Ein Reisender steigt auf Gleis 5 im Hauptbahnhof Berlin in den Flughafen-Express. | dpa

Ende des GDL-Streiks Die Züge rollen vorerst wieder

Stand: 07.09.2021 05:47 Uhr

Nach mehr als fünf Tagen hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL ihren Arbeitsausstand beendet - droht aber bereits mit neuen Streiks. Die Bahn kündigte die Rückkehr zum regulären Fahrplan an, schloss jedoch Unregelmäßigkeiten nicht aus.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hat ihren Streik beendet - und der Zugverkehr ist nach Angaben der Deutschen Bahn am Morgen wieder "weitgehend normal" gestartet. Die Bahn ist laut einer Sprecherin "ganz zuversichtlich", dass die für den Tag geplanten 860 Züge im Fernverkehr als auch 21.000 Regional- und S-Bahnzüge wieder planmäßig fahren werden. "In einzelnen Fällen kann es noch zu Unregelmäßigkeiten kommen", warnte das Staatsunternehmen jedoch.

Weil es aber weiter zu Verzögerungen kommen kann, werden Reisende aufgefordert, sich im Internet oder über die App DB Navigator vorab über die von ihnen gebuchte Verbindung zu informieren. Auch über die Hotline 08000-996633 seien den gesamten Dienstag über weiter Auskünfte zu erhalten.

Weitreichende Einschränkungen

Ein Fazit der Streikrunde wollen beide Seiten im Laufe des Dienstags ziehen. Klar ist schon jetzt: Die dritte und bislang längste Streikrunde im laufenden Tarifstreit bei der Bahn hat zu weitreichenden Einschränkungen im Güter- und Personenverkehr geführt und Zugreisende sowie Industriekunden stark getroffen.

Allerdings hat die Gewerkschaft schon gezeigt, dass es noch länger geht: 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr dauerte die bislang längste Arbeitskampfrunde der GDL in einem Tarifkonflikt. Das war im Mai 2015. Erst zwei Monate später kam in einer Schlichtung ein Tarifvertrag zustande.

Zweitlängster Streik in der Bahn-Geschichte

Der nun beendete Streik dauerte hingegen 110 Stunden im Personen- und 118 Stunden im Güterverkehr. Er ist damit der zweitlängste in der Geschichte der Deutschen Bahn AG. Eine Annäherung zwischen beiden Seiten ist allerdings nicht in Sicht. "Nach dem Streik ist vor dem Streik", sagte der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, am Montagnachmittag vor Mitgliedern am Berliner Hauptbahnhof. Das Management der Bahn habe es in der Hand, ob es einen weiteren Arbeitskampf gebe.

Gestritten wird außer über klassische Tariffragen damals wie heute über das Tarifeinheitsgesetz sowie den Einflussbereich der GDL im Konzern. Das Gesetz war 2015 in Kraft getreten. Es sieht vor, dass in einem Unternehmen mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. In den meisten der rund 300 Betriebe der Bahn ist das aus Sicht des Konzerns die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

GDL-Chef Claus Weselsky sieht sich deshalb gezwungen, seinen Einflussbereich auf weitere Gewerke auszuweiten und Mehrheitsgewerkschaft zu werden. Neben dem Zugpersonal will er deshalb unter anderem auch für Werkstattbeschäftigte sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Infrastruktur und der Verwaltung verhandeln - Bereiche, die bislang traditionell eher von der EVG vertreten werden.

Weselsky fordert neues Angebot

Weselsky bekräftigte kurz vor Ende des Streiks seine Forderung nach einem Angebot, das es der Gewerkschaft ermöglicht, einen Tarifvertrag für sämtliche Mitglieder in den verschiedenen Betrieben der Bahn abzuschließen. Neben diesen Fragen geht es im Tarifstreit aber auch ums Geld. Die GDL fordert insgesamt 3,2 Prozent höhere Löhne und Gehälter bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn hatte zuletzt eine Laufzeit von 36 Monaten angeboten und der Corona-Prämie zugestimmt. Gestritten wird zudem um die künftige Form der Altersvorsorge.

Mit Blick auf die vom Streik betroffenen Bürger und Fahrgäste sagte Weselsky: "Wir bitten darum, zu akzeptieren und zu schätzen, dass hier Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorbildlich zeigen, wie man im Arbeitskampf einen Arbeitgeber in die Knie zwingt, der mit Steuergeldern Verschwendung und Eigennutz betreibt."

Fortgang ungewiss

Wie die Tarifverhandlungen nun weitergehen, ist ungewiss. Die Positionen liegen unverändert weit auseinander, die Bahn will offenbar vorerst kein neues Angebot vorlegen. Der Konzern hatte am Mittwoch kurz vor Streikbeginn versucht, mit einem neuen Angebot den Arbeitskampf noch zu verhindern. Nachdem die GDL dies abgelehnt hatte, hatte die Bahn vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt versucht, den Ausstand als unverhältnismäßig untersagen zu lassen. Damit scheiterte sie.

Bahn: Kaum jemand außer Lokführern streikt

Neben dem Zugpersonal hatte die GDL auch Angestellte aus anderen Beschäftigungsgruppen zum Streik aufgerufen - nach Aussagen der Bahn beteiligten sich jedoch nur wenige dieser Beschäftigten am Arbeitskampf. In den Bereichen Netz, Instandhaltung und an den Bahnhöfen seien "keine nennenswerten Arbeitsniederlegungen zu verzeichnen", erklärte die Deutsche Bahn.

Demnach beteiligten sich bisher knapp 7500 Lokführerinnen und Lokführer an der dritten Streikwelle, insgesamt beschäftigt die Deutsche Bahn rund 19.700. Von den rund 48.000 Mitarbeitenden der DB Netz waren seit Streikbeginn in der vergangenen Woche insgesamt 62 Stellwerker in den Streik getreten, in der Instandhaltung streikten 40 von über 24.000 Angestellten. In den Personenbahnhöfen legten laut Bahn 22 von rund 7200 Mitarbeitenden die Arbeit nieder.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 07.09.2021 • 13:58 Uhr

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