalen Aufhellungen spricht der Evergreen 'Liquiditätshausse' klar für Aktien."

Biontech Covid19-Impfstoff  | Unternehmen

Biontech-Pfizer Covid19-Impfstoff BNT162 Bild: Unternehmen

Eine Sektorreaktion könnte bevorstehen

Die jüngsten Nachrichten zu vielversprechenden Impfstoffkandidaten seien ein "Game-Changer" für den Aktienmarkt, sagten die Experten der DZ Bank. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt in den kommenden Monaten zur Normalität zurückkehren werde. Bislang konnten besonders diejenigen Aktien von den Impfstoff-Nachrichten profitieren, die zuvor erheblich verloren hatten. Diese Kursreaktion ist aus Sicht der Experten ein Vorgeschmack auf eine Sektorrotation, die die Anleger auf dem Weg in Richtung Normalität begleiten dürfte.

Halver hält zwischenzeitliche Rückschläge aber für möglich: "Sicherlich sorgen ungünstige Lockdown-Entwicklungen mit wirtschaftlich negativen Folgen und das Warten auf konkrete positive Impfstoffnachrichten für zwischenzeitliche Anlegerverunsicherung." Auch ein zu großer Überhang der Optimisten zu Pessimisten am US-Aktienmarkt sei Grund für kurzfristige Konsolidierung. "Mit Blick auf die robusten Aussichten sind Kursrückgänge jedoch als Einstiegschance zu verstehen", ist sich Halver sicher.  

Shoppen in Zeiten von Corona | imago images / photonews.at

Menschen mit Atemmasken in einer Fußgängerzone Bild: imago images / photonews.at

Wie steht es um die Konjunktur?  

In den USA stehen in der kommenden Woche wichtige Konjunkturdaten auf dem Programm. Neben den ISM-Einkaufsmanagerindizes wird der Arbeitsmarktbericht der Regierung für den Monat November veröffentlicht. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten am Arbeitsmarkt einen in etwa halb so hohen Stellenaufbau wie im Oktober. Als Gründe nennen sie zum einen die neuerlichen Kontaktbeschränkungen wegen der neuen Corona-Welle. Zum anderen dürften die noch verbliebenen Hilfskräfte für die Volkszählung entlassen werden.

In der Eurozone dürften die Zahlen zu den Verbraucherpreisen große Beachtung finden. Laut Dekabank dürfte die Jahresinflationsrate in der Eurozone auf dem niedrigen Niveau von 0,3 Prozent verharren. In den von der Corona-Pandemie besonders hart betroffenen Wirtschaftszweigen wie dem Tourismus seien die Teuerungsraten bereits in den letzten Monaten in den negativen Bereich gerutscht. Die neuen Beschränkungen des öffentlichen Lebens dürften hier zu zusätzlichem Abwärtsdruck geführt haben, meinen die Fachleute.

Konjunktur | picture alliance/Christian Charisius/dpa

Containerhafen im Abendlicht Bild: picture alliance/Christian Charisius/dpa

Veränderungen bei den Nebenwerten

Am Donnerstag stehen die deutschen Nebenwerte im Blickpunkt. Bei der Indexentscheidung der Deutschen Börse könnte es zu einem Stühlerücken kommen. Indexstrategen zufolge dürfte Siemens Energy in den MDax einziehen und den kleinsten Wert in dem Auswahlindex verdrängen. Das wäre nach Berechnungen der Commerzbank voraussichtlich Grenke, aber auch die Aareal Bank könne es noch erwischen. Zudem dürften im SDax einige Wechsel anstehen. Wirksam werden würden mögliche Änderungen zum 18. Dezember.

ts