ExxonMobil

Ende einer Ära? ExxonMobil verlässt den Dow Jones

Stand: 31.08.2020 14:22 Uhr

Fast 100 Jahre war der Ölriese ExxonMobil Mitglied im Dow Jones, jetzt ist Schluss. Die Ölbranche hat die Geschicke der Welt jahrzehntelang bestimmt, aber sie verliert an Bedeutung. Die Branche hofft auf eine Wiederwahl Donald Trumps.

Ölgiganten wie ExxonMobil, Shell oder Chevron bekommen zu spüren, wie sich die Welt verändert. Die Bedeutung fossiler Energien schwindet, während Technologieaktien boomen und von Rekord zu Rekord klettern. Die Old Economy steckt in der Krise. Das lässt sich selbst am Dow Jones Industrial ablesen, dem bekanntesten Aktienindex der Welt.

Exxon-Tankstelle in New York
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Exxon-Tankstelle in New York

Das mit 92 Jahren am längsten im Dow vertretene Unternehmen, ExxonMobil, muss den Index jetzt verlassen. 1928 war der größte US-Öl- und Gaskonzern unter dem Namen Standard Oil of New Jersey in den Dow aufgenommen worden.  

Die Ölkiller Klimawandel und Corona

Über das Ende des Ölzeitalters wird schon lange spekuliert. Erneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch, das Thema Klimawandel beschleunigt die Abwendung vom Öl und forciert das Interesse an Wind- oder Solarenergie und an alternativen Antriebsarten.     

Hinzu kommt die Corona-Pandemie, die dafür gesorgt hat, dass die Nachfrage nach Öl weltweit eingebrochen ist – und damit auch der Ölpreis. Erst vor wenigen Tagen hatte die Internationale Energieagentur (IEA) die Prognose für die Rohölnachfrage wegen der Pandemie für das laufende Jahr und das kommende Jahr erneut gesenkt.

Öltanker
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Öltanker: Nachfrage ist eingebrochen

Selbst die jüngsten Quartalszahlen der Ölriesen zeigen, wie ernst die Lage ist. ExxonMobil verbuchte im zweiten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar. Bei Chevron betrug das Minus sogar mehr als acht Milliarden.

Tesla-Aufschwung: Wer braucht noch Öl?  

Dabei hatte ExxonMobil jahrelang zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehört. Zum letzten Mal hatte es der Ölriese im Jahr 2013 auf Platz eins der Liste geschafft. Seit 2008 hat sich der Börsenwert in etwa halbiert. Wie sehr sich die Einschätzung über die Zukunftsaussichten und die Bedeutung der Ölbranche gewandelt hat, erkennt man, wenn man sich den Börsenwert des Elektroautobauers Tesla ansieht.

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 900 Prozent zugelegt. Für wie nachhaltig man die Kursgewinne auch immer halten mag: Aktuell ist Tesla alleine so viel wert wie ExxonMobil, Shell und BP zusammen.

Die ganze Branche in der Krise

Fracking in Pennsylvania
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Fracking in Pennsylvania: Die Branche ist in der Krise

Den Abschied aus dem Dow Jones könnte man als weiteres Zeichen dafür interpretieren, dass die gesamte Ölindustrie im Niedergang ist. Das gilt insbesondere auch für die US-Fracking-Branche, die derzeit von einer Pleitewelle durchgeschüttelt wird.

Ende Juni hatte der US-Fracking-Pionier Chesapeake Energy wegen der stark gefallenen Energiepreise Gläubigerschutz anmelden müssen. Neben dem Preisverfall bei Erdgas und Öl belastete auch der Angebotsüberschuss infolge des US-Frackingbooms das Geschäft. Mittlerweile sind es bereits mehr als 50 Öl- und Gasunternehmen, die Pleite gegangen sind.  

Make the Oil Industry great again

Donald Trump
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Donald Trump: Großer Fan des großen Geschäfts

US-Präsident Donald Trump ist ein wichtiger Unterstützer der heimischen Ölindustrie. Er werde tun, was immer nötig sei, um zu helfen, hatte er im April angesichts der Corona-Krise und abstürzender Ölnotierungen gesagt: "Ich bin ein großer Fan unseres großen Energiegeschäfts. Wir werden uns um unser Energiegeschäft kümmern."

Seinerzeit hatte er auch die Chefs großer US-Ölunternehmen, darunter die Bosse von Chevron und ExxonMobil, im Weißen Haus empfangen: "Ich stehe Euch 1.000 Prozent bei" hatte er verkündet. Trumps kritische Haltung zum Thema Klimawandel ist bekannt.

Abkehr von fossilen Energien

Joe Biden
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Joe Biden: Will einiges anders machen als der Vorgänger

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden will sich im Falle seiner Wahl dagegen für erneuerbare Energien einsetzen und aktiv gegen den Klimawandel vorgehen. Biden legte einen Neun-Punkte-Plan vor für eine "Clean Energy Revolution". Ab Tag eins seiner Regierungsübernahme möchte er nicht nur "den Schaden, den Trump angerichtet hat wiedergutmachen", sondern auch weiter und schneller beim Thema saubere Energien voranschreiten.

Der US-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Josef Braml sagt, ein US-Präsident Biden würde wohl massiv auf Erneuerbare Energie setzen - "und damit nur nachvollziehen, was die Märkte längst vormachen, nämlich die Abkehr von fossilen Energien".

Für die ohnehin schwer gebeutelte US-Ölindustrie wäre ein künftiger Präsident Joe Biden deshalb alles andere als eine gute Nachricht.  

ts

Quelle: boerse.ard.de
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