Ifo Geschäftsklimaindex November 2020

November-Blues Ifo: Zweite Corona-Welle macht Erholung zunichte

Stand: 24.11.2020 10:57 Uhr

Trotz der Aussicht auf Impfungen gegen das Corona-Virus trübt sich die Stimmung der Firmen in Deutschland in der Pandemie weiter ein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel zum zweiten Mal in Folge.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im November von 92,5 Zählern im Vormonat auf 90,7 Punkte. Das ist das zweite Mal in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem stärkeren Rückgang auf 90,1 Punkte gerechnet. "Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Containerschiff
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Containerschiff wird beladen

Die Manager beurteilten den Ausblick für ihre Geschäfte deutlich pessimistischer und ihre Lage etwas schlechter als zuletzt: Die Geschäftserwartungen belaufen sich auf 91,5 Punkte, die Lageeinschätzungen stehen bei 90 Punkten. "Für die deutsche Wirtschaft wird der Herbst ungemütlich", sagt auch Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

"Die Wirtschaft geht durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen", kommentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

"Dämpfer für die Exporterwartungen"

Die Industrie habe sich zwar zuletzt der Abwärtsentwicklung entgegengestemmt. "Sie ist ein Lichtblick", sagte Wohlrabe. Ihre Lage habe sich deutlich verbessert. "Die Exporterwartungen der Industrie haben aber einen deutlichen Dämpfer erhalten und liegen wieder leicht im negativen Bereich", warnte der Experte.

"Grund ist der Shutdown bei wichtigen Handelspartnern, vor allem in Europa." Das dürfte die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany dämpfen. In Asien - das weit weniger unter der Pandemie leidet - gingen die Geschäfte derzeit ganz gut."

Die Aussicht auf bald zur Verfügung stehende Impfstoffe spiegele sich noch nicht in positiveren Erwartungen der Unternehmen wider. Auch der Ausgang der US-Wahl habe keine sichtbare Rolle in der Umfrage gespielt, meint Wohlrabe zu der Umfrage unter 9.000 Managern.

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Hoffnung durch Impfen

Die deutsche Wirtschaft hatte sich im Sommer nach dem Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr wieder gefangen und war um 8,5 Prozent gewachsen. Der Konjunktur droht Ökonomen zufolge durch die absehbare Verlängerung des Teil-Lockdowns jedoch ein erneuter Rückschlag.

Einen Hoffnungsschimmer bietet jedoch die Aussicht auf Impfstoffe in der Pandemie: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass noch in diesem Jahr die ersten Bürger in Impfzentren gegen das Corona-Virus immunisiert werden können.

ts

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Andreas Rees HVB - UniCredit

Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit

"Der Ifo ist jetzt im Zuge des 'Lockdown Light' in etwa nur um ein Fünftel so stark gefallen wie jeweils im März oder im April während des ersten Lockdowns. Wir halten eine technische Rezession um die Jahreswende für wahrscheinlich. Der Rückgang des BIP wird aber weit unter dem bleiben, was wir im Frühjahr erlebt haben. Insgesamt scheinen die Unternehmen die Verschlechterung der Geschäftsaussichten für die nächsten Monate stärker zu gewichten als die zuletzt positiven Nachrichten über einen Impfstoff."

Quelle: boerse.ard.de
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