Eine Filiale von Media Markt in Ingolstadt. | Bildquelle: dpa

Media Markt Saturn Der steinige Weg aus der Krise

Stand: 07.02.2020 11:18 Uhr

Vom Kaufrausch im Weihnachtsgeschäft konnte Ceconomy, die Mutter von Media-Markt und Saturn, auch in diesem Jahr nicht profitieren. Zwar überraschte der Elektronikhändler mit einem Gewinnanstieg, doch am eigentlichen Dilemma ändert das wenig.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Die letzte Hiobsbotschaft des besonders turbulenten Jahres 2019 ereilte die Ceconomy-Anleger kurz vor Weihnachten: Es werde auch in diesem Jahr keine Dividende geben - wieder einmal, denn bereits im Vorjahr waren die Aktionäre leer ausgegangen. Das Management um den seit Oktober kommissarisch amtierenden Firmenchef Bernhard Düttmann begründete die Entscheidung mit dem laufenden Sanierungsprogramm sowie anstehenden Investitionen. Zudem solle das Eigenkapital gestärkt werden.

Ein schwerer Schlag für die gebeutelten Aktionäre, hat sich doch der Kurs von Ceconomy von seinem spektakulären Absturz 2018 von 13 Euro auf drei Euro bis heute nicht richtig erholt. Seit gut einem Jahr dümpelt der Kurs zwischen vier und fünf Euro vor sich hin. Vom Erfolg des eingeschlagenen Sanierungskurses scheinen die Investoren also noch nicht überzeugt zu sein.

Ceconomy sorgt für Überraschung

Aber im Ernst: Die jüngsten Quartalszahlen sorgen bei den Anlegern für eine freudige Überraschung. Die im SDax notierte Aktie legt zweistellig zu. Dabei laufen die Geschäfte nach wie vor mau. Selbst im Weihnachtsgeschäft, dem ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (31. Dezember), sanken die Umsätze um 0,8 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Vor allem in West- und Südeuropa gingen die Erlöse zurück, in Deutschland lief es im Vergleich etwas besser.

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Dennoch stieg der Gewinn um fast 60 Prozent auf 170 Millionen Euro - eine Folge des drastischen Sparprogramms, das sich das Unternehmen im letzten Jahr verordnet hat. Dem sollen auch 500 Stellen zum Opfer fallen.

Nach einer Stabilisierung im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 kündigte der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr eine Steigerung der Erträge an. Das Betriebsergebnis soll auf 445 bis 475 Millionen Euro steigen, der Umsatz leicht zulegen.

Steigende Konkurrenz im Online-Handel

Ob das ausreicht, den Niedergang des Unternehmens aufzuhalten und die Elektronikmärkte wieder auf Wachstumskurs zu bringen, weiß niemand. Ceconomy steckt seit langem in der Krise - nicht zuletzt, weil immer mehr Kunden im Internet einkaufen, allen voran beim Online-Giganten Amazon. Dabei rächt sich bis heute, dass Media-Markt und Saturn viel zu spät und zu zögerlich in den Onlinehandel eingestiegen sind.

Auch sind viele Märkte in Zeiten des Internethandels völlig überdimensioniert, mit entsprechend hohen Kosten, etwa für die Miete und den Strom. Dazu belasten mehrere Führungswechsel sowie eine unklare Strategie Ceconomy. Zuletzt trennte sich der Konzern nach nur sieben Monaten von Konzernchef Jörn Werner - wegen unterschiedlicher Auffassungen auch über die Führung des Unternehmens.

Gewinnwarnungen und Chefwechsel

2018 schockierte das Unternehmen die Börse gleich mehrfach mit Gewinnwarnungen. Der langjährige Konzernchef Pieter Haas und sein Finanzvorstand Mark Frese mussten deshalb ihren Hut nehmen.

Abhilfe schaffen sollte eine neue Führungsspitze mit Jörn Werner und dem ebenfalls neuen Media-Markt-Saturn-Chef Ferran Reverter. Reverter hat praktisch sein gesamtes Berufsleben in dem Elektronikkonzern verbracht und galt als selbstbewusster, hart durchgreifender Manager. Werner wurde als neuer Chef des Mutterkonzerns Ceconomy von außen geholt.

Doch das Duo zerstritt sich. Medienberichten zufolge kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und fehlenden Absprachen zwischen den beiden Topmanagern. Das "Manager Magazin" sprach sogar von einem "Kampf der Ceconomy-Sanierer". Im Oktober letzten Jahres war dann Schluss. Nach nur sieben Monaten im Amt musste die Führungsspitze gehen.

Neuer starker Mann

Bernhard Düttmann
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Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann

Seitdem führt der ehemalige Aufsichtsrat Bernhard Düttmann das Unternehmen, zunächst nur für ein Jahr. Er will Einkauf und Logistik stärker zentralisieren, die in Deutschland vielfach rund 3.000 Quadratmeter großen Märkte verkleinern, den Service verbessern die Vernetzung zwischen Online-Shop und Filialen verbessern.

Um Streitigkeiten wie zuvor zu vermeiden, wurde Düttmann erstmals in Personalunion sowohl zum Vorstandschef der Holding Ceconomy als auch der Media-Markt-Saturn-Märkte berufen. Befriedet ist der von den Unternehmerfamilien Haniel und Schmidt Ruthenbeck dominierte Konzern damit aber noch nicht.

Familienfehde dauert an

Denn auch Jürgen Kellerhals, der Sohn des Media-Markt-Mitbegründers Erich Kellerhals, drängt ins Unternehmen. Er will verhindern, dass Freenet-Chef Christoph Vilanek auf der nächsten Hauptversammlung am 12. Februar in den Aufsichtsrat von Ceconomy gewählt wird - und stellt sich selbst zur Wahl.

Für die Hauptversammlung hat er einen entsprechenden Gegenantrag gestellt. Es bestehe die "begründete Gefahr, dass Freenet und Herr Vilanek ihre Position ausnutzen, um Freenet Vorteile zu verschaffen, die zu Lasten der übrigen Aktionäre der Ceconomy AG, der MSH und der Convergenta gehen könnten", schreibt er in einer Mitteilung. Damit geht die seit Jahren schwelende Familienfehde mit der nächsten Kellerhals-Generation weiter.

Ob die Sanierung des Konzerns dadurch beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest. Förderlich ist der fortdauernde Streit sicher auch nicht. Ceconomy-Anleger brauchen also weiterhin starke Nerven.

Quelle: boerse.ard.de
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