Easyjet

Fast eine Milliarde Euro Verlust Wird Easyjet zum Übernahmekandidaten?

Stand: 08.10.2020 11:46 Uhr

Eigentlich gelten Billigflieger als Gewinner der derzeitigen Corona-Krise. Doch das betrifft offenbar nur den Marktführer Ryanair. Konkurrent Easyjet droht derweil das Geld auszugehen.

So muss die Fluggesellschaft erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen Jahresverlust verbuchen. Er werde vor Steuern bei 815 bis 845 Millionen Pfund (930 Millionen Euro) liegen, teilte Easyjet am Morgen bei der Vorlage der Jahreszahlen mit. Die Airline war 1995 gegründet worden.

Grund für die roten Zahlen sind natürlich die wegen der Coronapandemie drastisch gesunkenen Passagierzahlen. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 50 Prozent (48 Millionen) weniger als im Vorjahr.

Stellen werden gestrichen

Wie andere Fluggesellschaften auch musste die Airline ihren Betrieb im Frühjahr wegen der coronabedingten Beschränkungen ganz einstellen. Seit dem 15. Juni fliegt Easyjet wieder, allerdings mit stark reduziertem Flugplan. In den Monaten Oktober bis Dezember werde die Kapazität nur etwa 25 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, teilte das Unternehmen mit.

Angesichts vieler weiter laufenden Fixkosten geht der Airline damit rasch das Geld aus. Im Mai dieses Jahres hatte das Unternehmen damit gerechnet, dass 4.500 Stellen gestrichen werden müssten, was fast einem Drittel des Personals entsprochen hätte. Im Vereinigten Königreich seien nunmehr insgesamt 1.160 Personen entlassen worden, wie Easyjet mitteilt. Gerechnet hatte das Management mit 1.900. "Derzeit laufen Konsultationen zur möglichen Reduzierung von Arbeitsplätzen in Deutschland, Portugal und der Schweiz", wie das Unternehmen weiter mitteilt.

Zudem hat Easyjet von der britischen Regierung ein Darlehen über 600 Millionen Pfund aufgenommen, 608 Millionen Pfund brachte der Verkauf von Flugzeugen. Im Juni wurden knapp 60 Millionen neue Aktien am Markt platziert, was noch einmal 450 Millionen Pfund in die Kassen spülte.

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Braucht Easyjet noch mehr Geld?

Doch das reicht immer noch nicht. Medienberichten zufolge signalisierte die Airline der Londoner Regierung, möglicherweise eine weitere Finanzspritze zu benötigen, weil die derzeit wieder ausgeweiteten Reisebeschränkungen erneut für Einnahmeausfälle sorgen werden. Firmenchef Johan Lundgren betonte mit Blick auf die gesamte Airline-Branche, die Regierung "muss dringend ein maßgeschneidertes Maßnahmenpaket auf den Weg bringen". Endgültige Zahlen will Easyjet am 17. November vorlegen.

Auch Konkurrent Ryanair leidet unter dem Rückgang der Passagierzahlen. Doch das Unternehmen erweist sich als erstaunlich krisenresistent. Konzernchef Michael O’Leary betonte zuletzt immer wieder, dass Ryanair über eine prall gefüllte Kasse von umgerechnet 3,9 Milliarden Euro verfüge und schuldenfreie 333 Boeing-Jets im Gesamtwert von etwa sieben Milliarden Euro sein eigen nenne.

Covid-19 trennt die Spreu vom Weizen

Nach Einschätzung von O'Leary dürfte die schwierige Lage der Branche in der Pandemie die Spreu vom Weizen trennen. "Schwache, kleine Airlines werden diese Krise nicht überstehen können," urteilte er bereits im Sommer.

Ryanair-Manager hatten bereits vor der Krise immer wieder gesagt, dass es in Europa mittelfristig nur noch vier bis fünf große Airlines geben dürfte. "Covid-19 wird diesen Konsolidierungsprozess beschleunigen", glaubt auch Ryanair-Marketingchef Dara Brady. Neben Ryanair haben aus seiner Sicht Lufthansa, Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG die besten Aussichten. Aus Bradys Sicht könnten die Billigflieger Easyjet und WizzAir sogar zu Übernahmekandidaten werden.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Oktober 2020 um 13:38 Uhr.

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