Ausblick

In Amerika geht der Zahlenreigen los Berichtssaison im Zeichen von Corona

Stand: 11.10.2020 14:20 Uhr

Es ist mal wieder soweit - mit den großen Banken beginnt in Amerika die Berichtssaison für das abgelaufene Quartal. Und doch ist dieses Mal alles anders als sonst, denn die Corona-Krise hält den Markt weiter fest im Griff.

Von Robert Minde, boerse.ARD.de

Donald Trump, Joe Biden
galerie

Donald Trump, Joe Biden

Die Krise hat dabei viele Facetten, die sich nicht nur auf die tägliche Veröffentlichung immer neuer Horrorzahlen beschränkt (zuletzt wurden in den USA rund 52.000 Neuinfektionen bekannt), sondern auch noch mitten in den wohl erbittertsten und niveaulosesten Präsidentschaftswahlkampf aller Zeiten fällt, der die Spaltung Amerikas weiter zementiert hat.

Mittlerweile scheint auch Amtsinhaber Donald Trump angesichts schwacher Umfragewerte erkannt zu haben, dass ein neues Konjunkturprogramm her muss, um die Wirtschaft in Zeiten sprunghaft gestiegener Arbeitslosenzahlen weiter anzuschieben.

Denn Amerika ist bekanntlich eine Konsumökonomie und ohne Job ist es nun mal kaum möglich, am täglichen Konsum teilzunehmen. Trump, der eine Einigung mit den Demokraten im heillos zerstrittenen Kongress zuletzt noch brüsk abgelehnt hatte, wird plötzlich konzilianter.

Der Börse kann es nur recht sein

Nancy Pelosi
galerie

Nancy Pelosi

Das kommt natürlich an der Börse gut an, steigt damit doch die Aussicht auf frische Geldspritzen der Regierung. Fragwürdig bleibt aber, ob das von den Demokraten beherrschte Repräsentantenhaus so kurz vor einem möglichen Wahlsieg Trump den Triumph gönnen wird, plötzlich als Retter der Wirtschaft aufzutreten - Politprofi Nancy Pelosi und Kandidat Joe Biden werden das wohl kaum zulassen.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, denn beide Parteien sind sich prinzipiell einig, dass ein neues, billionenschweres Programm nötig ist. "Die Börsen dies- und jenseits des Atlantiks freunden sich so langsam aber sicher mit einem Machtwechsel im Weißen Haus am 3. November an", sagte Portfolio-Manager Jochen Stanzl vom Handelhaus CMC Markets.

Weitere Kursinformationen zu Dow Jones (Indikation)

Im Falle eines Wahlsieges könnte Biden die Strafzölle gegen China und Europa fallen lassen und wieder mehr auf eine internationale Zusammenarbeit setzen, was Europas Wirtschaftswachstum helfen würde. "Das könnte dann auch dem Deutschen Aktienindex ermöglichen, an die Stärke der Wall Street anzuknüpfen."

Die US-Banken machen den Auftakt

Inmitten der Krise und auf der politischen Zielgeraden beginnt nächste Woche in Amerika die Berichtssaison der Unternehmen für das September-Quartal. Traditionell machen die Banken den Anfang. Zumindest den Commercial-Banken drohen aber angesichts hoher Arbeitslosenzahlen und des neuen und dauerhaften Nullzinsumfelds schwere Zeiten. Platzhirsch JPMorgan und die Citigroup eröffnen am Dienstag die Berichtssaison, die Konkurrenz folgt im Wochenverlauf.

Weitere Kursinformationen zu JPMorgan Chase

Weitere Kursinformationen zu Bank of America

Weitere Kursinformationen zu Goldman Sachs

Zu den Höhepunkten der Woche zählt aber auch die Präsentation des Kultkonzerns Apple am Dienstag (ab 19:00 MEZ), auf der die Vorstellung des neuen iPhone 12 erwartet wird. Hierzulande gibt es nur vereinzelt Zahlen aus der zweiten Reihe, unter anderem von den MDax-Mitgliedern Gerresheimer, Metro und Hochtief.

Weitere Kursinformationen zu Apple

Weitere Kursinformationen zu Gerresheimer

Weitere Kursinformationen zu Hochtief

Der Dax und das böse Wort vom Lockdown

Ob sich der Dax bei seinem erneuten Anlauf über der Marke von 13.000 Punkten halten wird, wird aber nicht nur in Amerika entschieden. Derzeit hat die zweite Corona-Welle Europa und auch Deutschland erfasst, zur Stunde tagen die Krisenstäbe in Anbetracht der hohen Neuinfektionszahlen.

Wie wird die Politik reagieren, wenn trotz aller Appelle die Zahlen weiter steigen? In unseren europäischen Nachbarstaaten jedenfalls ist die Pandemie außer Kontrolle geraten und auch Bayerns Ministerpräsident Söder warnt vor einem exponentiellen Wachstum. Damit kommt das böse Wort vom Lockdown wieder ins Spiel, Hoffnungen auf einen schnellen, V-förmigen Konjunkturanstieg nach der Corona-Krise haben zuletzt immer mehr Risse bekommen - zumal von "Nach-Corona-Zeiten" derzeit keine Rede sein kann, im Gegenteil.

Weitere Kursinformationen zu Dax

Eine Quelle steter Unsicherheit, die in zinslosen Zeiten trotz der prinzipiellen Alternativlosigkeit zu Aktienanlagen auf die Stimmung drückt. Denn nicht nur Deutschland kann sich einen zweiten Lockdown nicht leisten.

Bleibt die Hoffnung auf Fortschritte in der Impfforschung. Immerhin legt mit Johnson & Johnson am Dienstag ein absolutes Schwergewicht beim Rennen um einen Corona-Impfstoff seine Zahlen vor. Der Pharmariese und Dow-Mitglied, immerhin mit einer Marktbewertung von fast 580 Milliarden Dollar, hat derzeit eine Phase-III-Studie laufen, die Hoffnungen sind groß.

Weitere Kursinformationen zu Johnson & Johnson

ZEW-Index im Fokus

Über die weiteren Aussichten für die deutsche Konjunktur könnte der ZEW-Index am Dienstag Aufschluss geben. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzmarktteilnehmer haben einen starken Aufschwung in Deutschland bereits vorweggenommen. Zuletzt lagen ihre Erwartungen auf dem höchsten Niveau seit Mai 2000.

"Die Bäume werden aber nicht in den Himmel wachsen", warnten die Analysten der Helaba. Für Oktober werde etwas mehr Realismus einkehren.

Auch in den USA sollten die Daten zeigen, dass die Erholung deutlich an Schwung verliert. In den USA werden dazu am Donnerstag die Konjunkturindizes Empire State und Philly-Fed erwartet. Am Freitag folgen die Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan.

Weitere Kursinformationen zu Euro in US-Dollar

Euro im Aufwind

Und was passiert am Devisenmarkt? Der Euro hat am Freitag wieder Fahrt aufgenommen, nachdem die Aussichten auf ein Konjunkturprogramm in den USA neue Nahrung erhalten haben. Er dürfte mitten in dieser Diskussion weiter gut unterstützt bleiben, zumal die jüngsten Konjunkturdaten aus dem Euroraum so schlecht nicht waren.

Brexit-Endspiel

Endgültig auf die Zielgerade gehen auch die bisher so fruchtlosen Brexit-Verhandlungen in der kommenden Woche. Der britische Premierminister Johnson hat als Dead-Line den 15. Oktober gesetzt. Wie es danach weitergeht sollte, wie wohl zu erwarten ist, keine Einigung erzielt werden, bleibt eine potenzielle Belastung für die Märkte. Mittel- bis langfristig prophezeien Experten dem britischen Pfund weiteres Abwärtspotenzial, zumal auch in Großbritannien Negativzinsen immer stärker diskutiert werden.

Weitere Kursinformationen zu Britisches Pfund in US-Dollar

Weitere Kursinformationen zu Britisches Pfund in Euro

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: