Heizöl | picture alliance / ZB Patrick Pleul

Neuerungen zum Jahreswechsel Heizölpreis könnte sprunghaft steigen

Stand: 04.12.2020 08:47 Uhr

Wer seinen Heizöl-Tank vor dem Winter noch nicht aufgefüllt hat, sollte sich wegen der hohen Nachfrage beeilen. Denn im kommenden Jahr steigen die Preise wieder. Das hat mehrere Gründe.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Alle Jahre wieder ist es dasselbe Ritual: Je näher der Winter kommt und die Temperaturen fallen, desto größer ist der Run aufs Heizöl. So ist es auch diesmal wieder. In den letzten Wochen verzeichneten Heizöl-Lieferanten eine rege Nachfrage. Kunden müssen wochenlang auf einen Termin warten.

Heizöl zeitweise so günstig wie zuletzt 2010

Kein Wunder, Heizöl war zuletzt so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im September kostete es zeitweise nur rund 37 Euro pro 100 Liter - dank des corona-bedingten Ölpreiseinbruchs und der Euro-Stärke. Seither ist der bundesweite Durchschnittspreis von schwefelarmen Standardheizöl wieder gestiegen - laut dem Portal Heizoel.de um über neun Euro auf aktuell 46,45 Euro je 100 Liter (bei Gesamtabnahme von 3.000 Litern). Trotzdem müssen sich die Besitzer von gut sechs Millionen Ölheizungen hierzulande nicht ärgern. 2020 hatten sie gut 40 Prozent niedrigere Heizkosten als im Vorjahreszeitraum, wie das Portal Check24 ermittelte.

Heizöl saisonal 30 Jahre | Seasonax

Bild: Seasonax

Wie Lundquist Neubauer vom Energie-Vergleichsportal Verivox gegenüber tagesschau.de erklärte, lagen die Kosten in der diesjährigen Heizperiode von September bis November bei nur 189 Euro. Das sind 126 Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mehrwertsteuer wird angehoben

Wer sich jetzt noch nicht mit Heizöl für den Winter eingedeckt hat, sollte es jetzt schleunigst tun, empfehlen Verbraucherschützer. Auch wenn es schon sehr spät sei, sei der Dezember immer noch ein guter Zeitpunkt, den Tank aufzufüllen, rät Udo Sieverding, Energie-Experte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). "Der nächste Termin, der im Dezember noch zu haben ist, ist vermutlich der beste." Denn billiger wird es vorerst nicht mehr.

Im Gegenteil: Ab 2021 dürften die Preise zunächst wieder anziehen. Der Grund sind zwei Faktoren: die Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent sowie die CO2-Abgabe. Pro Tonne Kohlendioxid, die beim Verbrennen von Heizöl und anderen fossilen Energieträgern entsteht, müssen verkaufende Unternehmen wie Raffinerien dann 25 Euro zahlen. Der Preis wird an die Kunden weitergegeben. Laut Bundesregierung steigt dadurch der Lieferpreis bei Heizöl um 7,9 Cent.

Fast ein Viertel teurer

Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das: Bei einem Verbrauch von 2000 Litern pro Jahr würde sich das Heizöl um rund 133 Euro verteuern, hat Verivox ausgerechnet. Fachmann Neubauer erklärte gegenüber tagesschau.de, dass die CO2-Abgabe und die höhere Mehrwertsteuer für eine Heizöl-Preissteigerung um rund 22 Prozent sorgen.

Wer jetzt noch Heizöl ordere, sollte allerdings darauf achten, dass die Lieferung vor dem Jahreswechsel erfolgt. Füllt der Heizöl-Lieferant den Tank erst im Januar auf, dürfte er die höhere Mehrwertsteuer und die CO2-Abgabe einpreisen, warnt Energiexperte Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Entscheidend für die Mehrwertsteuer und die CO2-Bepreisung sei das Lieferdatum.

Tropenstürme als Hinweis

Von der Alternative, noch abzuwarten bis zum Frühjahr und auf fallende Preise nach dem Dezember-Run zu setzen, raten Verbraucherschützer wie Sieverding ab. Er glaubt nicht daran, dass der Ölpreis, der maßgeblich die Entwicklung des Heizölpreises bestimmt, drastisch sinken wird. Angesichts der zunehmenden Wahrscheinlichkeit, dass bald Impfstoffe gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen, dürfte die Weltwirtschaft im Laufe des nächsten Jahres wieder in Schwung kommen. Das würde die Nachfrage nach Öl treiben, es sei denn die Opec+-Länder verknappen drastisch ihr Angebot. Danach sieht es aber momentan nicht aus.

Es gibt noch einen weiteren Grund, der gegen fallende Preise bei Öl und Heizöl spricht: La Niña. Das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen könnte für einen kühleren Winter auf der Nordhalbkugel sorgen. La Niña führt oft zu einer Zunahme der Regen- und Schneefälle sowie von Stürmen auf der Welt. Die Hurrikan-Saison im Atlantik gab einen ersten Vorgeschmack darauf: Mit 29 Tropenstürme wurde ein neuer Rekord erreicht.

Gasheizungen teurer

Ob Ölheizungen billiger bleiben als Gasheizungen, ist fraglich. Sollte sich der Ölpreis wieder normalisieren, könnte das Heizen mit Gas wieder attraktiver werden. Nach Berechnungen von Verivox waren die Kosten bei Gasheizungen in der jüngsten Heizperiode von September bis November gut 60 Euro höher als bei Ölheizungen.

Noch setzen die meisten Bundesbürger auf Gasheizungen. Rund sechs Millionen Deutsche besitzen eine Ölheizung. Ein Umstieg auf alternative Heizungssysteme mit erneuerbaren Energien (zum Beispiel Wärmepumpe) könnte sich langfristig lohnen. Aktuell gibt es eine staatliche Förderung für 45 Prozent der anfallenden Umbaukosten.

Debatte um Übernahme von höheren Heizkosten durch Vermieter

Die CO2-Bepreisung auf fossile Brennstoffe könnte langfristig Ölheizungen deutlich teurer machen. Mietern drohen deutlich höhere Nebenkosten. SPD-Minister wollen, dass Mieter die Erhöhung der Heizkosten nicht allein schultern sollen. Sie verlangen eine sozial gerechte Aufteilung der CO2-Kosten zwischen Mietern und Vermietern. Die Grünen wollen sogar, dass Vermieter vollständig die Kosten für den ab Januar geltenden CO2-Preis für ihre Mieter übernehmen. Widerstand kommt von der CDU/CSU. Die Debatte könnte zum Jahreswechsel neu angeheizt werden, da der zunehmende Trend zum Home-Office ohnehin für einen höheren Heizverbrauch sorgt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2020 um 07:35 Uhr.