Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Notenbank Fed US-Zinsen noch lange bei null Prozent

Stand: 11.06.2020 09:30 Uhr

Die konjunkturellen Risiken sind erheblich, das Tempo der Erholung ungewiss: Die Fed stellt die Märkte auf eine längere Nullzins-Phase ein. "Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg", warnte Notenbankpräsident Jerome Powell.

Angesichts der tiefen Rezession in den USA will die Notenbank auf Jahre hinaus die Zinsen nahe null halten. Die Währungshüter beließen den geldpolitischen Schlüsselsatz in der Spanne von 0,00 bis 0,25 Prozent. Sie gaben zudem in ihrem Zinsausblick mehrheitlich zu erkennen, dass sie auch in den beiden kommenden Jahren keine Erhöhungen ins Auge fassen.

Die Zinsen blieben so lange niedrig, bis die Wirtschaft wieder in der Spur sei, ließen die Notenbanker mitteilen. "Wir denken noch nicht einmal daran, über eine Zinserhöhung nachzudenken", so Powell.

Konjunktur: Erst Einbruch, dann Erholung

Grund für das Nullzinsszenario sind die trüben Konjunkturaussichten: Die Notenbanker um Fed-Chef Jerome Powell erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um 6,5 Prozent einbricht, bevor es 2021 wieder um 5,0 Prozent zulegen werde. Neben der kurzfristigen Belastung bestünden auch mittelfristig große Risiken, hieß es weiter.

Jobsuchende in New York
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Jobsuchende in New York

Die Arbeitslosigkeit erwartet die Bank 2020 im Median bei 9,3 Prozent, 2021 dann bei 6,5 Prozent. Die Inflation wird 2020 bei 0,8 und 2021 bei 1,6 Prozent prognostiziert. Wegen der Corona-Krise hatte die Notenbank ihren eigentlich für März geplanten Konjunkturausblick verschoben.

Darüber hinaus konkretisierte die Notenbank das Ausmaß ihrer Wertpapierkäufe zur Belebung der Wirtschaft. Die Käufe würden "mindestens" in dem aktuellen Tempo fortgeführt. Die Fed von New York, die für die Abwicklung der Käufe zuständig ist, ergänzte, etwa 80 Milliarden US-Dollar je Monat in amerikanische Staatsanleihen zu investieren. Rund 40 Milliarden Dollar je Monat sollen in hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) fließen.

Massenarbeitslosigkeit, Unruhen, Handelsstreit

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe stellt fest: "Massenarbeitslosigkeit, Handelsstreit mit China, Unruhen im Inland: Dies hält die Fed in Alarmbereitschaft." Zusammenfassend könne man sagen, dass die Fed sich derzeit zwischen Krisenmodus und Aufbauhilfe befindet, meint Christian Scherrmann, Volkswirt bei der DWS. "Die Unsicherheiten sind nach wie vor groß, und die Aussichten implizieren einen langen Weg zur endgültigen Erholung. Das spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass das Volumen der Anleihekäufe nicht wie üblich gedeckelt wird."

Federal Reserve in Washington
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"Fed in Alarmbereitschaft"

Die Entwicklung in der Corona-Pandemie bleibe weiterhin der zentrale Orientierungspunkt für den geldpolitischen Kurs der Fed, sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert: "Solange sich die US-Währungshüter nicht sicher sind, dass die hiervon ausgehenden mittelfristigen Risiken für die US-Konjunktur überwunden sind und eine Rückkehr zu Vollbeschäftigung greifbar, stehen Leitzinsanhebungen nicht zur Debatte."

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, kommentiert: "Die Fed hatte heute nicht viel Neues im Körbchen. Das ist enttäuschend. Insgeheim war durchaus damit zu rechnen gewesen, dass die US-Notenbank das Volumen ihrer Kreditvehikel aufstockt. Für die Finanzmärkte war heute nicht viel dabei. Die EZB scheint derzeit besser zu verstehen, was an den Börsen gewünscht wird."

US-Börse uneinheitlich

An den US-Börsen hatte sich die Technologiebörse Nasdaq nach der Zinsentscheidung unbeeindruckt gezeigt und zugelegt. Der Nasdaq 100 Index schloss 1,3 Prozent fester auf 10.094,26 Punkten. Am Vortag hatte das Börsenbarometer erstmals die Marke von 10 000 Zählern geknackt.

Bei den Standardwerten ging es hingegen nach der Sitzung der US-Notenbank wieder abwärts. Der Dow Jones büßte 1,04 Prozent auf 26.989,99 Zähler ein und rutschte damit wieder unter die 27.000er Marke. Für den S&P 500 ging es um 0,5 Prozent auf 3.190,14 Zähler etwas weniger stark nach unten.

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Am Devisenmarkt stieg der Euro gestern zunächst über die Marke von 1,14 Dollar. Die Aussicht auf eine lange Nullzinsphase und eine tiefe Rezession schreckte die Anleger. Heute war hingegen der Dollar gefragt. Der Dollar gilt als sicherer Hafen bei Börsenturbulenzen: Die finsteren Konjunkturprognosen der Fed legen nahe, dass es an den Börsen nach der Erholungsrally wieder rückwärts gehen könnte.

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ts/rm/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2020 um 17:27 Uhr.

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