Schlusslicht

Baumpflanzaktion vor dem Weissen Haus. | Bildquelle: AP

Macrons Baum ist weg War da was?

Stand: 29.04.2018 14:11 Uhr

Französische Wurzeln schlagen in amerikanische Erde. Es war ein symbolträchtiger Akt, als Trump und Macron eine Eiche vor dem Weißen Haus pflanzten. Doch nun ist sie weg. Muss uns das Sorgen bereiten?

Von Karolin Wulf, tagesschau.de

Die Eiche ist nicht einfach nur ein Baum. Die Eiche ist mythenumrankt, vielerorts ein heiliges Gewächs, ein Sinnbild für ewiges Leben.

Und wenn eine Eiche dann auch noch von einem französischen Gefechtsschauplatz aus dem Ersten Weltkrieg stammt, bei dem die US-Marineinfanterie eine deutsche Offensive abgewehrt und dabei fast 2000 ihrer Männer verloren hatte, dann strahlt jedes einzelne zarte Eichblatt vor überragender Symbolik.

Es war also sehr viel mehr als ein bisschen gemeinsame Gartenarbeit, als US-Präsident Donald Trump und der französische Staatschef Emmanuel Macron in der vergangenen Woche eben diese junge Eiche vor dem Weißen Haus in Washington pflanzten, während ihre Frauen sich derweil darum bemühten, die Stöckel ihrer Schuhe nicht gänzlich im Rasen versinken zu lassen. Es war eine demonstrative Geste der Freundschaft, ein sorgsam zelebrierter transatlantischer Akt.

Diese Eiche "im Herzen des Weißen Hauses" werde eine Erinnerung an die Bindung sein, die beide Länder vereine, twitterte Macron, nachdem das Werk vollbracht war. Das Geschenk solle die Dankbarkeit an die USA ausdrücken, die so viele Opfer für Frankreich gebracht hätten.

US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron schreiten mit ihren Ehefrauen über den Rasen des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
galerie

Auf diesem Bild schreiten US-Präsident Trump und Frankreichs Präsident Macron nach der Baumpflanzung mit ihren Ehefrauen über den Rasen des Weißen Hauses. Im Vordergrund ist unscharf die neu gepflanzte Eiche zu sehen sowie links davon ein bereits stehender kleiner Baum.

Gelber Rasenfleck im Garten des Weißen Hauses | Bildquelle: REUTERS
galerie

Dieses wenige Tage später aufgenommene Bild zeigt einen gelben Rasenfleck an der Stelle, an der das Gastgeschenk des französischen Präsidenten gepflanzt wurde. Das Foto entstand aus einer anderen Perspektive. Zu erkennen ist aber die Laterne, die neben der Pflanzstelle steht, sowie der kleine bereits zuvor stehende Baum, der auf dem vorherigen Bild zu erkennen ist.

Ein gelber Fleck - sonst nichts

Und nun dies: Am Samstag veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters Bilder von dem Ort, an dem die junge Eiche eigentlich wachsen und gedeihen sollte. Darauf sieht man sorgfältig gemähten Rasen, Laternen und ansonsten - einen gelben Fleck. Vom Baum keine Spur.

Was ist passiert? Vertrug das französische Pflänzchen die amerikanische Erde nicht? Wurde es in einer Nacht-und-Nebel-Aktion an einen weniger prominenten Ort verpflanzt - oder gar in Michelle Obamas Gemüsegarten? Oder wurde der Baum Opfer einer Entführung? Bislang gibt es nur Gerüchte, aber keine öffentliche Stellungnahme.

Bleibt also vorerst nur zu hoffen, dass die so öffentlich zelebrierte Bromance zwischen Trump und Macron tiefere Wurzeln schlagen konnte, als die kleine, nordfranzösische Eiche vor dem Weißen Haus.

Darstellung: