Autofahrer

Autoversicherung Ein Wechsel könnte sich lohnen

Stand: 11.11.2020 06:36 Uhr

Der Preiskampf ist eröffnet: Mit Sonderangeboten werben in diesen Tagen Kfz-Versicherer um werbewillige Kunden. Bis Ende November können Autofahrer ihre Policen kündigen. Dieses Jahr dürfte sich ein Versicherungswechsel besonders lohnen - wegen Corona.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Gute Nachrichten nicht nur für Unfallstatistiker: Weil viele Bürger im Home Office arbeiten und das Auto stehen ließen, sank die Zahl der Unfälle auf deutschen Straßen drastisch. Nach Berechnungen der Hannover Rück ging allein im ersten Halbjahr die Zahl der Schäden um 16 Prozent zurück. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet Andreas Kelber, Leiter des deutschen Kfz-Geschäfts der Hannover Rück, mit zwölf Prozent weniger Schäden als im Vorjahr. Marktführer HUK-Coburg geht von einem fünf Prozent niedrigeren Schadensaufkommen aus.

Corona beschert Autoversicherern Rekordgewinn

Dadurch sparen die Versicherer Hunderte Millionen an Zahlungen. Ihnen winkt deshalb ein Rekordgewinn für 2020. Die Hannover Rück rechnet mit einem Jahresergebnis der Autoversicherungsbranche von 2,2 Milliarden Euro. 2019 lag der Gewinn noch bei nur 0,4 Milliarden Euro.

Autofahrer profitieren von dieser Entwicklung: Erstmals seit Jahren sinken die Prämien. Bis Juli fiel der Durchschnittsbeitrag in der Kfz-Haftpflicht um 0,8 Prozent, in der Vollkasko-Versicherung sogar um 1,9 Prozent, gab die Hannover Rück vor kurzem bekannt.

Einzelne Versicherer erhalten Beiträge zurück

HUK Coburg
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HUK Coburg

Die HUK-Coburg hat ihren Kunden bereits versprochen, einen Teil der Beiträge zurück zu erstatten. "Wenn das Schadengeschehen weiter günstig bleibt, werden wir unsere Kunden an der Kostenersparnis teilhaben lassen - nach jetziger Einschätzung wird das signifikant sein", sagte eine Sprecherin gegenüber boerse.ARD.de. Wie hoch die Beitragsrückerstattung sein werde, ließ sie offen. Das Angebot gilt allerdings nur für HUK-Kunden, die nicht zur Konkurrenz wechseln. "Die Beitragsrückerstattung erhalten nur diejenigen, die 2020 bei uns schadensfrei versichert waren und die mindestens bis zur Ermittlung der konkreten Summe im Frühjahr 2021 weiter Kunden sind", erklärte eine Sprecherin.

Allianz
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Allianz

Auch die Allianz hat angekündigt, ihre Kunden zu entlasten und sie am günstigeren Schadensverlauf zu beteiligen. Wer weniger fährt, muss auch entsprechend weniger Beitrag zahlen, stellte schon im Frühjahr Frank Sommerfeld, der Chef der Sachversicherung bei der Allianz Deutschland klar.

Die Corona-Ausnahmesituation dürfte den Preiskampf bei Kfz-Versicherern noch mehr anheizen. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Check24 sank der durchschnittliche Preis für eine Haftpflichtpolice von 337 Euro im Juli auf 303 Euro im Oktober.

Weitere Preissenkungen in der Wechselsaison

In der Wechselsaison, die traditionell im November ihren Höhepunkt erreicht, könnten die Preise weiter purzeln. Mit großen Werbe- und Marketing-Aktionen buhlen Versicherer um neue Kunden. So bietet beispielsweise die Allianz Direct, der neue Online-Versicherer der Allianz, eine Weiterempfehlungsprämie von bis zu 300 Euro Prämie ihren Bestandskunden.

Kaum Verkehr
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Leere Straßen in Hamburg

"Autobesitzer haben in diesem Herbst noch mehr Gründe als sonst, ihre Kfz-Versicherung zu überprüfen", meint die Stiftung Warentest. Dank des Rückgangs an Unfällen konnten die Versicherer Kosten sparen und haben nun mehr Spielraum bei den Monatsbeiträgen. Die Verbraucherschutz-Organisation spricht von einem Sparpotenzial von mehreren hundert Euro bei vergleichbaren Leistungen.

Die besten Tarife hat das Analysehaus Franke und Bornberg ermittelt. 13 Produkte bekommen im aktuellen Rating die Bestnote FFF+ (hervorragend).

Kosteneinsparungen auch ohne Wechsel möglich

Auch ohne Wechsel lassen sich die Kosten für die Kfz-Versicherung senken. Wer zum Beispiel die gesamte Police nicht monatlich, sondern jährlich mit einem Schlag zahlt, spart zehn Prozent Geld. Und wer das Auto selbst fährt und es nicht mit anderen Familienmitgliedern teilt, für den verbilligt sich ebenfalls die Police. Besitzer von älteren Fahrzeugen (über zwölf Jahre) sollten sich überlegen, ob eine Kaskoversicherung noch Sinn macht. Außerdem können bei Tarifen mit Werkstattbindung die Kosten um zehn bis 20 Prozent gedrückt werden.

Für vorsichtige Autofahrer können sich auch Telematik-Tarife rechnen. Hier gewähren die Versicherer Nachlässe von zehn bis 30 Prozent. Der Preis dafür: Der Autofahrer wird überwacht. Er muss einen digitalen Sensor im Wagen oder eine Handy-App installiert haben, die den Fahrstil des Autolenkers prüfen.

2021 könnte es mit den Beitragssenkungen für Autoversicherte schon wieder vorbei sein. Dann dürften die Prämien zumindest im Bestandsgeschäft leicht steigen, prophezeit die Hannover Rück. Da sich die Schäden wieder normalisieren, dürfte die Branche wieder in die Verlustzone rutschen.

Veränderte Mobilitätsbedürfnisse bringen Versicherer unter Druck

Das zunehmende Carsharing, der Trend zur E-Mobilität und die immer näher rückende Vision des autonomen Fahrens könnten in Zukunft das Geschäftsmodell der klassischen Autoversicherer ins Wanken bringen. Wenn immer mehr Menschen ein Auto fahren, das sie nicht mehr besitzen, braucht es neue Versicherungsmodelle.

Einzelne Hersteller wie Daimler haben auf die veränderten Mobilitätsbedürfnisse reagiert und versichern ihre Autos künftig selbst. Ab 2021 bietet Movinx, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Swiss Re, eine Autoversicherung beim Kauf eines neuen Mercedes an. Der Dienst startet zunächst in Frankreich, soll aber auf andere Länder ausgeweitet werden. Irgendwann wohl auch auf Deutschland. Daimler müsste dann wohl nicht mehr mit Versicherern über die Schadensklasse-Einstufung der neuen teilautonom fahrenden Autos und über Versicherungskosten für die Kunden verhandeln.

Tesla Autonomes Fahren
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Tesla-Autopilot

Sollte sich eines Tages tatsächlich das selbstfahrende Auto auf deutschen Straßen durchsetzen, droht den Autoversicherern ein deutlicher Geschäftseinbruch. Schon jetzt schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, dass in den nächsten 15 Jahren der Schadensaufwand um bis zu 15 Prozent zurückgehen wird.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. November 2020 um 11:55 Uhr.

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