Schlusslicht

Venus on Willendorf (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Facebook und die Nackten Weg mit der Venus

Stand: 01.03.2018 14:48 Uhr

Ist das Kunst oder ist das Sex? Egal, wenn es nackt ist, dann muss es weg aus Facebook. Nur selten gibt es Ausnahmen - zum Beispiel, wenn das Objekt der Erregung einige Zehntausend Jahre alt ist.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Sie gilt als die bekannteste prähistorische Darstellung einer Frau weltweit: Die Anfang des 20. Jahrhunderts im österreichischen Ort Willendorf entdeckte Tonfigur, nach ihrem Fundort als "Venus von Willendorf" bekannt. Trotz ihrer üppigen Formen und ihrer zugegeben sehr femininen Anatomie gab es in den rund 30.000 Jahren seit ihrer Schöpfung keine bekannten Beschwerden über die Nacktheit. Bis jetzt.

Im Dezember teilte die italienische Kunstaktivistin Laura Ghianda ein Foto des Kunstwerks auf ihrer Facebook-Seite - wo das Bild prompt vom Internetkonzern gelöscht wurde. Denn so schwer sich das Netzwerk bei dem Umgang mit fragwürdigen Inhalten auch tun mag: Nacktheit geht gar nicht. Da verschwinden sogar wichtige Dokumente und Kulturgüter, weil sie unter das Facebook-Verdikt der verbotenen Textilfreiheit fallen. Selbst ein keck gereckter, unbekleideter Ellbogen kann da schon zu viel sein, wenn er einer Brust ähnelt.

Ein Leckerbissen für Gerontoagalmatoadipoanasteemaphile

Nun benötigt man einen sehr spezifischen Satz von Fetischen, um durch einen solchen Tonklumpen sexuell erregt zu werden. Das Internet lehrt uns jedoch, dass es für praktisch jede stochastisch mögliche Kombination erotischer Vorlieben dankbare Abnehmer maßgeschneiderter Pornografie gibt. Würde man diesen Maßstab konsequent anwenden, dürfte wohl jedes Bild, das mehr als eine einzelne Primärfarbe zeigt, als obszön gelten.

Die dicke Dame darf wieder

Das sah nun auch Facebook ein - und gab das Bildnis der dicken alten Dame wieder frei. "Wir entschuldigen uns für den Fehler", erklärte eine Sprecherin des Konzerns. Zwar seien Nacktabbildungen nach den Werbevorschriften auf dem Portal verboten, es gebe "aber eine Ausnahme für Statuen".

Somit darf auch die "Venus von Willendorf" wieder auf Facebook gepostet werden, weil ihr kultureller Wert eindeutig ihr erotisches Potenzial übersteigt. Was eigentlich schon wieder eine Form vom Altersdiskriminierung ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2018 um 10:00 Uhr.

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