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Bald wird wieder verhandelt Glyphosat: Richter erhöht Druck auf Bayer

Stand: 10.11.2020 09:30 Uhr

Der Druck auf Bayer auf eine Einigung im Glyphosat-Streit steigt: Der zuständige US-Richter kündigte an, die Verhandlung bei einigen offenen Fällen wieder aufzunehmen. Für den Chemie- und Pharmakonzern ist das eine schlechte Nachricht.

Verhandlungen von Glyphosat-Klagen vor Gericht dürften kaum im Interesse von Bayer sein, hatte der Konzern doch in den ersten drei Verfahren wegen angeblicher Krebsrisiken von Glyphosat herbe Niederlagen kassiert. Jedoch sind nicht alle Rechtsmittel ausgeschöpft.

US-Richter Vince Chhabria hat jetzt angekündigt, dass nach einer Zeit für Verhandlungen für einen Vergleich nun die Zeit gekommen sei, die Fälle wieder aufzunehmen. Das erhöht den Druck auf Bayer, denn das könnte bedeuten, dass nächstes Jahr bis zu vier Fälle vor Gericht verhandelt werden müssen.

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Doch Bayer hat weiter die Möglichkeit, für deren Ablehnung zu kämpfen oder sich mit den Klägern zu einigen. Bayer teilte mit, man wolle weiter eine Einigung bei den Glyphosat-Klagen erzielen. Der vom Gericht bestellte Mediator Ken Feinberg sagte, man sei noch nicht am Ziel, es gebe aber bedeutende Fortschritte.

Es geht zu langsam

Bayer hatte im Sommer einen groß angelegten Vergleich in der Sache angekündigt. Dabei sind für bestehende Glyphosat-Klagen bis zu 9,6 Milliarden Dollar vorgesehen. Bereits gegen Ende des Sommers hatte Richter Chhabria Bayer wegen des langsamem Tempos bei den Einigungen gerügt und angedroht, die Verfahren in einigen der Fällen fortzusetzen.

Wie seit Anfang November bekannt ist, hat Bayer mittlerweile in 88.500 Fällen eine Vereinbarung erzielt. Ende Juni hatte Bayer von etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen berichtet.

Glyphosat | picture alliance/Patrick Pleul/ZB/dpa

Glyphosat Bild: picture alliance/Patrick Pleul/ZB/dpa

Gegenstand der Vergleichsverhandlungen ist noch immer der Umgang mit möglichen künftigen Fällen, also mit potenziellen Klägern, die künftig an Krebs erkranken und Glyphosat dafür verantwortlich machen. Richter Chhabria hatte sich hier an der ursprünglich von Bayer und der Gegenseite geplanten Lösung gestört.

Die Bayer-Führung hatte Anfang November angekündigt, dass ein überarbeiteter Vorschlag etwa zwei Milliarden Dollar kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden Dollar. Was genau an den neuen Vereinbarungen teurer wird und wie Bayer Richter Chhabria überzeugen will, sagte Bayer damals nicht. Insgesamt käme das Vergleichspaket so auf rund 11,6 Milliarden Dollar (fast 10 Milliarden Euro).

Das Agrargeschäft schwächelt   

Vergangene Woche hatte Bayer Quartalszahlen vorgelegt und dabei im Wesentlichen enttäuscht – nicht zuletzt auch, weil das Thema Monsanto noch immer auf den Geschäften lastet. Hinzu kamen auch allgemein schwache Zahlen im Agrargeschäft, das ja durch Monsanto unterstützt  werden sollte.

"Ausgerechnet der Bereich CropScience, in dem sich Bayer durch die Milliarden-Übernahme von Monsanto massiv verstärkt hatte, sorgte im dritten Quartal für hohe Wertberichtigungen und einen Konzernverlust", schrieb NordLB-Analyst Thorsten Strauß dazu in einer Analyse.   

ts