Eingang zur Internationalen Autoshow in Detroit

Autobranche in der Krise Wenig Glanz bei der Detroit Auto Show

Stand: 11.01.2010 09:02 Uhr

Zu viele Hersteller, zu wenige Kunden: Die Karten auf dem weltweiten Automarkt werden in der Krise neu gemischt. So spricht man in den USA schon nicht mehr von den "großen Drei" sondern von den "mittelgroßen Sechs". Und auch die Auto Show in Detroit hat ihren Glamour verloren.

Klaus Kastan ARD-Studio Washington

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Detroit

Auf dem ersten Blick sieht alles auf der Internationalen Auto Show in Detroit aus wie immer: Die Messeplätze in der rieisgen Cobo-Hall sind alle belegt, mehr als 5000 Journalisten werden erwartet und 700.000 Besucher. Die Hersteller präsentieren rund 700 Fahrzeuge aus aller Welt, darunter 30 Neuvorstellungen. Aber wenn man näher hinschaut, hat die Detroiter Automesse an Glamour verloren: Viele Stände - gerade auch die der amerikanischen Autobauer - sehen bescheidener aus als früher.

"Wer hat eigentlich das Sagen?"

Christopher Sands hat in den letzten Jahrzehnten alle Motor Shows in seiner Heimatstadt besucht. Er ist Autoexperte und arbeitet für das Hudson-Institut in Washington. Wenn er sieht, in welcher Verfassung sich vor allem General Motors und Chrysler befinden, denkt er wehmütig an frühere Zeiten zurück: "Der Unterschied zu früher ist, dass man sich heute die Frage stellt: Wer hat eigentlich das Sagen in der amerikanischen Autoindustrie? Der Staat oder die Autobauer? Im vergangenen Jahr haben die Hersteller alle mit riesigen finanziellen Problemen zu tun gehabt. Jetzt muss man sehen, ob es bei den neuen Modellen irgendwelche großen Überraschungsmomente gibt."

Showtime: Ein Chevrolet Camaro wird auf der North American International Auto Show in Detroit auf Hochglanz poliert.

Showtime: Ein Chevrolet Camaro wird auf der North American International Auto Show in Detroit auf Hochglanz poliert.

Immerhin gibt es zurzeit einen Trost für die amerikanischen Autobauer. Denn sie sehen, dass sie nicht alleine in der Krise stecken, betont Christopher Sands: "Toyota war einst das aufsteigende Unternehmen und ist inzwischen der größte Autohersteller der Welt. Und auch Toyota hat jetzt ganz ernste Probleme. Das hilft uns psychologisch und da gibt es hier bei uns fast ein bisschen Schadenfreude."

Von den "Großen Drei" zu den "mittelgroßen Sechs"

Die Autowelt hat sich radikal geändert - nirgends zeigt sich das deutlicher als hier in Detroit. Die USA sind nach wie vor der wichtigste Automarkt der Welt. Früher haben sich diesen Markt die US-Hersteller fast unter sich aufgeteilt. Man sprach von GM, Ford und Chrysler als den "Großen Drei aus Detroit". Doch diese Zeit ist vorbei.  Inzwischen ist die Rede von den "mittelgroßen Sechs" Autobauern: General Motors, Ford, Toyota, Honda, Nissan und Volkswagen. Diese sechs Hersteller haben alle einen Anteil zwischen acht und 20 Prozent am US-Markt. Kein Unternehmen hat mehr eine Vormachtstellung.

Können die Europäer profitieren?

Und die Europäer müssen sich in diesem Haifischbecken beweisen. Ob sie sich mit ihren technischen Neuentwicklungen durchsetzen können, ist eine der Fragen, so Christopher Sands. "Die zweite Herausforderung für die Europäer ist", so Sands, "ob sie von den fallenden Marktanteilen der Detroiter Autounternehmen profitieren können. Bieten sie Produkte an, die vor allem einer jüngeren und erfolgreichen Käufergruppe in den Großstädten gefallen? Und haben sie auch Angebote, die die traditionellen Kunden ansprechen, die  eher größere Autos bevorzugen. Wir können jetzt schon sehen, dass Mercedes und BMW zum Beispiel sehr erfolgreich mit SUVs, Geländewagen, sind."

Mercedes-Stand auf der Detroiter Auto Show

Erfolgreich mit Geländewagen: Mercedes-Stand auf der Detroiter Auto Show

Zu viele Hersteller, zu wenige Kunden

Neben den Neuentwicklungen auf dem internationalen Automarkt geht es bei der diesjährigen Autoshow in Detroit vor allem um das Thema: Welche Hersteller werden die Krise überleben und welche nicht? Es gibt eine weltweite Überkapazität im Automobilsektor - zu viele Hersteller, zu viele Marken und zu wenige Kunden. So könnten theoretisch jährlich 100 Millionen Fahrzeuge hergestellt werden, aber im vergangenen Jahr wurden nur 50 Millionen verkauft.

Schwellenländer wie Indien und China bieten zwar neue attraktive Absatzmärkte, aber auch hier baut sich eine eigene neue Autoindustrie auf. Das indische Hersteller Tata kaufte inzwischen Jaguar und Land Rover auf. Und Volvo sowie die Lizenzen vom untergehenden SAAB-Konzern werden wohl schon bald chinesischen Unternehmen gehören. Die Karten auf dem weltweiten Automarkt werden zurzeit neu gemischt.