Elmar Degenhart | Bildquelle: dpa

Degenhart tritt zurück Conti-Chef legt Amt vorzeitig nieder

Stand: 30.10.2020 11:34 Uhr

Elf Jahre lang hat Elmar Degenhart die Geschicke des Dax-Konzerns Continental als Vorstandschef maßgeblich bestimmt. Völlig überraschend erklärte er heute seinen Rücktritt "aus Gründen unmittelbar notwendiger, gesundheitlicher Vorsorge."

Degenhart gibt das Amt an der Conti-Spitze bereits Ende November auf. Er habe den Aufsichtsrat gebeten, der vorzeitigen Aufhebung seines noch bis zum 11. August 2024 laufenden Mandats und Dienstvertrags zuzustimmen, heißt es in der Unternehmensmitteilung.  Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle habe angekündigt, im Aufsichtsrat kurzfristig über die Nachfolge zu entscheiden.

"Wir konzentrieren uns dabei auf die nahtlose Fortsetzung und Kontinuität in der laufenden Transformation von Continental vom Reifenhersteller und Automobilzulieferer zum zukunftsweisenden Technologie- und Softwareunternehmen für die Mobilität", erklärte Reitzle.

"Große Kraftanstrengung"

Ein Firmensprecher bekräftigte, dass es sich um persönliche, gesundheitliche Rücktrittsgründe Degenharts handle. Degenhart selbst erklärte, ihm sei "vor kurzem die Bedeutung vor Augen geführt" worden, "in meiner persönlichen Lebensplanung unverzüglich die Vorsorge für meine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Dabei hätte ich sehr gerne an unserem strukturellen Umbau und unserem profitablen Wachstums- und Zukunftsprogramm weitergearbeitet".

Continental Antriebstechnik
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Continental Antriebstechnik

Degenhart verwies auf die "große Kraftanstrengung", die ihn der Konzern gekostet habe. Er habe "schwierigste Entscheidungen getroffen und die entscheidenden Weichen gestellt", so der Manager. "Aber mit Rücksicht auf die mir gesundheitlich angeratene Zurückhaltung setze ich jetzt andere Prioritäten."

"Große Verdienste"

Aufsichtsratschef Reitzle wurde vom Unternehmen mit Lob und Dank gegenüber Degenhart zitiert: "Wir alle bedauern den Entschluss von Herrn Degenhart und seinen Rücktritt sehr. Wir respektieren jedoch seinen Wunsch und haben Verständnis für die dahinter stehenden, persönlichen Gründe." Die Verdienste des Ingenieurs um Continental seien groß.

Zum genauen Zeitpunkt oder zu einem Nachfolger gab es zunächst keine Angaben. Chancen auf den Spitzenjob soll Branchenkreisen zufolge etwa Nikolai Setzer haben. Der Leiter der Zuliefer-Hauptsparte von Conti und gelernte Wirtschaftsingenieur war zuvor auch Einkaufschef des Konzerns und hat langjährige Erfahrung vor allem im Reifengeschäft.

Conti steht vor hartem Strukturwandel

Continental-Fahnen
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Fahnen des Autozulieferers Continental in Hannover

In den vergangenen Wochen hatte es Berichte über die angebliche Suche nach einem Ersatz für Degenhart gegeben. Demzufolge sollen sich einzelne Mitglieder des Eigentümer- und Aufseherkreises ein stärkeres Durchgreifen und mehr Entschlossenheit im schwierigen Konzernumbau bei Continental gewünscht haben.

Das Unternehmen wandelt das Kerngeschäft von klassischer Mechanik und Hydraulik derzeit um zu immer mehr Elektromobilität, Sensorik und Software. Wie in der gesamten Autobranche läuft dieser Strukturbruch nicht ohne Schmerzen ab: Manch einem geht der Umbau nicht schnell genug - während auf der anderen Seite vor allem in der Arbeitnehmerschaft und bei den Gewerkschaften heftige Kritik an dem Sparkurs laut wurde.

Insgesamt sollen weltweit mindestens 30.000 Stellen bei Continental "verändert" werden, davon 13.000 in Deutschland. Dazu gehören neben Verlagerungen an andere Standorte und der Umwandlung in neue Qualifikationsmuster auch erhebliche Jobstreichungen. Haupteigner des Conti-Konzerns ist die Schaeffler-Familie, die auch den gleichnamigen fränkischen Industrie- und Autozulieferer kontrolliert.

Weitere Kursinformationen zu Continental

Besuche von der Staatsanwaltschaft

Die Zahlen des dritten Quartals waren zuletzt schwach ausgefallen. Außerdem wurde bekannt, dass im September und im Juli des laufenden Jahres wiederholt Ermittler der Staatsanwaltschaft Büros von Conti durchsucht hatten.

Bei den Ermittlungen, die mit dem VW-Dieselskandal zusammenhängen, geht es darum, ob sich Conti-Mitarbeiter der Beihilfe zum Betrug und der mittelbaren Falschbeurkundung in den Jahren 2006 bis 2015 schuldig gemacht haben. Die von VW in einem Dieselmotor verwendete Software stammte von Continental.

ts/dpa-AFX/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2020 um 08:00 Uhr.

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