Ein geschaffter Börsenhändler in Frankfurt reibt sich die Augen | Bildquelle: dpa

Angst vor Corona-Folgen Dax fällt unter 10.000 Punkte

Stand: 12.03.2020 09:30 Uhr

Die Corona-Krise verschärft sich, der Dax stürzt weiter ab. Etwas Hoffnung spendet ausgerechnet China.

In der ersten halben Handelsstunde verliert der Dax bis zu 5,8 Prozent auf 9.829 Punkte. An der Börse in Tokio ging es ebenfalls steil nach unten. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor 4,4 Prozent auf 18.559 Punkte. "Ich glaube, die Märkte senden ein klares Signal an das Weiße Haus, dass die heute angekündigten Maßnahmen zu klein sind und zu spät kommen", sagte der Chefstratege Mick McCarthy vom CMC Markets in Sydney. Am Devisenmarkt notiert der Euro im Bereich von 1,13 US-Dollar.

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Die Märkte reagieren damit auf neue dramatische Entwicklungen in der Corona-Krise. US-Präsident Donald Trump lässt die Grenzen der USA für Ausländer aus Europa schließen. "Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen", sagte er in einer Ansprache an die Nation. Ausgenommen seien Reisende aus Großbritannien. Aus Europa kommende Amerikaner müssten sich entsprechenden Tests unterziehen. Die Maßnahme gilt nach Angaben des Weißen Hauses ab 23.59 Uhr am Freitag (4.59 Uhr MEZ am Samstag).

Die italienische Regierung hatte am Mittwochabend nach einem starken Anstieg der Todesfälle weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus angekündigt und schließt Bars und Restaurants sowie fast alle Geschäfte. Nur Lebensmittelläden, Drogerien und Apotheken seien weiter geöffnet, erklärte Premierminister Giuseppe Conte. Alle nicht notwendigen Geschäftsaktivitäten müssten eingestellt werden. Alle Unternehmensabteilungen, die nicht für die Produktion unverzichtbar seien, müssten schließen.

Dänemark schließt aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus ab Montag für zwei Wochen alle öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten. Alle Schüler und Studenten werden ab Freitag vorläufig für zwei Wochen nach Hause geschickt, dasselbe gilt für nicht zwingend benötigte Mitarbeiter im öffentlichen Sektor. Die Frage ist nur noch, wann folgen große EU-Länder wie Deutschland, Frankreich und Spanien?

Schwerer Kurseinbruch in Amerika

Aus Enttäuschung über das bisherige Ausbleiben von Details zum geplanten US-Konjunkturprogramm gingen die US-Börsen am Mittwoch wieder auf Talfahrt. der Dow Jones Industrial schloss 5,9 Prozent tiefer auf 23.553 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 büßte 4,9 Prozent auf 2.741 Punkte ein. An der Technologiebörse Nasdaq sackte der Composite-Index 4,7 Prozent auf 7.952 Punkte ab.

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US-Präsident Donald Trump hatte sich zwar mit US-Senatoren getroffen, um über Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie zu beraten. Er stellte auch Hilfen für die besonders betroffenen Branchen Kreuzfahrt und Luftfahrt in Aussicht. Konkrete Ankündigungen machte er aber zunächst nicht. Offenbar habe der Präsident Probleme, seine Vorstellungen im Kongress, der die Hoheit über den Haushalt besitzt, durchzusetzen, sagte Anlagestratege Kenneth Broux von der Bank Société Générale. "Wir wissen, dass Trump gerne große Zahlen präsentiert. Sie versuchen sicher, alles für eine große Ankündigung zusammenzukratzen."

Pandemie statt Epidemie

Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Verbreitung des Coronavirus mittlerweile als Pandemie ein. Das sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Tedros kritisierte fehlendes Handeln durch die Staaten weltweit. "Wir haben die Alarmglocken laut und deutlich geläutet", erklärte der WHO-Chef.

EZB-Sitzung voraus

Ob weitere geldpolitische Lockerungen der Notenbanken als Antwort auf die Pandemie taugen, wird am Markt angezweifelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird heute zeigen können, was sie drauf hat. Investoren rechnen fest damit, dass die Notenbank zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Virus-Epidemie bei ihrer heutigen Sitzung den Zins für Einlagen bei der Notenbank auf minus 0,6 von minus 0,5 Prozent senkt. Experten zufolge wird sie gleichzeitig den Freibetrag, ab dem dieser Strafzins greift, anheben, um die Belastungen für die Geschäftsbanken zu minimieren. Sie sagen außerdem eine Aufstockung des Wertpapier-Ankaufprogramms voraus, dessen Volumen bei derzeit 20 Milliarden Euro monatlich liegt. Für kleinere und mittlere Unternehmen, die keine Anleihen ausgeben, werde die EZB voraussichtlich zielgerichtete Liquiditätshilfen ankündigen.

China wird positiver

Die Erholung der chinesischen Industrie von den Folgen des Coronavirus-Ausbruchs nimmt dem Handelsministerium zufolge Fahrt auf. Die Belebung beschleunige sich, sagte der Außenhandelsdirektor des Ministeriums, Li Xingqian, am Donnerstag während einer Online-Pressekonferenz. China werde energisch vorgehen, um seinen Außenhandel zu stabilisieren. Dazu werde erwogen, die Importe zu erhöhen. Wegen des wachsenden Drucks auf die Weltwirtschaft durch die globale Ausbreitung des Virus sehe sich die Volksrepublik allerdings wachsenden Unsicherheiten ausgesetzt.

US-Einreisestopp: Öl wird immer günstiger

Die Ölpreise sinken nach einem angekündigten Einreisestopp für Europäer in die USA weiter. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel auf 34,37 US-Dollar. Das waren 1,43 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 1,39 Dollar auf 31,59 Dollar.
In der vergangenen Nacht sind die Ölpreise in kurzer Zeit jeweils bis zu etwa zwei Dollar abgerutscht.

Ausschlaggebend war die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, Reisebeschränkungen in die USA einzuführen. Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus werden die USA ihre Grenzen für Ausländer aus Europa für eine Dauer von zunächst 30 Tagen schließen. Ausgenommen sind Reisende aus Großbritannien.

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RWE-Ausblick enttäuscht

Der Energieversorger RWE hat 2019 vor allem vom Energiehandel und seinem Gasgeschäft profitiert. Der bereinigte Gewinn verdoppelte sich von 591 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erhöhte sich auf 2,1 Milliarden Euro. RWE-Aktionären winkt eine Dividende von 80 Cent. Das sind zehn Cent mehr als im Vorjahr.

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MAN könnte 6.000 Stellen streichen

Der zum Volkswagen-Konzern gehörende Lastwagenbauer MAN will laut einem Bericht ein Sechstel seiner Arbeitsplätze abbauen. Firmenweit seien 6000 Arbeitsplätze akut gefährdet, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise. Diese Zahl habe der Vorstand dem Betriebsrat bei einem Konsultationstreffen mitgeteilt. Der Stellenabbau soll dem Bericht zufolge über Fluktuation und Abfindungen gestemmt werden.

Das Unternehmen hatte Anfang der Woche einen massiven Stellenabbau angekündigt, ohne Details zu nennen. Unternehmenschef Joachim Drees sprach von einem "signifikanten Stellenabbau", vor allem in der Verwaltung. Vorstand und Betriebsrat verhandelten derzeit darüber, welche Maßnahmen umgesetzt würden. Die MAN Truck und Bus SE beschäftigt weltweit rund 36.000 Mitarbeiter - davon 21.000 in Bayern.

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Fraport: Corona sorgt für Passagierrückgang

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus hat dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im Februar weitere Rückgänge eingebrockt. Insgesamt zählte das Unternehmen an Deutschlands größtem Luftfahrt-Drehkreuz rund 4,4 Millionen Fluggäste und damit vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders gegen Monatsende habe die Virus-Epidemie stark auf die Nachfrage gedrückt. Zudem hatten Airlines wie die Lufthansa schon den ganzen Monat über Flüge nach China gestoppt. Anfang Februar hatte auch Orkan "Sabine" für Flugausfälle gesorgt.

Noch stärker als das Passagieraufkommen ging die Menge an Luftfracht zurück. Mit gut 146.100 Tonnen lag das Cargo-Volumen acht Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Der zusätzliche Tag im Schaltjahr habe die Virus-Folgen bei Weitem nicht ausgleichen können, hieß es.

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SGL Group: 2020 wird schwierig

Beim kriselnden Kohlenstoff-Spezialisten SGL Group  gibt es noch kein Licht am Ende des Tunnels. Nach einem Gewinnrückgang im Vorjahr rechnet der Vorstand auch für 2020 mit weiteren Einbußen. 2019 brach das operative Ergebnis (Ebit) um ein Viertel auf 48 Millionen Euro ein, während der Umsatz um vier Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro zulegte. Das Rekordergebnis im Geschäft mit Graphitspezialitäten konnte die schwache Entwicklung in den Segmenten Windenergie, Textile Fasern und Industrielle Anwendungen im Carbonfasergeschäft nicht ausgleichen, hieß es.

Unter dem Strich stand ein Verlust von 90 Millionen Euro nach einem Gewinn von 41,3 Millionen ein Jahr zuvor, wie das SDax-Unternehmen mitteilte.

Für 2020 rechnet der Vorstand mit einem leicht sinkenden Umsatz und einem Rückgang des Ebit vor Sondereinflüssen um rund 10 bis 15 Prozent.

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BVB-Aktie trägt Trauer

Nach der Niederlage des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund steht die BVB-Aktie an der Börse deutlich unter Druck. Borussia Dortmund ist im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Der BVB verlor das Geisterspiel beim französischen Fußball-Meister Paris Saint-Germain mit 0:2. Nun wird der Klub empfindliche Einnahmeverluste verzeichnen.

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Stada macht gute Geschäfte mit Arzneien

Stada hat im vorigen Jahr gute Geschäfte mit frei verkäuflichen Arzneien und rezeptpflichtigen Medikamenten gemacht. Dank zweistelliger Zuwächse etwa in Deutschland, Italien und Frankreich wuchs der Umsatz 2019 um 12 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft kletterten die Erlöse bei dem Hersteller des Erkältungsmittels Grippostad und der Sonnenmilch Ladival um 8 Prozent. "Wir gewinnen gegenüber anderen Spielern im Markt", sagte Vorstandschef Peter Goldschmidt.

Dank Einsparungen und effizienterer Prozesse kletterte das Ebitda 2019 um 15 Prozent auf fast 613 Millionen Euro. Stada hat mit den Finanzinvestoren Bain und Cinven im Rücken jüngst eine Reihe von Übernahmen für mehr als eine Milliarde Euro realisiert.

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ME/dpa/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. März 2020 um 10:01 Uhr.

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