Neubauten in Virginia, USA | imago images / UPI Photo

Immobilienboom in Corona-Zeiten Der neue amerikanische Bau-Traum

Stand: 06.10.2020 08:25 Uhr

Die Corona-Krise sorgte in den USA nur kurz dafür, dass weniger Häuser gebaut wurden. Nun erlebt die Branche einen Boom. Auch die Zahl der Hausverkäufe steigt. Covid-19 fördert den Wunsch nach mehr Platz.

Wie fast jede Branche hat auch die amerikanische Hausbauindustrie unter der Corona-Krise gelitten. Im März und April wurden viele geplante Neubauprojekte verschoben. Auch die Zahl der Hausverkäufe in den USA ging deutlich zurück. Käufer und Verkäufer wurden durch die Unsicherheiten im Lockdown merklich beeinflusst.

Doch der Schock währte nur kurz. Kaum ein Sektor hat sich so rasant und so bilderbuchmäßig V-förmig erholt. Bereits im Juni wurden in den Vereinigten Staaten so viele Eigenheime losgeschlagen wie seit 13 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vormonat kletterte die Zahl um 13,8 Prozent.

Immobilienmarkt lässt Corona-Krise hinter sich

"Seit Juli 2007, also vor der großen Finanzkrise, wurden nicht mehr so viele Häuser verkauft wie zuletzt. Dies ist ist ein beeindruckendes Signal der Stärke und zeigt, dass der US-Immobilienmarkt die Folgen der Pandemie hinter sich gelassen hat", sagte Michael J. Bazdarich, Ökonom bei Western Asset Management, Ende Juli.

Allein in Washington und Umgebung verbuchte die Branche im Juli mit 5,3 Milliarden Dollar ein Umsatzplus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Preis für Einfamilienhäuser erreichte im Median ein Zehnjahreshoch. Landesweit stiegen die Verkäufe im gleichen Monat auf das Jahr gesehen um satte 36 Prozent.

Steigende Häuserverkäufe durch Corona?

Im August setzte der US-Häusermarkt seine starke Erholung fort. Die Verkäufe bestehender Eigenheime stiegen nach jüngsten Angaben der Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR) um 2,4 Prozent. Im Juni und Juli waren sie gar um 20,2 beziehungsweise 24,7 Prozent gegenüber den Vormonaten in die Höhe geschnellt.

"Der Immobilienmarkt ist weit über die Erholungsphase hinaus und boomt jetzt mit höheren Hausverkäufen als vor der Pandemie", betonte NAR-Chefökonom Lawrence Yun im August. Die Nachfrage nach größeren Häusern könne aufgrund der Verlagerung der Arbeit ins Home Office deutlich steigen.

Verkauf bestehender Häuser in den USA

In den USA wurden im August so viele bestehende Häuser verkauft wie seit 2006 nicht mehr

Höchster Wert seit Ende 2006

"Die Hausverkäufe sind nach wie vor erstaunlich und es gibt viele Käufer in der Pipeline, die bereit sind, in den Markt einzutreten", sagte Yun im Rahmen der Veröffentlichung der neuesten Zahlen Ende September. Weitere Zuwächse seien wahrscheinlich, da sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter entspanne.

Insgesamt stieg die Zahl der verkauften Häuser auf das Jahr hochgerechnet auf sechs Millionen - der höchste Wert seit Ende 2006. Aus Sicht der NAR profitiert der Häusermarkt stark von den sehr niedrigen Hypothekenzinsen. Diese betragen laut Yun derzeit im Mittel etwa drei Prozent und damit weniger als je zuvor.

Zudem verließen viele Menschen während der Corona-Krise die Innenstädte und suchten Häuser im Umland. Diese Kombination aus ultraniedrigen Zinsen und dem neu erwachten Wunsch nach mehr Platz hat dem Markt zu einem ungeahnten Comeback verholfen.

Verkauf neuer Häuser überschreitet Millionen-Marke

Die Verkäufe neu gebauter Einfamilienhäuser stiegen im August nach Angaben des US-Bureau of the Census ebenfalls um 4,8 Prozent an. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Zahl somit um 43,2 Prozent. Zum ersten Mal seit 2006 überschritten die Veräußerungen die Schwelle von einer Million.

Darüber hinaus bewegen sich auch die Baubeginne wieder auf dem Niveau von 2019. Allein bei Neubauten von Einfamilienhäusern war die Zahl im Juni um fast 20 Prozent gestiegen. Im Juli lag der Anstieg bei etwa elf Prozent.

Verkauf neuer Häuser in den USA

Erstmals seit 2006 knackten die Verkaufszahlen von neuen Häusern die Millionen-Marke.

Holzpreise zeitweise auf Rekordniveau

Ablesbar ist der neue Bauboom zudem an den Rohstoffmärkten: Mitte September erreichten die Holzpreise ein neues Rekordhoch von 1.000 Dollar pro Stapel Nadelholzbretter (Lumber). Die Kurse der Lumber-Futures haben sich seit dem Corona-Einbruch zeitweise mehr als verdreifacht. Auf das Jahr hochgerechnet stand in der Spitze ein Plus von über 130 Prozent.

Da Holz das bevorzugte Baumaterial in den USA ist, stellen die Preise ein wichtiges Barometer für den dortigen Häusermarkt dar. Steigen sie, deutet das auf mehr Neu- und Umbauten hin. Nach anfänglichen Unsicherheiten nutzen die Menschen offenbar die freie Zeit in der Corona-Krise, um Projekte beim Wohneigentum anzugehen.

Beigetragen zur Explosion der Holzpreise hat darüber hinaus der Rückgang des Angebots. Viele Forstbetriebe und Sägereien in den USA mussten infolge der Pandemie ihren Betrieb herunterfahren oder abschalten.

Verknappung des Angebots

Dazu kommt die verheerende Brandsaison in vielen amerikanischen Bundesstaaten, die das Angebot weiter verknappt. In Kalifornien geht kein Monat mehr ohne Waldbrand zu Ende. Auch Oregon und Teile Washingtons wurden von Flammen mit ungewöhnlicher Härte heimgesucht.

Waldbrände in Kalifornien | picture alliance/Noah Berger/AP/dpa

Seit August wüten verheerende Waldbrände in den USA, wie hier in Kalifornien Bild: picture alliance/Noah Berger/AP/dpa

Die Feuer sorgen dafür, dass Konzerne, ihre Betriebe schließen müssen. Auch Bahnlinien stehen teilweise still. Doch die Nachfrage ist weiter hoch. An den Waldbränden scheint die Bauindustrie derweil nicht ganz unschuldig zu sein.

Experten zufolge erhöht die für den Holzbau besonders geeignete Douglasie das Risiko von Waldbränden. Sie kann dichter gepflanzt werden als andere Bäume und wächst und vermehrt sich schnell. Das Problem: Sie ist leicht entzündlich und brennt in wenigen Sekunden lichterloh.

Boom dürfte anhalten

Zuletzt brach der Holzpreis allerdings wieder ein und halbierte sich in der vergangenen Woche beinahe. Trotzdem bleibt er mit derzeit knapp über 600 Dollar auf einem hohen Niveau.

Ein abruptes Ende des Bau-Trends ist wohl vorerst ausgeschlossen. Das zeigt auch die Entwicklung von US-Hausbauern wie D.R. Horton und MDC Holdings oder Heimwerkerketten wie Lowe’s und Home Depot an der Börse. Die Aktien aller genannten Unternehmen bewegen sich aktuell nahe ihres Rekordhochs und haben einen rasanten Anstieg hinter sich.

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Auch der Branchenindex S&P Homebuilders Select liegt seit Jahresbeginn rund 20 Prozent im Plus. Der Erfolg auf dem Häusermarkt könnte also erst einmal anhalten. Ein weiteres Indiz: Die noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe stiegen im August um 8,8 Prozent, wie die NAR in der vergangenen Woche mitteilte.

Es war der vierte Anstieg in Folge. Im Jahresvergleich kletterte die Zahl der schwebenden Hausverkäufe im August um 20,5 Prozent nach oben. Sie gelten als Frühindikatoren für den Häusermarkt. Die Kurve zeigt weiter nach oben.

tb