Apple-Logo | Bildquelle: dpa

Zahlen über Erwartungen Apple ist zurück im Olymp

Stand: 31.10.2019 06:19 Uhr

Apple ist zurück an der Spitze. Der US-Konzern ist wieder das wertvollste Unternehmen der Welt und hofft nun auf ein starkes Weihnachtsquartal. Auf das iPhone ist Apple dabei immer weniger angewiesen.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Ein Blick in die Bilanz der vergangenen drei Monate zeigt: Der Wandel vom Smartphone- zum Zubehör- und Dienstekonzern ist bei Apple im vollen Gange. Im vergangenen Vierteljahr schrumpfte das iPhone-Geschäft um gut neun Prozent auf 33,4 Milliarden Dollar. Allerdings konnten die Zuwächse bei Online-Diensten und tragbaren Geräten wie Airpods und Apple Watch das mehr als ausgleichen.

Konzernweit stiegen die Erlöse um zwei Prozent auf 64 Milliarden Dollar. Der Gewinn fiel indes leicht von 14,1 auf 13,7 Milliarden Dollar, wie der Konzern aus Cupertino am Mittwochabend nach US-Börsenschluss mitteilte.

Hoffen auf Weihnachten

Für das wichtige Weihnachtsquartal zeigte sich Apple optimistisch und prognostizierte einen Umsatz-Zuwachs auf 85,5 bis 89,5 Milliarden Dollar.

Mit seinem Zahlenwerk übertraf Apple die Erwartungen der Wall Street deutlich. Die Apple-Aktie legte im nachbörslichen US-Handel um rund zwei Prozent zu.

Sprung über 1-Billion-Dollar-Marke

Seit Jahresbeginn ist die Aktie um knapp 60 Prozent gestiegen und damit der beste Wert im US-Leitindex Dow Jones. Dabei gelang ihr auch der Spurt über ihr bisheriges Rekordhoch vom Oktober 2018. Bei 249,75 Dollar stellte sie erst zu Wochenbeginn eine neue Bestmarke auf. Das Unternehmen ist damit an der Börse wieder deutlich mehr als eine Billion Dollar wert - und damit wieder das teuerste Unternehmen der Welt.

Apple
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Auf den Einbruch 2018 folgte 2019 ein furioses Comeback

Doch nicht nur an der Börse erfreut sich Apple großer Beliebtheit. Auch die Marke ist ungebrochen populär. Laut einer Studie der Beratungsfirma Interbrand von Mitte Oktober ist Apple mit einem Markenwert von 234 Milliarden Dollar der mit Abstand wertvollste Konzern der Welt – weit vor Google und Amazon.

iPhone-11-Euphorie

Unter den Hoffnungsträgern des Apfel-Konzerns ist auch ein alter Hase, den viele schon abgeschrieben hatten: das iPhone. Zahlreiche Analysten hatten zuletzt ihre Kursziele angehoben – unter Verweis auf überraschend gute iPhone-Verkaufszahlen. So rechnet etwa Analyst Timothy Arcuri von der UBS mit einer starken Nachfrage für das neue iPhone 11, besonders aus China.

Seit dem 20. September ist das iPhone 11 auf dem Markt. Apple-Chef Tim Cook sagte kürzlich gegenüber über der "Bild"-Zeitung, es habe einen "sehr starken Start" gegeben. Apple könne "nicht glücklicher sein, so wie die Dinge laufen".

Wiederholt sich die Geschichte?

Apple iPhone 11 Pro (l.) und Max
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Das iPhone 11 Pro (l.) und Max

Nicht wenige Experten hoffen nun auf einen neuen iPhone-Superzyklus. Sie verweisen auf niedrigere Preise und die alternde Basis der aktuell im Umlauf befindlichen Geräte als Absatztreiber. Das iPhone 11 ist ab 699 Dollar zu haben, sein Vorgänger iPhone XR startete bei 749 Dollar.

Vor überzogener Euphorie sei jedoch gewarnt. Das Wirtschaftsmagazin "Barron's" verglich jüngst die Situation beim iPhone 11 mit der beim iPhone 6S im Jahr 2015: Damals fiel die Nachfrage nach einem starken Start rasch in sich zusammen.

Diversifikation mit Wearables

Apple Airpods
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Airpods als Umsatztreiber

Doch im Gegensatz zu 2015 hat Apple heute vorgesorgt: Zwar zeichnet immer noch das iPhone für das Gros der Apple-Erlöse verantwortlich. Doch dieser Anteil sinkt. In den vergangenen Jahren brachte das iPhone oft rund zwei Drittel der Erlöse ein. Im vergangenen Quartal waren es nur noch 52 Prozent. Denn Apple hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten immer stärker diversifiziert.

Weltweite Smartwatch Marktanteile
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Apple ist der große Dominator auf dem globalen Smartphone-Markt

So werden kleine Zusatz-Geräte wie die kabellosen Ohrhörer AirPods, die Homepods-Lautsprecher oder die Computer-Uhr Apple Watch für den Konzern zu einem zunehmend wichtigen - und lukrativen - Geschäft. In diesem Bereich legten die Erlöse im vergangenen Quartal um stolze 54 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar zu.

Der erste Streich: Apple News+

Überdies befindet sich Apple laut dem Analysten Tim Long von der britischen Investmentbank Barclays bei der Umstellung seines Geschäftsmodells von Hardware auf Dienstleistungen "auf einem guten Weg". Tatsächlich gab es in den vergangenen drei Monaten bei den Dienste-Erlösen ein Plus von 18 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar.

Apple hat 2019 mehrere neue Abonnement-Services eingeführt, der Start eines weiteren steht unmittelbar bevor. Der erste Streich von Apple-Chef Tim Cook war Apple News+. Für 10 Dollar pro Monat erhalten User Zugang zu mehr als 300 Zeitungen und Magazinen. In Deutschland ist der Dienst bislang nicht verfügbar.

Der zweite Streich: Apple Arcade

Apple Arcade
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Schöner zocken mit Apple Arcade?

Im September folgte der zweite Abo-Launch, die Spielebibliothek Apple Arcade. Für 4,99 Euro im Monat will Arcade Nutzern das Spielen vereinfachen – ohne Werbung und In-App-Käufe und quer über alle möglichen Geräte hinweg. Nutzer beklagten jedoch teilweise, dass es beim Spielen auf dem iPad oder Fernseher noch Anpassungsprobleme gebe.

Der dritte Streich: Apple TV+

Am 1. November soll schließlich das Videostreaming-Angebot Apple TV+ in über 100 Ländern starten. In Deutschland kostet das Abo 4,99 Euro pro Monat. Apple setzt dabei eher auf Klasse statt Masse – und auf treue Apple-Jünger.

Jennifer Aniston (l.) und Reese Witherspoon
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Apple setzt zum Start von Apple TV+ auf Hollywoodprominenz

Käufer, die sich seit dem 10. September ein neues iPad, iPhone, einen iPod touch oder Mac zugelegt haben, bekommen den Streaming-Dienst ein Jahr kostenlos. Das Unternehmen hofft, so seine Kundenbasis binnen kürzester Zeit massiv zu steigern.

Spekulationen über "Super-Abo"

Doch damit nicht genug: Inspiriert von Amazon Prime, soll Apple laut Medienberichten überlegen, sein Musik-, Nachrichten-, Gaming- und Video-Angebot miteinander zu verbinden.

Apple Music, Apple TV+, Apple News+ und Apple Arcade – alles über eine monatliche Abrechnung? Insider berichten, die Verhandlungen dazu sollen bereits laufen, sich aber noch einer frühen Phase befinden. Wie schon bei Apple Music sorgt vor allem die Musikindustrie für kräftig Gegenwind, sodass mit einem baldigen "Apple Media"-Angebot so schnell nicht zu rechnen ist.

Doch selbst wenn das Super-Abo scheitern sollte: Die Wandlung Apples vom Hardware- zum Dienstleistungskonzern wird das nicht aufhalten können.

Unsicherheitsfaktor Politik

Ein großer Unsicherheitsfaktor schwebt allerdings über den künftigen Apple-Bilanzen: Die OECD hat jüngst auf Druck einiger europäischer Länder einen Entwurf für eine Digitalsteuer vorgelegt, mit der internationale Konzerne fairer besteuert werden sollen. Eine mögliche Steuer dürfte auf die Gewinnmargen der großen Internetkonzerne drücken – auch Apple ist für seine Steuervermeidungsstrategien berüchtigt.

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Apples Geschichte - alles Jobs oder was?

Die US-Amerikaner Steve Wozniak (links) und Steve Jobs sitzen an einem Computer (Archivfoto von 1976)

1976: Die Gründung
Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gründeten Apple im April 1976 gemeinsam. Jobs als treibender Verkäufer, Wozniak als Tüftel-Genie und Wayne als Schlichter für die ungleichen Freunde. Allerdings stieg Wayne bereits einige Tage später wieder aus dem Unternehmen aus.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Oktober 2019 um 07:38 Uhr.

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