Ant Financial

Chinesische Ant Group Weltgrößter Börsengang gestoppt

Stand: 03.11.2020 18:04 Uhr

Für Tausende chinesische Kleinanleger ist der Traum von schnellen Kursgewinnen mit Ant vorerst geplatzt. Wegen Lücken bei den Offenlegungspflichten setzte der "Ameisen"-Konzern den Mega-Börsengang aus.

Ist das die Retourkutsche für Alibaba-Gründer Jack Ma? Nachdem der Alibaba-Gründer in einer Rede lokalen und globalen Regulierungsbehörden vorgeworfen hatte, Innovationen zu bremsen, wurde er zusammen mit zwei anderen Managern von der chinesischen Finanzaufsicht einbestellt. Dabei teilten ihm die Behörden wohl mit, dass das lukrative Online-Kreditgeschäft von Ant künftig stärker überwacht werden soll. Diesen Anforderungen könne Ant möglicherweise zunächst nicht nachkommen, teilte der Alibaba-Ableger mit.

Börsenbetreiber erteilen IPO eine Absage

Am Dienstag reagierten die beiden chinesischen Börsen in Shanghai und Hongkong auf die neue Entwicklung und ließen den größten Börsengang der Welt platzen. Der chinesische Ant-Konzern werde vorerst nicht im Segment "Star Board" gelistet, teilte zunächst der Shanghaier Börsenbetreiber mit. Dabei hatte Ant vor knapp Wochen noch grünes Licht für die Emission an der Shanghaier Star Board erhalten. Kurz darauf erteilte auch Hongkong der 37 Milliarden Dollar schweren Emission mit Verweis auf Lücken bei den Offenlegungspflichten eine Absage.

Ant wollte am Donnerstag gleichzeitig an den Börsen Shanghai und Hongkong debütieren. Mit einem Emissionsvolumen von 37 Milliarden Dollar sollte der zum chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba gehörende Börsenaspirant den Ölkonzern Saudi Aramco vom Thron stoßen. Dieser hatte beim bislang weltweit größten Börsengang vergangenes Jahr 29,4 Milliarden Dollar eingesammelt.

Aktien total überzeichnet

Die Aktien stießen auf enorme Nachfrage – vor allem bei den zockerfreudigen chinesischen Kleinanlegern. Die Titel waren angeblich 800-fach überzeichnet. Experten sprachen schon von einer neuen "Volksaktie".

Ant betreibt mit Alipay den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über die Apps auch Kredite, Versicherungen und Geldanlagen an. In den ersten neun Monaten 2020 steigerte Ant das Betriebsergebnis um 42,6 Prozent auf umgerechnet 17,8 Milliarden Dollar. Alibaba hält ein Drittel der Ant-Anteile. Seit der letzten Finanzierungsrunde 2018 sind außerdem namhafte Investoren wie der Staatsfonds Temasek aus Singapur und der Finanzinvestor Warburg Pincus an dem Fintech beteiligt. Die an der Wall Street notierten Aktien des Großaktionärs Alibaba sackten um neun Prozent ab.

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Mehr als ein Bezahldienst

Mit Online-Krediten erwirtschaftet die Ant Group inzwischen das Gros ihrer Erlöse. Rund 40 Prozent der Erlöse steuern die Kredit-Plattformen bei. Nur noch rund 36 Prozent des Umsatzes kommen aus dem reinen Bezahldienst mit Alipay.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. November 2020 um 17:00 Uhr.

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