Grenkeleasing AG

Nach Manipulationsvorwurf Grenke lässt erst mal Zahlen sprechen

Stand: 02.10.2020 12:00 Uhr

Der wegen Vorwürfen der Bilanzmanipulation unter Druck stehende Leasingspezialist Grenke hat zwar mehr Neugeschäft gemacht als erwartet. Aber die frischen Zahlen rücken etwas in den Hintergrund, denn das "Handelsblatt" berichtet über einen Geldwäscheverdacht. Die Anleger stören sich daran nicht besonders.

Im frühen Handel legten die Aktien von Grenke zunächst um mehr als zwei Prozent zu, aktuell notieren sie leicht unterhalb des Vortagesniveaus. Vorbörslich waren die Titel noch deutlicher ins Minus gefallen, weil ein Bericht des "Handelsblatt" belastete. Demnach sei Grenke in den Fokus der "Financial Intelligence Unit" (FIU) geraten, der Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem "Handelsblatt" vorliege.

"Die FIU hat gegenwärtig acht Verdachtsmeldungen identifiziert, die in einem möglichen Zusammenhang mit den aktuell gegen Unternehmen der Grenke-Unternehmensgruppe erhobenen Vorwürfe stehen könnten", zitiert die Zeitung. Ob es einen solchen Zusammenhang gebe, könne gegenwärtig "noch nicht abschließend beantwortet werden".

Die Investoren sind sich unklar darüber, wie die Lage zu bewerten ist: Ein Marktteilnehmer fürchtet, dass die Anleger schnell wieder in den Panikmodus schalten könnten, auch wenn die Neugeschäftszahlen der Aktie ein Stück weit helfen. Der Bericht über die laufenden Ermittlungen des FIU könnte seinen Teil dazu beitragen. Andere verwiesen darauf, dass sich das Management in der Krise weiter zuversichtlich zeigt, dass die Vorwürfe aus der Welt geschafft werden können.

Leasingneugeschäft besser als gedacht

Die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky hatte die Anschuldigungen des Shortsellers Fraser Perring zuvor nur in allgemeinen Worten in der Unternehmensmitteilung erwähnt: "Dass sich unser Leasingneugeschäft trotz der Covid-19-Pandemie positiv entwickelt, ist ein starkes Zeichen", sagte die Chefin der Grenke AG. "Gerade vor dem Hintergrund der Shortseller-Attacke, mit der wir uns aktuell konfrontiert sehen, verleiht uns das Auftrieb und wir werden weiterhin alles daransetzen, die unberechtigten Anschuldigungen zu entkräften."

Weitere Kursinformationen zu Grenke

Das Leasingneugeschäft liegt im dritten Quartal wegen den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Es sank im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel auf 517,6 Millionen Euro, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit: "Mit einem Niveau von 75,4 Prozent des Vorjahresquartals lag das Neugeschäftsvolumen leicht über der vom Vorstand zuletzt kommunizierten Größenordnung von rund 70 Prozent", heißt es dazu in der Mitteilung. Zudem legte die Marge gemessen am Deckungsbeitrag im Vergleich zum Vorjahr leicht zu.

Rönnberg springt für Grenke ein  

Wolfgang Grenke
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Wolfgang Grenke

Grenke steht im Blickpunkt, weil der Leerverkäufer Fraser Perring das Unternehmen angegriffen hatte. Er wirft Grenke unter anderem Bilanzmanipulation und ein undurchsichtiges Geschäftsmodell vor. Grenke weist die Vorwürfe zurück. Der Börsenwert des Unternehmens sank seit der Attacke um etwas mehr als 40 Prozent oder eine Milliarde Euro auf jetzt nur noch knapp 1,5 Milliarden Euro.

Wirtschaftsprüfer Jens Rönnberg springt für Firmengründer Wolfgang Grenke als stellvertretender Aufsichtsratschef ein, wie die Leasingfirma mitteilte. Grenke lässt sein Amt ruhen, weil sein Unternehmen unter Druck eines Leerverkäufers geraten war und unter anderem die Rolle seines Gründers beim Aufbau von Franchisenehmern unter die Lupe nehmen lässt. Rönnberg sitzt erst seit knapp einem Jahr im Aufsichtsrat von Grenke. Der 62-Jährige arbeitete bis 2018 für PwC.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2020 um 17:22 Uhr.

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