Containerhafen |

Starkes Wachstum Chinas Wirtschaft auf Vorkrisenniveau

Stand: 19.10.2020 07:11 Uhr

Auch im dritten Quartal bleibt die chinesische Wirtschaft auf Erholungskurs. Allerdings bleibt das Tempo hinter den Erwartungen zurück. Dennoch dürfte China die einzige große Volkswirtschaft sein, die in diesem Jahr zulegt.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte im dritten Quartal im Vorjahresvergleich offiziellen Zahlen zufolge um 4,9 Prozent zu, wie das Pekinger Statistikamt mitteilte. Das ist zwar weniger, als Analysten erhofft hatten, die im Durchschnitt mit einem Plus von 5,5 Prozent gerechnet hatten. Jedoch reichte China das Ergebnis, um den vorangegangenen Einbruch im Frühjahr mehr als auszugleichen. So legte Chinas Wirtschaft laut der offiziellen Angaben in den ersten neun Monaten des Jahres um 0,7 Prozent zu.

"Die Erholung des BIP im dritten Quartal war weniger stark als erwartet, lag aber immer noch bei ordentlichen 4,9 Prozent im Jahresvergleich. Die Daten vom September übertrafen die Erwartungen, was auf eine Belebung der Dynamik gegen Ende des dritten Quartals hindeutet", sagte Frances Cheung, Leiterin der Makrostrategie für Asien bei Westpac in Singapur.

Chinesische Arbeiter in einem Container-Werk |

Chinesische Arbeiter in einem Container-Werk: Außenhandel floriert

Ungünstiges und kompliziertes Umfeld

Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass China in diesem Jahr die einzige große Volkswirtschaft sein wird, die das Jahr mit einem positiven Wachstum abschließen kann. Die Erholung gehe schneller als erwartet voran, hieß es so vergangene Woche in einer neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds.

Demnach werde die chinesische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,9 Prozent zulegen, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als in der Juni-Schätzung. Für 2021 rechnet der Währungsfonds unverändert mit einem Wachstum von 8,2 Prozent.

Aber noch ist das Jahr nicht gelaufen: Die Wirtschaft habe "ihre stetige Erholung fortgesetzt", hieß es in einem Bericht der Statistikbehörde. Sie warnte jedoch auch: "Das internationale Umfeld ist noch immer kompliziert und sehr ungünstig". China stehe weiterhin unter "großem Druck", einen erneuten Ausbruch zu verhindern.

Strenge Maßnahmen gegen Corona

Im ersten Quartal hatte China zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen im Jahr 1992 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,8 Prozent verzeichnet. Die Wirtschaft sprang danach wieder an, weil das Land mit strengen Maßnahmen wie der Abriegelung von Millionenstädten, strikter Isolation und Einreisesperren das Virus schneller unter Kontrolle bringen konnte als andere Staaten.

Es gibt seit Monaten den offiziellen Angaben zufolge kaum noch neue Infektionen in China, so dass sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeit wieder normalisiert haben. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum bereits wieder bei 3,2 Prozent gelegen.

Peking |

Peking: Strenge Maßnahmen gegen Corona

Auch der Außenhandel floriert

Neben umfangreicher Konjunkturhilfen profitierte Chinas Wirtschaft zuletzt auch wieder von einem erstarkten Außenhandel. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft stiegen im September im Vorjahresvergleich um 9,9 Prozent, wie die Pekinger Zollverwaltung vergangene Woche mitgeteilt hatte. Die Importe hatten demnach im gleichen Zeitraum um 13,2 Prozent zugelegt.

In anderen wichtigen Volkswirtschaften sind die Aussichten weniger gut als in China: Für Deutschland wird zunächst ein BIP-Rückgang um 6,0 Prozent in diesem Jahr und dann ein Anstieg um 4,2 Prozent erwartet. In den USA wird die Wirtschaft laut Prognose 2020 um 4,3 Prozent schrumpfen, um dann im kommenden Jahr um 3,1 Prozent zu wachsen.

ts

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.