Deutsche Bank

Gewinn bei der Deutschen Bank Sorge vor Kreditausfällen bleibt

Stand: 27.04.2020 11:50 Uhr

Trifft die Corona-Krise die Deutsche Bank doch nicht so hart wie befürchtet? Die jüngsten Quartalszahlen machen Hoffnung, aber das dicke Ende kommt erst noch. Denn es gibt eine große Unbekannte.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing zeigte sich anlässlich der überraschend guten Zahlen zum ersten Quartal zwar überzeugt, dass die Ergebnisse die "Fortschritte beim Umbau unserer Bank, die operative Stärke unseres Geschäfts und unsere Widerstandskraft bestätigen". Doch auch Sewing weiß, dass dies nicht so bleiben könnte.

Bereits im März schrieb er im neuen Geschäftsbericht, die Deutsche Bank sei besser auf eine Krise vorbereitet als vor einem Jahr. Allerdings sei es noch nicht möglich, sämtliche Folgen der Pandemie für die Gesamtwirtschaft abzuschätzen. Ein anhaltender Abschwung könnte die Bank "in erheblicher Weise" negativ beeinträchtigen.

Das sehen offenbar auch die Investoren so. Der Kurs der Deutschen Bank-Aktie hatte sich in den ersten Wochen nach Ausbruch der Pandemie mehr als halbiert und war zeitweise auf ein Rekordtief von 4,45 Euro gefallen - ein gewaltiges Misstrauensvotum. Davon hat sich das Papier zwar etwas erholt, ist wieder mehr als 6,00 Euro wert, doch von seinem Stand im Februar bei gut 10,00 Euro ist es immer noch weit entfernt.

Kreditausfälle sind die größte Sorge

Denn auch wenn die Deutsche Bank im ersten Quartal noch einen Gewinn ausgewiesen hat, deutet vieles darauf hin, dass das nicht so bleibt. Denn wie schwer die Rezession ausfallen in die vor allem Europa und die USA eintauchen werden, ist noch völlig offen. Auch kann derzeit niemand sagen wie lange die Krise dauern wird.

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Die größte Sorge sind dabei die drohenden Kreditausfälle vieler Geschäftskunden. Deshalb hat die Deutsche Bank bereits in den ersten drei Monaten ihre Risikovorsorge auf eine halbe Milliarde Euro angehoben, nach 140 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sie folgt damit dem Beispiel der großen US-Häuser, die ebenfalls massive Rückstellungen gebildet haben, weil sie befürchten müssen, dass viele Kunden ihre Kredite nicht zurückzahlen können.

Steigt die Vorsorge auf 1,8 Milliarden?

In Europa, besonders in Deutschland, dürften die Ausfälle zwar weniger hoch ausfallen, weil die sozialen Netze hier viel engmaschiger sind als in den USA. Analysten erwarten dennoch für das Gesamtjahr einen Anstieg auf 1,8 Milliarden Euro. "Insgesamt können wir uns in Europa auf eine Verdreifachung der Kreditrückstellungen für 2020 einstellen", glaubt Andreas Thomae, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Deka.

Die Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS) befürchtet vor allem im vierten Quartal 2020 und im gesamten Jahr 2021 eine Welle fauler Kredite.

Das ist zwar kein spezifisches Problem der Deutschen Bank, doch der heimische Branchenprimus steht schwächer da als viele seiner ausländischen Wettbewerber. Denn im Gegensatz zu den großen US-Häusern steckt die Deutsche Bank mitten im Umbruch und war in den vergangenen Jahren immer noch mit den Folgen der Finanzkrise beschäftigt, statt wie andere Banken wieder Milliarden zu scheffeln und sich somit ein komfortables Kapitalpolster aufzubauen.

Geringeres Kapitalpolster

Schon hat die Bank angekündigt, ihre Kapitalausstattung vorübergehend abzusenken, um die Nachfrage der Kunden nach Krediten bedienen zu können. Die Maßnahme wurde von den europäischen Bankenaufsehern zwar ausdrücklich erlaubt, doch bei Experten trifft sie auf Skepsis.

Die Analysten der britischen Barclays-Bank sprechen von einer negativen Überraschung. Denn für die im Umbau begriffene Deutsche Bank sowie für das gesamte Kreditgewerbe seien Kapitalausstattung und Vermögensqualität derzeit die wichtigsten Aspekte. Zumal der Kapitalaufbau für die Deutsche Bank schwieriger sein dürfte als für andere Institute, weil die deutschen Banken traditionell weniger verdienten als die europäischen und amerikanischen Konkurrenten.

Umbau trägt Früchte

Dennoch zeigt die Entwicklung in den ersten drei Monaten, dass die von Sewing angestoßene Sanierung erste Früchte trägt. So sind die Einnahmen deutlich stärker gestiegen als erwartet und übersteigen klar die Ausgaben. Abgesehen von der Risikovorsorge kann die Bank also wieder profitabel wirtschaften.

Das soll auch so bleiben. So bestätigte das Management trotz Corona-Krise das Ziel, bis 2022 die Kernkapitalquote auf 12,5 Prozent zu steigern. Und bereits in diesem Jahr sollen die Ausgaben auf 19,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Die Mitarbeiter müssen dafür allerdings einen hohen Preis zahlen: 18.000 Jobs sollen dem Umbau zum Opfer fallen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 27. April 2020 um 14:42 Uhr.

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