Goldbarren

Preis auf Rekordhoch Gold so teuer wie noch nie

Stand: 27.07.2020 16:18 Uhr

In Krisenzeiten wie diesen flüchten sich die Menschen gerne in vermeintlich sichere Anlagen wie Gold. Deshalb kennt das Edelmetall bereits seit Monaten nur noch eine Richtung: nach oben. Und die Rally könnte weitergehen.

Am Montag stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) bis auf 1.945,81 Dollar und übertraf damit das bisherige Rekordhoch von rund 1.921 Dollar vom vergangenen September. Damit hat der Goldpreis in diesem Jahr bereits um etwas mehr als ein Viertel an Wert gewonnen. Allein in der vergangenen Woche verteuerte sich der Goldpreis um 4,5 Prozent. In Euro notiert das gelbe Edelmetall längst auf Höchstständen. Mitte Mai schaffte der Goldpreis mit 1.633 Euro je Feinunze eine neue Bestmarke.

Auch saisonale Effekte

Traditionelle indische Brautmode
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Präsentation traditioneller indischer Brautmode

Dabei hatte sich das Edelmetall zu Beginn der Corona-Krise sogar verbilligt, obwohl Gold eigentlich als Krisenwährung gilt. Mitte März kostete eine Feinunze zeitweise weniger als 1.500 Dollar. Doch im weiteren Verlauf begann die Nachfrage wieder zu steigen, so dass auch der Preis wieder anzog. Die billionenschweren Konjunkturhilfen von Notenbanken und Regierungen schürten die Angst vor einer langfristig drohenden Inflation.

Dass sich Gold gerade jetzt derart verteuert, hat nicht nur mit der Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Krise zu tun. Es sind auch saisonale Effekte, die den Preis im Sommer befeuern.

"Die indische Hochzeitssaison und das chinesische Neujahrsfest lassen den Goldpreis traditionell ab Mitte des Jahres anziehen", erklärte jüngst Dimitri Speck, Mitgründer der Investmentboutique Seasonax Capital und Gold-Experte. Auch die Schmucknachfrage im Weihnachtsgeschäft trage zu dem Preisanstieg bei. Allerdings könnte in diesem Jahr der Lockdown in Indien die Hochzeitssaison stark beeinträchtigen und so die traditionell starke physische Nachfrage nach Gold bremsen.

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Vorteil niedrige Zinsen

Hauptgrund für die rasante Verteuerung seit März ist allerdings die Corona-Pandemie mit ihren drastischen wirtschaftlichen Folgen. Auch die stark steigende Verschuldung von Staaten und Unternehmen sowie die anhaltend niedrigen Zinsen treiben die Menschen zunehmend in Gold, gilt doch das Edelmetall als Krisen- und Inflationsschutz. Da Gold keine Zinsen abwirft, entfällt damit ein großer Nachteil des Edelmetalls gegenüber verzinsten Wertpapieren.

Zuletzt haben auch die wieder zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China den Goldpreis gestützt, während die Aktienkurse unter Druck gerieten. Damit ist Gold einer der Vermögenswerte mit der besten Wertentwicklung des Jahres.

Vor allem Zuflüsse in Goldfonds haben die Rally zuletzt weiter angeheizt. "Die jüngste Hausse liegt vor allem an den Käufen der physisch hinterlegten ETC", sagt Analyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Diese hätten in diesem Jahr bereits 720 Tonnen Gold erworben - das Doppelte des Gesamtjahres 2019 von 360 Tonnen.

Kostet die Feinunze bald 2.000 Dollar?

Die Rohstoffexperten der großen Banken sind überzeugt, dass die Rally weitergehen wird. "Während wir glauben, dass Gold weiterhin von zunehmenden geopolitischen Spannungen gestützt wird, sind unserer Ansicht nach die Haupttreiber des Preisanstiegs die niedrigen Zinsen und das beschränkte Angebot", erklärt Mark Häfele, Chefanleger der Schweizer Bank UBS. Darüber hinaus bekomme das gelbe Edelmetall Rückenwind vom derzeit schwächelnden US-Dollar. Denn fällt der Greenback, wird Gold für Käufer aus anderen Währungsräumen billiger.

ARD-Börse: Märkte im Goldrausch

28.07.2020 13:50 Uhr

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Diese Faktoren dürften den Goldpreis weiter in die Höhe treiben, so der Experte. Häfele hat deshalb seine Prognosen angehoben und erwartet nun einen Anstieg bis auf 2.000 Dollar bis Ende September. Auch die Experten der Citibank trauen dem Goldpreis einen Anstieg auf bis 2.050 Dollar pro Feinunze zu.

Dennoch sollten Anleger nicht vergessen, dass die Wertentwicklung an den Aktienmärkten den Anstieg des Goldpreises weit in den Schatten stellt. So ist allein der Dax seit seinem Tief am 18. März um 50 Prozent gestiegen, also doppelt soviel wie der Goldpreis.

lg

Corona-Sorgen treiben Gold auf Rekordhoch
Dorothee Holz, HR
28.07.2020 06:46 Uhr

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Juli 2020 um 11:00 Uhr.

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