Streikteilnehmer in Frankreich

Landesweite Demonstrationen Streiks gegen Arbeitsmarktreform

Stand: 31.03.2016 23:10 Uhr

In Frankreich haben Streiks das öffentliche Leben lahmgelegt. Der Grund: die umstrittene Reform der Regierung, die den Arbeitsmarkt flexibler gestalten soll. Einige halten diese für dringend nötig, andere fürchten sich vor einer "französischen Agenda 2010".

Von Astrid Corall, ARD-Studio Paris

Sogar der Eiffelturm bleibt heute geschlossen. Mitarbeiter des berühmten Pariser Bauwerks beteiligen sich am Streik, genau wie mehrere Tausend andere Arbeitnehmer. Auch bei der nationalen Bahn und den städtischen Verkehrsbetrieben wird gestreikt. Was dazu führt, dass es zu vielen Beeinträchtigungen im Metro- und Bahnverkehr kommt: "Ich habe den Bus genommen. Weil ich weiß, dass er fährt, habe ich keine Probleme", sagt eine Frau. Eine andere Pendlerin zeigt Verständnis: "Das ist doch normal. Wenn man mit etwas nicht einverstanden ist, muss man sich dagegen wehren."

Astrid Corall ARD-Studio Brüssel

Flughäfen und Schulen geschlossen

Viele Pendler mussten aufs Auto umsteigen - mit bekannten Folgen, nämlich mehreren hundert Kilometern Staus auf den Straßen. Auch der Pariser Flughafen Orly ist betroffen, rund 20 Prozent der Flüge fallen aus. Streiks gibt es auch in Krankenhäusern und Medienunternehmen - und an den Schulen. Schüler demonstrieren gegen die geplante Arbeitsmarktreform, vor einigen Gymnasien haben sie seit heute früh die Zugänge mit grünen Mülltonnen blockiert.

"Wir wollen, dass das Gesetz zurückgezogen wird", sagt ein Mitglied der französischen Schülergewerkschaft. "Es hat nichts anderes zum Ziel, als 40 Jahre soziale Errungenschaften zu zerstören. Unsere Eltern haben für diese Rechte gekämpft und die Regierung will sie einfach wegwischen. Wir sind noch jung und unsere Zukunft steht auf dem Spiel. Und deshalb demonstrieren wir."

Streikteilnehmer in Frankreich

Am Rande der Demonstrationen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Reformen zu unternehmerfreundlich?

Die Regierung will mit dem Gesetz unter anderem den Kündigungsschutz lockern und die 35-Stunden-Woche flexibler gestalten. Und erhofft sich davon, dass auch mehr junge Menschen einen Job finden. Doch den Demonstranten sind die Reformen zu unternehmerfreundlich.

Da hilft es auch nicht, dass die Regierung um Arbeitsministerin Myriam El Khomri bereits viele Zugeständnisse gemacht hat: "Veränderungen am Text wird auch das Gesetzgebungsverfahren bringen. Aber ich wünsche mir, dass der Kern des Textes nicht beschädigt wird." Insgesamt haben heute sieben Gewerkschaften zum Protest gegen die Arbeitsmarktreform aufgerufen.

Ausschreitungen bei Demo

Bei Protesten in Paris kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Teils vermummte Jugendliche bewarfen die Ordnungskräfte mit Wurfgeschossen und zündeten Rauchbomben, die Beamten setzten Schlagstöcke und Tränengas ein. Es gab mehr als 100 Festnahmen und mindestens ein Dutzend verletzte Polizisten.