Windrad auf einem Feld in Niedersachsen | Bildquelle: dpa

Nachhaltige Finanzen Anleger reißen sich um Öko-Bundesanleihe

Stand: 02.09.2020 17:23 Uhr

Die Bundesregierung bringt erstmals eine grüne Anleihe auf den Markt – und die Anleger reißen sich um die Papiere. Die Nachfrage war fünfmal höher als das Angebot. Dabei gibt es für Anleger finanziell nichts zu gewinnen.

Deutschland hat am Mittwoch die erste grüne Staatsanleihe platziert – und bei Investoren war die Nachfrage nach dem Papier mit zehnjähriger Laufzeit riesig. Insgesamt spülte das Papier 6,5 Milliarden Euro in die Kassen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Die Nachfrage sei mit mehr als 33 Milliarden Euro fünfmal höher als das Angebot gewesen, wie die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur mitteilte.

Das eingesammelte Geld muss Scholz nun nach den Regularien für solche Anleihen für ökologische Projekte ausgeben. Fördern will der Bund mit dem Geld Projekte in den Bereichen Verkehr, Internationale Zusammenarbeit, Forschung, Innovation und Information, Energie und Industrie sowie aus der Land- und Forstwirtschaft. Konkret fallen etwa Förderungen von Ladestationen für E-Autos, Industriestrom aus Wasserstoff oder Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern darunter.

Negative Rendite

Der Strukturwandel erfordere umfangreiche Investitionen, die auch über den Kapitalmarkt finanziert würden, sagte Tammo Diemer von der Finanzagentur. Die Emission zeigt nun, dass Investoren bereit waren, für das Versprechen, grüne Staatsausgaben zu finanzieren, eine Prämie zu zahlen. Das hatte Diemer im Vorfeld immer wieder als Ziel ausgegeben.

Anleger legen also für die mit null Prozent verzinste Anlage kräftig drauf. Der Kurs der grünen Anleihe habe nach der Platzierung bei 104,717 Prozent gelegen, so die Finanzagentur. Daraus ergibt sich eine negative Rendite von minus 0,463 Prozent.

Über zwölf Milliarden für grüne Projekte

Anders als bei grünen Anleihen von Unternehmen finanziert die Bundesregierung damit Ausgaben, die schon in der Vergangenheit getätigt worden sind. Das Bundesfinanzministerium hat dafür für dieses Jahr eine Summe von 12,7 Milliarden Euro ermittelt. Staatssekretär Jörg Kukies peilt an, in diesem Jahr über grüne Anleihen Mittel im Umfang von elf Milliarden Euro aufzunehmen. Im vierten Quartal soll dazu eine weitere, diesmal fünfjährige Öko-Anleihe folgen. Deutschland ist mit grünen Anleihen vergleichsweise spät dran. Länder wie Frankreich und Dänemark, aber auch Unternehmen und Banken begeben solche Papiere schon seit einiger Zeit. Die Nachfrage steigt weltweit stetig an.

"Die Emission der ersten grünen Anleihe war ein voller Erfolg für die Bundesregierung", sagte Achim Linsenmaier von der Deutschen Bank. Das Institut hatte die Emission begleitet. Die Nachfrage sei vor allem aus Europa, besonders von Zentralbanken, Investmentfonds, Versicherungen und Hedgefonds gekommen. Die Ratingagentur Moody's sieht in der Premiere für die deutsche Öko-Anleihe einen "bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des globalen Marktes für nachhaltige Anleihen".

Die nun platzierte Anleihe wurde in Form einer Zwillingsanleihe platziert, also parallel zu einer konventionellen Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit und gleichem Zinskupon. Investoren gibt dies den Vorteil, dass sie grüne Anleihen in normale Rentenpapiere des Bundes umwandeln können. Dieser Markt ist deutlich liquider. Gerade institutionelle Investoren legen Wert auf unproblematische Handelbarkeit. Bundesanleihen zählen zu den wichtigsten Wertpapieren im Euroraum. Ihre Renditen gelten als Referenzzinsen für den Euro. Den sogenannten Benchmark-Status wollte die Finanzagentur auch bei den grünen Titeln sichern.

rtr/jw

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2020 um 17:00 Uhr.

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