Schlusslicht

Bahnchef Lutz und Kanzlerin Merkel bei der Eröffnungsfeier für die ICE-Neubaustrecke | Bildquelle: AFP

Panne auf neuer ICE-Strecke Da sind die zwei Stunden wieder futsch

Stand: 09.12.2017 12:19 Uhr

Der normale Fahrgast kennt das: Die Wagenreihung stimmt nicht, Wagen 14 fehlt komplett - und zu spät ist der Zug auch. Wenn die Bahn aber mit viel Tamtam und Kanzlerin eine sündhafte teure Neubaustrecke einweiht, sollte doch alles glatt laufen - sollte man zumindest meinen...

"Mit diesem Angebot werden wir mehr Menschen als je zuvor für die Bahn begeistern" - so die Worte des stolzen Bahnchefs Richard Lutz. Aber weil es ja beliebt ist, sich über die Bahn lustig zu machen, wurden in sozialen Netzwerken schon Wetten darauf abgeschlossen, wann diese Begeisterung wohl in schlechte Laune umschlagen würde, weil es die erste Panne auf der neuen ICE-Strecke zwischen Berlin und München gibt.

Und siehe da: Die Bahn enttäuschte ihre Fans nicht. Schon wenige Stunden nach der feierlichen Eröffnung blieb der erste Zug liegen. Ein ICE, der in Richtung München unterwegs war, musste zwischendrin mehrmals den bei Bahnkunden berüchtigten "außerplanmäßigen Halt" einlegen.

Merkel in einem Cockpit eines ICE auf dem Weg zu den Eröffnungsfeierlichkeiten für die Neubaustrecke | Bildquelle: AFP
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Auf der Hinfahrt zur Eröffnungsfeier fuhr auch Kanzlerin Merkel ein Stück im Cockpit des ICE mit. Die Rückfahrt nach München blieb ihr erspart. Sie wohnt in Berlin.

"Anschlussreisende"? "Vorausfahrender Zug"?

Woran lag es? Am "vorausfahrenden Zug", der irgendein "Einfahrtsgleis" blockiert? Am "Warten auf Anschlussreisende", wie sonst oft aus dem Bordlautsprecher zu hören ist? Konnte beides nicht sein, denn die Strecke ist noch nigelnagelneu, vorausfahrende Züge gibt es also praktisch nicht. Und der Zug war ein Sonderzug, in dem "Anschlussreisende" sowieso nichts zu suchen haben.

Es war der dritte Klassiker der Bahnpannen: Eine "technische Störung am Zug" war nach ersten Erkenntnissen der Grund, warum der ICE alles andere als pünktlich ankam. Für die PR-Strategen der Bahn in mehrerlei Hinsicht peinlich. Nicht genug, dass sich die Panne auf ihrer neuen Prestige-Strecke ereignete. An Bord des Zuges befanden sich auch noch knapp 200 Ehrengäste und Journalisten, die eigens zu den Feiern zur Eröffnung der Strecke nach Berlin gereist waren.

Wie sich der Zeitunterschied anfühlt

Ihnen wollte die Bahn zeigen, wie toll es ist, dass man auf der Strecke statt sechs jetzt nur noch vier Stunden für die 623 Kilometer benötigt - man also zwei Stunden spart. Und auch sie wurden nicht enttäuscht: Die Hinfahrt nach Berlin klappte wie im Bilderbuch in rund vier Stunden. Auf der Rückfahrt kam der ICE wegen der "außerplanmäßigen Halte" aber erst um 1.25 Uhr statt um 23.15 Uhr in München an - gut zwei Stunden zu spät. Wer Hin- und Rückfahrt gebucht hatte, konnte also am eigenen Leib erfahren, wie sich dieser Zeitunterscheid anfühlt.

Und sollte unter den Gästen an Bord jemand gewesen sein, der ein normales Ticket gebucht hatte, darf er sich auch noch über Geld freuen. Ab zwei Stunden Verspätung gibt es bei der Bahn nämlich die Hälfte das Fahrpreises zurück - von Berlin nach München immerhin 66 Euro. Schneller ist die Fahrt auf dieser Strecke also nicht unbedingt. Dafür kostet sie manchmal nur noch die Hälfte - und das ist doch ein Angebot, mit dem Bahnchef Lutz die Menschen tatsächlich begeistern kann.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

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