Daimler-Werk in Untertürkheim

Schwache Jahresbilanz Massiver Gewinneinbruch bei Daimler

Stand: 11.02.2020 12:45 Uhr

Daimler-Chef Ola Källenius hat seine erste Jahresbilanz vorgelegt - und hat auch gleich eine schlechte Nachricht für die Anleger parat. Zudem fällt das Ergebnis noch magerer aus als gedacht. Doch es gibt auch Hoffnung.

Wer wissen will, wie tief Daimler gefallen ist, muss sich nur den Börsenkurs anschauen: Der hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Kein Wunder, leidet Daimler doch wie kein anderer deutsche Autobauer unter der Umstellung auf Elektroantriebe sowie den Folgen des Dieselskandals.

Besonders deutlich wird das in der Bilanz des Vorjahres. 2019 ist der Gewinn um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro eingebrochen, teilte das Unternehmen heute morgen mit. Die Ertragslage verschlechterte sich damit das zweite Jahr in Folge. Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel um 61 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz leicht stieg auf 172,7 Milliarden gestiegen ist. Zudem hat sich der Cash Flow wegen der hohen Rückstellungen für mögliche Strafen im Dieselskandal halbiert.

Weitere Kursinformationen zu Daimler

Dividende sinkt auf 90 Cent

Belastet hat das Ergebnis auch der Rückruf von Airbags des japanischen Herstellers Takata. Insgesamt fiel die Rendite im größten Geschäftsfeld, Mercedes Benz Cars (Pkw), auf nur noch 3,6 Prozent zurück - nicht mal halb so hoch wie im Vorjahr. In den Boomjahren des vergangenen Jahrzehnts hatte Mercedes stets acht bis zehn Prozent Rendite erwirtschaftet.

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Daimler-Aktie in den vergangenen zehn Jahren

Für die Aktionäre kommt es deshalb knüppeldick. Neben den dramatischen Kursverlusten der letzten Jahren erwartet sie nun auch eine drastische Kürzung der Dividende: Die will Konzernchef Ola Källenius auf 90 Cent kürzen nach 3,25 Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt mit einer Dividende von 1,50 Euro je Aktie gerechnet. Die Ausschüttungssumme geht damit auf eine Milliarde Euro zurück, nach 3,5 Milliarden im Vorjahr.

Daimler droht Strafe wegen CO2-Bilanz

Geld, das Daimler dringend braucht. So hatte der Konzern schon Ende Januar erklärt, "voraussichtliche zusätzliche Aufwendungen" zwischen 1,1 und 1,5 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Dieselfahrzeugen würden das operative Ergebnis drücken. Dabei handelte es sich um die dritte Gewinnwarnung seit dem Amtsantritt von Källenius im Mai 2019.

Der Schwede hatte sich wohl einen besseren Start gewünscht, doch im Daimler-Konzern mangelt es nicht an Baustellen. Denn neben den Folgen des Dieselskandals hinken die Stuttgarter auch beim Umbau zur E-Strategie den meisten Wettbewerbern hinterher. Damit fehlt es nicht nur an Fahrzeugen mit E-Antrieb, der Rückstand hat auch Folgen für die CO2-Bilanz: Daimler droht hier eine Strafe von ein bis drei Milliarden Euro, weil der Konzern die Vorgaben der EU wohl nicht erfüllen dürfte.

Zwei Milliarden Euro Kosten

Das Unternehmen muss also noch stärker als bisher auf die Kostenbremse treten. Bis Ende 2022 sollen deshalb sowohl die Verwaltungs- als auch die Personalkosten um 1,4 Milliarden Euro sinken. Statt der bisher kolportierten mehr als 10.000 Stellen könnten es weltweit auch bis zu 15.000 Jobs sein, berichtete jüngst das Handelsblatt. Källenius wollte am Dienstag keine konkreten Zahlen zum Stellenabbau nennen.

Ende November hatte Daimler angekündigt, weltweit mindestens 10.000 Stellen streichen und 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einsparen zu wollen. Finanzchef Harald Wilhelm bezifferte die Kosten für den Konzernumbau am Dienstag auf insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Davon würden etwa 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr anfallen.

Gestraffte Modellpalette

Ola Källenius (l.) und Robert Habeck
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Daimler-Chef Ola Källenius (l.) und Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen

Doch Källenius will auch die Investitionen in verlustbringende Projekte abseits des Kerngeschäfts zurückfahren. So sucht der Konzern etwa für seine Berliner Innovationsschmiede Lab1886 einen neuen Mehrheitseigner. Auch dürfte die Modellpalette der gestrafft werden. Experten glauben, dass weder das S-Klasse Cabrio noch das Coupé einen Nachfolger bekommen werden. Der B-Klasse wiederum drohe in ihrer derzeitigen Form das Aus.

In der Formel-1 setzt Mercedes in den kommenden fünf Jahren auf eine Partnerschaft mit dem Chemie-Unternehmen Ineos als neuem wichtigen Sponsor. Dadurch sollen die Silberpfeile vom Konzern des britischen Milliardärs Jim Ratcliffe 23,61 Millionen Euro pro Saison erhalten.

Niedrige Rendite

Weil das Umsteuern hin zu Elektroantrieben viel Geld kostet, wird die Umsatzrendite von Mercedes-Pkw und Vans auch in diesem Jahr unter den langfristigen Zielen bleiben. Sie soll den Planungen zufolge zwischen vier und fünf Prozent erreichen und erst 2022 über sechs Prozent liegen.

Ob Källenius dieses Ziel erreicht, bleibt abzuwarten. Denn neben den Problemen in der Pkw-Sparte ist der Konzern auch mit einer Flaute auf den europäischen und nordamerikanischen Lkw-Märkten konfrontiert. Zudem fährt auch das gemeinsam mit BMW betriebene Geschäft mit Mobilitätsdiensten weiter Verluste ein.

Källenius hat Fehler gemacht

Kritiker weisen darauf hin, dass die Probleme von Daimler nicht nur dem früheren Konzernchef Dieter Zetsche angelastet werden können. Auch Ola Källenius habe Fehler gemacht, war er doch als früherer Entwicklungschef jahrelang für die Modellpalette verantwortlich. Dabei habe er den Trend zu E-Autos verschlafen. Schon fordern Investoren wie Fondsmanager Michael Muders von Union Investment Konsequenzen. "Ein glaubwürdiger Neuanfang müsste her", sagt er im Gespräch mit der "FAS".

Immerhin: Der Daimler-Chef hat offenbar die Probleme erkannt – und sich Hilfe von außen geholt. Ein ausgewiesener Autokenner vom amerikanischen Vermögensverwaltungskonzern Alliance Bernstein soll frischen Wind nach Stuttgart bringen.

Skeptische Analysten

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs bleiben dennoch skeptisch. Sie beließen nach den Zahlen die Einstufung für Daimler auf "Sell" mit einem Kursziel von 38 Euro. Nach den zuvor bekannten Eckdaten hätten die Jahreszahlen kaum noch Überraschungen mit sich gebracht, schrieb Analyst George Galliers. Nun habe der Fokus dem Barmittelzufluss und der Dividende gelegen. Im Großen und Ganzen erkenne er nichts, was die Aktienstory für den Autobauer vorerst groß verändern würde

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Februar 2020 um 11:00 Uhr.

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