Der Chemiekonzern BASF in Schwarzheide plant die Produktion von Hand-Desinfektionsmitteln als Reaktion auf Engpässe in der Corona-Krise.  | Bildquelle: dpa

BASF bleibt optimistisch Milliardenziele trotz Unsicherheiten

Stand: 28.10.2020 12:38 Uhr

Der Chemiekonzern BASF hält trotz der Sorgen vor einem weiteren Lockdown vorerst an seinen bisherigen Jahreszielen fest. Klare Aussagen über das Jahresende hinaus seien derzeit aber nicht möglich.

Der angesichts steigender Covid-19-Infektionszahlen drohende zweite Lockdown der europäischen Wirtschaft wird auch den weltweit zweitgrößten Chemiekonzern BASF hart treffen. Zwar bekräftigte Vorstandschef Martin Brudermüller am Morgen die Jahresziele. Danach peilt der Konzern für 2020 ein Ergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen von drei bis 3,3 Milliarden Euro an - nach 4,6 Milliarden Euro 2019.

Der Umsatz werde auf 57 bis 58 (59,3 im Vorjahr) Milliarden Euro schrumpfen. Diese Prognose gelte allerdings nur für den Fall, dass es nicht zu erneuten starken Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität, etwa durch Lockdowns, komme, so der Manager.

Dividende könnte gekürzt werden

Bei der Vorstellung der Quartalsbilanz sagte Brudermüller: "Über den Zeitraum der nächsten zwei Monate hinaus haben wir weiterhin keine klare Sicht." Die Kunden seien sehr vorsichtig. Angesichts steigender Corona-Infektionen in Deutschland berät Kanzlerin Angela Merkel heute mit den Ministerpräsidenten über weitere Einschränkungen. Die französische Regierung erwägt einem Medienbericht zufolge einen einmonatigen Lockdown.

Zudem warnte Brudermüller vor einer möglichen Kürzung der Dividende. Es könne wegen der Pandemie zu einer "Anpassung" der Ausschüttung kommen, sollte das gesamtwirtschaftliche Umfeld die Wachstumschancen verringern und die Profitabilität beeinträchtigen.

Weitere Kursinformationen zu BASF

Tausende Stellen abbauen

BASF bereitet das Coronavirus und die schwache Nachfrage der Autobranche bereits seit einigen Monaten Sorgen. Zuletzt verschärfte der Konzern deshalb noch einmal seinen Sparkurs. Bis zu 2.000 Stellen weltweit will das Unternehmen in seiner erst Anfang des Jahres entstandenen Dienstleistungseinheit "Global Business Services" bis Ende 2022 abbauen.

Damit will BASF ab dem Jahr 2023 mehr als 200 Millionen Euro jährlich einsparen. Der Konzernchef hatte bereits vor der Corona-Krise ein Kostensenkungsprogramm aufgesetzt, um den Konzern profitabler zu machen. Im Zuge einer Neustrukturierung sollen bis Ende diesen Jahres insgesamt 6.000 Stellen wegfallen, ungefähr die Hälfte davon am Stammsitz Ludwigshafen. Damit will das BASF-Management das operative Ergebnis ab 2021 jährlich um zwei Milliarden Euro verbessern.

Wintershall-Börsengang verzögert sich

Außerdem trennt sich das Unternehmen von Töchtern, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Das betrifft die Pigment-Herstellung, die eigentlich bis zum Jahresende verkauft werden sollte. Diese Transaktion verzögert sich allerdings bis zum Frühjahr nächsten Jahres.

Auch die Beteiligung am Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea soll abgestoßen werden. Wegen der gesunkenen Energiepreise gehört das Unternehmen zu den Sorgenkindern von BASF. Der geplante Börsengang hat sich allerdings verzögert und soll nun im Lauf des kommenden Jahres stattfinden.

Aktie unter Druck

Vorläufige Quartalszahlen hatte BASF bereits veröffentlicht. Wegen Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten fuhr der Konzern im dritten Quartal einen Nachsteuerverlust von 2,1 Milliarden Euro ein, nach einem Gewinn von 911 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel zwar besser als von Analysten erwartet aus, lag aber um knapp 45 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Am Aktienmarkt kommen die Aussagen des Managements schlecht an. Die BASF-Aktie gehört zu den schwächsten Werten im Dax und verliert bis zu fünf Prozent.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2020 um 13:46 Uhr.

Darstellung: