Dax 14.000

Marktausblicke der Banken Dax 14.000 im nächsten Jahr?

Stand: 26.11.2020 12:00 Uhr

Alle Jahre wieder werfen zahlreiche Banken den Blick in die Glaskugel und prognostizieren die Börsenentwicklung für die nächsten zwölf Monate. Diesmal sind die Experten besonders optimistisch. Sie trauen dem Dax neue Rekorde zu - wegen des nahenden Impfstoffs.  

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Vor unvorhersehbaren Ereignissen hatten die Börsen-Auguren zwar immer wieder gewarnt. Aber die Corona-Pandemie, die zur größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg geführt hat, hatte natürlich keiner kommen sehen. Selbst im Februar beschwichtigte noch so mancher Anlagestratege, Covid-19 werde auf China und Asien beschränkt bleiben. Als das Virus dann doch nach Europa und Amerika überschwappte und die Börsen dramatisch einbrachen, waren viele ratlos und gaben Durchhalteparolen aus.

Seitdem die Notenbanken mit gigantischen Liquiditätsspritzen zu Hilfe geeilt und die Börsen auf Erholungskurs gegangen sind, haben die Marktstrategen ihren Optimismus wieder gefunden. Für 2021 prophezeien unisono die Experten der Deutschen Bank, DZ Bank und Helaba dem Dax einen Sprung auf ein Rekordniveau von 14.000 Punkten. Das wäre ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

Deutsche Bank: "Mehr Chancen als Risiken!"

Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank
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Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank

Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, sieht "mehr Chancen als Risiken". "An den Aktienmärkten dürften weitere gute Nachrichten zu den potenziellen Impfstoffen für Rückenwind sorgen. Die Börsen dürften dies honorieren und auf eine beschleunigte wirtschaftliche Erholung setzen." Zwar erlebe die Weltwirtschaft derzeit "den tiefsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, aber der Ausblick auf 2021/22 hellt sich auf", sagt Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutsche Bank Research.

So habe sich der Welthandel nach einem scharfen Einbruch zu Jahresbeginn bereits wieder stabilisiert. Insbesondere für die Exportnation Deutschland sei wichtig, dass sich in China als der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Konjunktur schnell erholt habe. Das BIP dürfte nach Schätzung der Deutschen Bank 2021 um 5,9 Prozent zulegen.

Rotation kommt

Mehrere Anlagestrategen glauben, dass 2021 das Jahr der Rotation wird. Chefstratege Stephan von der Deutschen Bank empfiehlt den Anlegern, "2021 mutig zu sein und in Aktien zu investieren, die zuletzt zurückgeblieben sind". "Die Letzten werden die Ersten sein." Unter den Aktien seien jetzt diejenigen attraktiv, die besonders unter der Corona-Pandemie gelitten hätten, während die Krisengewinner zu teuer geworden seien, sagte Stephan. Da werde es in den nächsten Monaten einen Tausch geben.

Er sieht großes Aufholpotenzial für zyklische Aktien, insbesondere Autowerte. Auch Tourismus-, Luftfahrt- und Bankaktien dürften sich erholen. Dagegen sieht Stephan für Tech-Aktien kaum noch Luft nach oben.

DZ Bank
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DZ Bank-Turm und Fahnen mit dem DZ-Logo

"Die Sektorrotation kommt – wie nach jeder Krise", ist Christian Kahler, Leiter Aktienstrategie bei der DZ Bank, überzeugt. "Wer jetzt nicht auf Zykliker setzt, glaubt nicht daran, dass wir einen erfolgreichen Impfstoff bekommen." Die zu erwartende Normalisierung des täglichen Lebens werde die Erholung der Wirtschaft beschleunigen und klassische konjunktursensible Branchen wie Auto, Chemie, Industrie und Bau beflügeln. Auch die Corona-Verlierer Touristik, Hotellerie und Gastronomie werde ein Revival erleben, wenn die Menschen wieder hinausdürfen.

DZ Bank warnt vor Rückschlägen in den nächsten Monaten

Noch sei es aber zu früh, in Aktien wieder einzusteigen. In den kommenden Monaten könnte es wegen der Corona-Restriktionen nochmals zu Rücksetzern kommen. "Wir haben noch mindestens ein halbes Jahr Unsicherheit vor uns", befürchtet Kahler. Der Dax könnte maximal nochmals um acht Prozent zurückfallen.

Stefan Kreuzkamp
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Stefan Kreuzkamp, Anlagestratege DWS

Stefan Kreuzkamp, Anlagestratege der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, warnt ebenfalls vor einem Kursdämpfer. Die Märkte hätten bereits eingepreist, dass im kommenden Jahr effiziente Impfstoffe gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen werden. Entsprechend hoch sei das Risiko für Kursrückschläge, wenn zum Beispiel die Impfstoffe doch nicht so effizient sein sollten wie erhofft oder wenn sich weniger Menschen als gedacht impfen ließen.

Extrem-Szenario nicht auszuschließen

Im Worst-Case-Szenario der Helaba droht dem Dax gar ein Rutsch Richtung 10.000 Punkte, sollte die Pandemie und die Unsicherheit länger andauern als gedacht. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios, das sie "Poltergeist" nennt, liege aber nur bei 20 Prozent. Viel wahrscheinlicher (70 Prozent) sei das Szenario "Nanny", demzufolge die Wirtschaft ähnlich wie ein Kind wieder "aufgepäppelt" werde.

Dr. Gertrud Traud, Helaba
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Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin und Leiterin Research bei der Helaba

Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, will aber auch nicht ganz eine noch größere Überraschung nicht ausschließen. Sollte die Wirtschaft in der EU dank des Aufbaufonds noch kräftiger in Fahrt kommen als prognostiziert, könnte der Dax gar bis 16.000 Punkte steigen. Die Wahrscheinlichkeit sieht sie freilich nur bei zehn Prozent.

Ehrhardt sieht Dax bald bei 16.000 Punkten

Dr. Jens Ehrhardt
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Dr. Jens Ehrhardt

Da ist Vermögensverwalter Jens Ehrhardt deutlich optimistischer. Er erwartet den deutschen Leitindex schon bis Frühjahr nächsten Jahres bei 16.000 Zählern. "Nachdem die Bremsklötze Corona und Präsidentschaftswahl weg sind, dürfte der monetäre Schub die Börsen weiter nach oben tragen", sagt er in "Focus Money".

An der Wall Street dürfte die Rekordrally weitergehen. Die Deutsche Bank rechnet mit einem Anstieg des breiter gefassten S&P 500 um sechs Prozent auf 3.800 Punkte. Die DZ Bank sieht den S&P 500 bis Ende 2021 ebenfalls bei 3.800 Punkten. Deutlich zuversichtlicher äußert sich die US-Bank Goldman Sachs. Sie prognostiziert einen Sprung des S&P 500 um gut 18 Prozent auf 4.300 Punkte. Nur die Helaba ist vorsichtig. Sie rechnet mit nur einem leichten Zuwachs auf 3.750 Zähler.

Asiatische Aktien favorisiert

Zu den großen Gewinnern 2021 dürfte Asien zählen. Ehrhardt und auch Kreuzkamp von der DWS trauen chinesischen Aktien am meisten zu. China sei der Krisengewinner schlechthin. Der Containerumschlag dort sei derzeit schon 15 Prozent höher als vor einem Jahr. "Da brummt es", sagt Helaba-Chefvolkswirtin Traud.

"Gold glänzt nicht mehr"

Alternativen zu Aktien sehen die Anlagestrategen kaum. Dass der Goldpreis 2021 ähnlich stark entwickelt wie im Corona-Jahr, halten viele Experten für unwahrscheinlich. Die Fachleute der Deutschen Bank trauen dem gelben Edelmetall keine all zu großen Sprünge mehr zu. "Gold glänzt nicht mehr", meinen sie und verweisen auf die in einer möglichen Erholung stärker gefragten Industriemetalle. Nach Einschätzung der Strategen der Deutschen Bank werde der Goldpreis innerhalb der nächsten zwölf Monate bis auf 2.100 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) steigen. 

Quelle: boerse.ard.de
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