Ein Amazon Bookstore in New York. | Bildquelle: REUTERS

Überraschender Gewinnanstieg Warum Amazon wieder mehr verdient

Stand: 31.01.2020 06:43 Uhr

Amazon hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal die Erwartungen der Wall Street pulverisiert. Das liegt auch an dem ebenso simplen wie genialen Plan, den Jeff Bezos mit dem Online-Giganten verfolgt.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Im vierten Quartal 2019 kletterte der Gewinn um acht Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar, wie der weltgrößte Online-Händler am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspricht einem Gewinn von 6,47 Dollar je Aktie. Die Erlöse zogen um 21 Prozent an auf 87,4 Milliarden Dollar.

Die Experten an der Wall Street hatten lediglich mit einem Umsatz von 86 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 4,03 Dollar gerechnet.

Boomendes Prime-Geschäft

Auch bei den Nutzern des Abo-Dienstes Prime, der unter anderem schnelleren Versand und Zugang zu Amazons Streaming-Dienst verspricht, überraschte der Online-Händler die Branchenkenner positiv. Jeff Bezos sagte, im vierten Quartal hätten "mehr Leute Prime gebucht als jemals zuvor".

Die Zahl der Nutzer stieg auf 150 Millionen. Der Tech-Konzern hatte zuletzt im April 2018 über 100 Millionen Nutzer berichtet.

Aktie schnellt in die Höhe

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Zuletzt nicht ganz so stark: die Amazon-Aktie

Nicht zuletzt dank des boomenden Prime-Geschäftes hat Amazon nach einem Gewinnrückgang im dritten Quartal nun offenbar die Wende geschafft. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Im nachbörslichen US-Handel sprang das Papier um zwölf Prozent in die Höhe.

2019 war die Amazon-Aktie zwar um 23 Prozent gestiegen – blieb damit jedoch deutlich hinter dem Wachstum des breiten Marktes zurück. Der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um 28,9 Prozent zu.

"Mutige Entscheidungen" sind sein Ding

Doch Jeff Bezos hatte das sicherlich nicht aus der Ruhe gebracht. Der reichste Mann der Welt ist bekannt dafür, stets das langfristige Wachstum seines Online-Händlers über alles zu stellen. Das ist kein Geheimnis.

Als Bezos Amazon 1997 an die Börse brachte, schrieb er einen Brief an Investoren, in dem er seine Management-Grundsätze darlegte und der seither jedem neuen Geschäftsbericht beiliegt. Ein Kernsatz lautet:

"Wir werden mutige anstatt ängstlicher Investitionsentscheidungen treffen, wo immer wir es als ausreichend wahrscheinlich einschätzen, Marktführer zu werden. Einige werden sich auszahlen, andere nicht. Dazugelernt haben werden wir in jedem Fall." Künftige Cashflows seien wichtiger als Gewinne der Gegenwart.

Bessere Lieferbedingungen für Prime-Kunden

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Amazon Prime - mehr Kunden wegen schnellerer Lieferung?

Getreu diesem Motto arbeitet Amazon seit Frühjahr 2019 unter Hochdruck daran, Lieferungen binnen 24 Stunden zum Standard für Prime-Kunden zu machen – zunächst in Nordamerika und dann weltweit. Zuvor strebte Amazon beim Prime-Service Zustellungen innerhalb von zwei Tagen an.

Tatsächlich hat sich die Zahl der US-Kunden, die Artikel binnen 24 Stunden oder noch am selben Tag erhielten, 2019 vervierfacht, wie Bezos bei Vorlage der Zahlen zum vierten Quartal verkündete. "Wir haben Prime schneller gemacht."

Sein ebenso simpler wie genialer Plan: Die verbesserten Lieferbedingungen sollten Kunden einen zusätzlichen Anreiz bieten, eine Prime-Mitgliedschaft abzuschließen. Kurzfristige Gewinnrückgänge sind vor diesem Hintergrund zu verschmerzen – solange die Investitionen in bessere Lieferbedingungen langfristig mehr Geld auf die Firmenkonten strömen lassen.

Ist Kleinkram Peanuts für Amazon?

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Glitzi-Schwämme per Post - für Amazon Teil einer "nachhaltigen" Strategie

In diese Strategie passte denn auch die im Januar vollzogene Kehrtwende bei den "Plus-Produkten". Bislang versendete Amazon Bestellungen von kleinen Haushaltshelfern, Lebensmitteln und Drogerieprodukten wie Spülmittel oder Shampoo erst ab einem Mindestbestellwert von 20 Euro. Doch jetzt können sich Prime-Kunden auch schon 1-Euro-Artikel einzeln kostenfrei liefern lassen.

Eines ist klar: Nachhaltig ist der Versand einzelner Kleinstprodukte aus weit entfernten Logistikzentren auf keinen Fall – doch das liegt auch nicht im Fokus von Jeff Bezos. Der Multimilliardär hat nämlich eine ganz andere Form der Nachhaltigkeit im Sinn: Er strebt an, noch mehr Kunden per Prime-Abo – nachhaltig – an sein Unternehmen zu binden.

Denn das radikale Erfolgsrezept von Amazon lautet auch weiterhin: wachsen, wachsen, wachsen. Um jeden Preis. Und der neuerliche Erfolg scheint Bezos wieder einmal Recht zu geben.

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Das Jeff-Bezos-Imperium

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon
1994 als Online-Buchhandlung gegründet, ist Amazon heute viel mehr: Der Konzern bietet Menschen fast überall auf dieser Welt alle möglichen Waren zum Kauf an, ist eine Plattform für Verkäufer und streamt Videos und Musik. Zu Amazon gehören mehr als zehn Tochterunternehmen. Beispielsweise auch der Social-Media-Streamingdienst Twitch oder die Audiothek Audible.

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 31. Januar 2020 um 07:40 Uhr.

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