Airbus A350 | Bildquelle: REUTERS

Corona-Pandemie Massive Verluste bei Airbus

Stand: 29.04.2020 10:17 Uhr

Der europäische Flugzeugbauer ächzt unter der schwersten Luftfahrtkrise der Geschichte. In den ersten drei Monaten des Jahres rutschte Airbus tief in die roten Zahlen. Jetzt geht's ums nackte Überleben!

Bei den Airbus-Mitarbeitern herrscht Unruhe. Vor wenigen Tagen hat Airbus-Chef Guillaume Faury die Belegschaft des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns mit einem dramatischen Brief auf harte Zeiten eingestimmt. Ausgaben und Einnahmen seien in einem so gravierenden Ungleichgewicht und das Geld fließe so schnell ab, "dass es die Existenz des Unternehmens gefährden könnte", schriebt der Franzose an die Mitarbeiter des Konzerns. Der Konzern verbrenne Geld in einem nie dagewesenen Tempo.

"Über Nacht ein Drittel des Geschäfts verloren"

"Wir haben über Nacht ein Drittel unseres Geschäfts verloren." Nach Kurzarbeit und Zwangsurlaub in einigen Ländern müsse der Konzern möglicherweise noch weiterreichende Maßnahmen treffen. Faury will alle Optionen in Betracht ziehen. "Wenn wir jetzt nicht handeln, steht das Überleben von Airbus in Frage", warnte er.

Gegenüber Journalisten und Analysten drückte sich der Airbus-Chef am Mittwoch etwas weniger dramatisch aus. "Wir stecken mitten in der schwersten Krise, die die Luftfahrtindustrie je erlebt hat", sagte Faury in der Telefonkonferenz nach der Präsentation der Quartalsbilanz. "Wir müssen jetzt als Industrie daran arbeiten, das Vertrauen der Passagiere in den Luftverkehr wiederherzustellen - und lernen, mit dieser Pandemie zu leben."

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Drohen jetzt Auftragsstornierungen?

Das größte Thema, so Faury, seien derzeit die unzähligen Anfragen von Fluggesellschaften, die Auslieferungen wegen der Krise verschieben wollten. Im ersten Quartal lieferte Airbus noch 122 Flugzeuge aus - 40 weniger als vor einem Jahr. 60 Maschinen hätten wegen der Pandemie nicht an die Kunden übergeben werden können. Ende März standen noch 7.650 Flugzeug- Bestellungen in den Orderbüchern. Doch kündigte die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia, einer der größten Kunden von Airbus, an, in diesem Jahr keine neuen Flugzeuge mehr anzunehmen und die Orders bei Airbus zu überprüfen.

Der April und vielleicht auch die folgenden Monate würden noch schwieriger als das erste Quartal, was die Auslieferungen betreffe, sagte Finanzchef Dominik Asam. Mit einer Erholung rechne er vom Sommer an.

Fast eine halbe Milliarde Verlust im Quartal

Im ersten Quartal fuhr der Flugzeugbauer wegen der Folgen der Pandemie 481 Millionen Euro Verlust ein, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch zu einem Gewinn von 40 Millionen gereicht hatte. Finanziell sei Airbus gegen die Krise gewappnet, sagte Finanzchef Asam. Er gehe davon aus, dass der Konzern keine Staatshilfen benötigen werde.

"Unser Ziel ist es, spätestens im vierten Quartal wieder in einer Lage zu sein, in der wir kein Geld mehr verbrennen." Von Ende Dezember bis März schrumpfte der Netto-Finanzmittelbestand um knapp neun Milliarden Euro. Anfang April verfügte Airbus noch über flüssige Mittel in Höhe von rund 30 Milliarden Euro.

Dividende gestrichen, Produktion um ein Drittel zurückgefahren

Im Kampf gegen die Krise hat sich Airbus eine neue Kreditlinie über 15 Milliarden Euro gesichert, die Dividende für 2019 gestrichen und die Aufstockung des Betriebsrenten-Topfs ausgesetzt. Zudem wird die Produktion der Passagierflugzeuge wegen der Pandemie um rund ein Drittel zurückgefahren. Mit weiteren Anpassungen sei nicht vor Juni zu rechnen, sagte Konzernchef Faury - und wenn, dann voraussichtlich in einem geringeren Umfang als zuletzt.

Der europäische Flugzeugbauer wird wegen der Krise voraussichtlich bald einige tausend Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit schicken. Auch in Frankreich werde wohl auf Tausende weitere Mitarbeiter Kurzarbeit zukommen, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury am Mittwoch in Toulouse. Bislang sind in Frankreich bereits 3.000 Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt. Die Zahl werde noch steigen, sagte Faury.

Aktie von Airbus im Sinkflug

Die Aktie von Airbus hat unter der Corona-Krise noch stärker gelitten als die der Lufthansa. Seit Jahresbeginn sackte der Titel des Flugzeugherstellers um gut 60 Prozent ab. Am Mittwoch pendelt die im MDax notierte Aktie zwischen Verlust- und Gewinnzone. Der Einbruch im ersten Quartal fiel zwar nicht ganz so heftig aus wie von Analysten erwartet. Unter dem Strich hatten sie aber einen Gewinn vorhergesagt.

Am frühen Nachmittag will auch Airbus-Rivale Boeing seine Quartalszahlen vorlegen. Der US-Konzern steckt aufgrund des Problemfliegers 737 MAX bereits tief in der Krise. Durch die Corona-Pandemie, die den internationalen Luftverkehr nahezu zum Erliegen gebracht hat und die erhoffte 737-MAX-Wiederzulassung weiter verzögern könnte, gerät das Unternehmen jetzt noch stärker in Not. Boeing musste bereits etliche stornierte Aufträge verkraften. Der Aktienkurs brach in den vergangenen drei Monaten um 60 Prozent ein.

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nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. April 2020 um 17:00 Uhr in der Wirtschaft.

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