Continental-Zentrale in Hannover

Neue Jahresprognose Continental sieht wieder klar

Stand: 11.11.2020 10:07 Uhr

Der Corona-Nebel hat sich für Continental ein wenig gelichtet. Der kriselnde Autozulieferer und Reifenhersteller sieht wieder klarer in die Zukunft und traut sich – knapp zwei Monate vor Jahresende – eine neue Jahresprognose zu.

Anfang April hatte der weltweit drittgrößte Autozulieferer wegen der Corona-Krise zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und den Ausblick kassiert. Sieben Monate später bleibt die Situation im Unternehmen auch wegen des Um- und Abbaus Tausender Stellen brenzlig.

Immerhin traut sich Continental nun erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr wieder eine Prognose zu. Der Dax-Konzern will 2020 nun einen Umsatz von rund 37,5 Milliarden Euro erzielen, wie die Hannoveraner am Mittwoch mitteilten. Im vergangenen Jahr hatte Conti noch 44,5 Milliarden Euro erlöst. Die um Sondereffekte bereinigte operative Rendite (Ebit-Marge) soll 3,0 Prozent erreichen, nach 7,4 Prozent im Vorjahr.

Rote Zahlen sind gewiss

Insgesamt werde man aber beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern sowie unter dem Strich weiter einen Fehlbetrag ausweisen müssen, erklärte Conti. Ein Grund dafür sind hohe Abschreibungen und die Umbaukosten, die zusammengenommen mit etwa 1,3 Milliarden Euro zu Buche schlagen.

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Im vierten Quartal würden zudem erwartete Rückstellungen für Gewährleistungen und höhere Forschungs- und Entwicklungskosten die Autozulieferersparte stärker belasten als bisher angenommen, warnte das Unternehmen.

Umstrittener Stellenabbau

Doch nicht nur mit Blick auf die Geschäftsperspektiven, auch intern kriselt es im Unternehmen gewaltig. Continental-Chef Elmar Degenhart war wegen des geplanten Abbaus von konzernweit rund 30.000 Stellen in die Kritik geraten. Die Fortsetzung der Strategie "Transformation 2019-2029" bleibt zwischen Belegschaft und Management heftig umstritten.

Die Gewerkschaft IG BCE und die Conti-Spitze führen nun weitere Gespräche, um möglichst viele Jobs zu erhalten. Der Konzern rechnet noch 2020 mit einem abschließenden Ergebnis.

Chefwechsel mitten im Transformationsprozess

Elmar Degenhart
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Elmar Degenhart verlässt das Unternehmen vorzeitig

Degenhart selbst bezeichnete die Lage seiner Branche als "tiefgreifendsten Transformationsprozess seit der Erfindung des Automobils". Die Hannoveraner wandeln ihr Kerngeschäft von klassischer Mechanik und Hydraulik hin zu immer mehr Elektromobilität, Sensorik und Software.

Mitten in diesem Großumbau hatte Degenhart vor zwei Wochen angekündigt, seinen Vorstandsvorsitz aus gesundheitlichen Gründen Ende November abzugeben. Die Nachfolge soll bald geklärt werden. Als interner Favorit galt zuletzt Nikolai Setzer (49), derzeit zuständig für das Kerngeschäft Automotive.

ag

Quelle: boerse.ard.de
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