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IIF warnt Weltweite Verschuldung auf neuem Rekordstand

Stand: 26.11.2020 14:51 Uhr

Die gigantischen Maßnahmen vieler Staaten zur Bekämpfung der Corona-Krise haben die Schulden in der Welt weiter nach oben getrieben. Mit 272 Billionen Dollar sind sie so hoch wie nie. Experten schlagen Alarm.

In seiner neuesten Analyse spricht der Weltbankenverband, das Institute of International Finance (IIF), von einem "Schulden-Tsunami". Seit Jahresanfang sei die Schuldenlast weltweit um 15 Billionen Dollar oder knapp fünf Prozent auf das Rekordniveau von 272 Billionen Dollar gestiegen. Das ist so viel wie nie.

Der Tsunami dürfte noch größer werden. Bis zum Jahresende werde die Verschuldung auf 277 Billionen Dollar steigen, prognostiziert der Bankenverband. Das entspräche 365 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Weltwirtschaft, hat der IIF ausgerechnet. Ende 2019 lag die Verschuldung noch bei 320 Prozent des BIP.

Zu anderen Zahlen kommt der IWF. In diesem Jahr dürfte die globale Staatsverschuldung auf fast 100 Prozent der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung (BIP) steigen, prophezeite er Ende Oktober. Laut IWF sind weltweit 11,7 Billionen US-Dollar an Corona-Hilfen ausgegeben worden - teils aus zusätzlichen Staatsausgaben, teils aus Liquiditätshilfen wie Krediten oder Garantien sowie Kapitalspritzen für wirtschaftlich bedrohte Firmen.

Corona ist nicht schuld

Die zunehmende sprunghafte Verschuldung in der Welt hat aber nicht nur mit Corona zu tun. Sie ist seit mehreren Jahren zu beobachten. Laut dem IIF erhöhte sich die Schuldenlast seit 2016 um 52 Billionen Dollar. Zuvor war die Zunahme nicht so dynamisch, hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Verweis auf die Statistik des IIF festgestellt.

Die Wirkung der schuldenfinanzierten Konjunkturstimuli hinterfragt der Bankenverband. Trotz höherer Schuldenaufnahme in den letzten Jahren ist die Wirtschaft im Durchschnitt kaum stärker gewachsen als die Jahre zuvor. Das durchschnittliche Wachstum lag 2017 bis 2019 bei 2,9 Prozent – nach 2,8 Prozent von 2014 bis 2016.

Droht bald wieder eine neue Schuldenkrise?

Angesichts dieser Entwicklung warnen Experten vor einer neuen Schuldenkrise. Besonders im von Corona hart getroffenen Italien oder auch in Griechenland ist eine solche Gefahr groß, falls die Europäische Zentralbank (EZB) die Länder nicht mehr retten kann. "Man kann nicht auf Dauer von der Druckerpresse leben", monierte Ökonom Hans-Werner Sinn jüngst wieder auf einer Konferenz, aus der die "FAZ" zitiert.

Nach Berechnungen von Sinn wird durch das Anleihenkaufprogramm der EZB in Höhe von drei Billionen Euro die Zentralbankgeldmenge im Euroraum bis zum Sommer auf gigantische 5,4 Billionen Euro wachsen. Dies, so Ex-Ifo-Institutschef Sinn, sei eine Versechsfachung im Vergleich zur Finanzkrise. Irgendwann drohe dann eine hohe Inflation. Laut Sinn könnte die Teuerungsrate anziehen, wenn die Corona-Impfstoffe verabreicht sind und die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt. Sollte die Inflation über die Zielmarke von zwei Prozent schießen, könne die europäische Geldpolitik nicht mehr die Spirale bremsen, zitiert die "FAZ" den Ökonomen.

nb

Quelle: boerse.ard.de
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