Deutsche Börse in Frankfurt | picture alliance/imageBroker

Börsenindex wächst Neuer DAX besteht aus 40 Unternehmen

Stand: 24.11.2020 08:49 Uhr

Die Deutsche Börse baut den wichtigsten deutschen Aktienindex aus. Im September 2021 soll der DAX zehn weitere Mitglieder bekommen. Unternehmen müssen künftig strengere Regeln einhalten, um aufgenommen zu werden.

Die Deutsche Börse hat am Dienstag die erwartete Ausweitung des wichtigsten Aktienindex' in Deutschland bekanntgegeben. Vor der Entscheidung hatte der Börsenbetreiber Akteure aus der Finanzindustrie, Unternehmen, Verbänden und anderen Interessengruppen befragt und dabei rund 600 Rückmeldungen ausgewertet, wie Stefan Flägel von der Börsentochter Qontigo berichtete. Mit dem neuen Dax profitieren Marktteilnehmer künftig laut Flägel von einem "einfachen und an internationalen Standards ausgerichteten Regelwerk sowie neuen qualitativen Kriterien" für den Dax 40.

Vertrauensverlust durch Wirecard-Skandal

Ab September 2021 werden dem Dax 40 statt 30 Unternehmen angehören. Im Gegenzug schrumpft der Nebenwerteindex MDax wieder auf 50 von 60 Unternehmen. Die Größe des Kleinwerteindex SDax bleibt unverändert.

Hintergrund der Ausweitung und Regelreform sind einerseits Anforderungen vieler Experten und Investoren, dass der Leitindex eine größere Abdeckung wichtiger Branchen in der deutschen Wirtschaft leisten müsse. Zudem reagiert die Deutsche Börse auch auf den Bilanzskandal beim Dax-Mitglied Wirecard. Dieser hatte das Vertrauen gerade internationaler Anleger in den deutschen Aktienmarkt und in seine Kontrollinstanzen erschüttert.

Positive Ergebnisse sind Aufnahme-Voraussetzung

Zudem gelten als Konsequenz des Wirecard-Bilanzskandals künftig strengere Regeln für die Index-Mitgliedschaft. So müssen ab Dezember 2020 alle künftigen Dax-Kandidaten vor Aufnahme in den Index ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den letzten zwei Finanzberichten vorgelegt haben.

Firmen werden aus den Auswahlindizes Dax, MDax, TecDax und SDax verbannt, wenn sie ihre Zahlenwerke nicht fristgerecht vorlegen. Ab März 2021 müssen dazu testierte Geschäftsberichte und vierteljährliche Quartalsmitteilungen vorliegen. Geschieht dies nicht innerhalb einer 30-tägigen "Warnfrist", erfolgt der sofortige Indexausschluss.

Ebenfalls ab März des kommenden Jahren müssen zudem alle Indexunternehmen Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex entsprechen, die sich auf die Einsetzung eines Prüftungsausschusses beziehen.

Zwei Mal jährlich überprüft

Überprüft werden soll die Zusammensetzung bei allen Leitindizes zwei Mal im Jahr durch eine Hauptprüfung. Unabhängig davon kann es aber zu schnellen Aufnahmen oder Ausschlüssen aus Dax & Co. kommen.

Eine wichtige Vereinfachung besteht darin, dass bei den Indizes künftig die Marktkapitalisierung, also der Börsenwert das einzige "quantitative" Aufnahmekriterium bleibt. Die Höhe der Börsenumsätze spielt dann keine Rolle mehr. Allerdings müssen Indexmitglieder eine "Mindestliquidität" an der Börse nachweisen.

Nachhaltigkeit erstmal kein Dax-Kriterium

Die vorgeschlagene Verbannung von Firmen, die an umstrittenen Waffen ("controversial weapons") beteiligt sind, findet sich nicht in den Regeländerungen. Das hätte den Flugzeugbauer Airbus getroffen, da eine Tochterfirma die Trägerraketen für französische Atomwaffen wartet. Die Deutsche Börse will statt dessen dem Thema Nachhaltigkeit durch das Angebot an speziellen Nachhaltigkeits-Indizes stärker Rechnung tragen.

AB

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2020 um 10:00 Uhr.