Boris Becker | dpa
Schlusslicht

Konkursverfahren in Großbritannien Becker zieht die Diplomatenkarte

Stand: 15.06.2018 19:24 Uhr

Ein Ehrenamt soll ihn vor den Gläubigern schützen: Im gegen ihn laufenden Insolvenzverfahren hat der passionierte Pokerspieler Boris Becker jetzt die Diplomatenkarte gezogen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Britischen Medienberichten zufolge haben Boris Beckers Anwälte gestern vor dem Londoner High Court Antrag auf diplomatische Immunität gestellt, um weitere Schritte im Insolvenzverfahren zu stoppen, das derzeit gegen den Ex-Tennisstar läuft.

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Ende April war Becker von der Zentralafrikanischen Republik zum Attaché für Sport und Kultur in der Europäischen Union berufen worden. Becker erklärt, es gebe keinen Grund, warum er damit anders behandelt werden sollte als ein Militär- oder Handels-Attaché, die diplomatische Immunität genießen.

Tenniskleidung von Boris Becker, die derzeit bei einer Auktion in Großbritannien angeboten wird. | WYLES HARDY CO HANDOUT/EPA-EFE/R

In einem Londoner Auktionshaus werden gerade Kleidung, Schuhe und Trophäen Beckers angeboten. Bild: WYLES HARDY CO HANDOUT/EPA-EFE/R

Das Verfahren ist für Becker eine "Farce"

Becker war im vergangenen Jahr von einem britischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Der 50-Jährige sagt dagegen, diese Entscheidung sei ungerechtfertigt. Er sei nun verpflichtet, diplomatische Immunität zu beantragen, um die "Farce" zu beenden und "sein Leben wieder aufzubauen".

Der dreimalige Wimbledon-Sieger wohnt seit einigen Jahren in London. Bis zu seinem Abschied als Profispieler 1999 gewann er 49 Einzelturniere.

Doch keine diplomatische Immunität für Becker?

Der britische Insolvenzverwalter von Boris Becker glaubt nicht an diplomatische Immunität des ehemaligen Tennisstars. Das teilte die Londoner Kanzlei Smith & Williamson, die mit dem Fall betraut ist, am Abend mit.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Juni 2018 um 12:13 Uhr.

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KOMMENTARE

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Proteus 15.06.2018 • 18:31 Uhr

17:46 von Zwicke

"Und daß er, anders als andere gesellschaftliche "Absahner", deutschen Normalbürgern bisher keinerlei Schaden zufügte. Da stellt sich für mich dann schon die Frage nach der Qualität heutiger Häme einiger Mitbürger... Ab angesichts 'handfester' Gläubiger aber ein Diplomatenstatus" etwas nützt, wage ich doch zu bezweifeln..." BBs Zahlungsunfähigkeit betrifft vermutlich nicht nur britische Lieferanten/Privatpersonen, sondern evtl. auch deutsche Firmen/Personen, und damit evtl. auch deutsche "Normalbürger". Zwar kann man ihm nun keinen Strafprozess mehr machen (z.B. Insolvenzverschl.), aber Gläubiger können auf unbewegliches Vermögen zugreifen, wenn Becker tatsächlich so unklug war, Grundbesitz auf seinen Namen eintragen zu lassen. Ebenfalls ausgenommen sind lt. WÜK freie o. gewerbl. Tätigkeiten, die (was n. WÜK nicht erlaubt ist) "neben" der dipl. Tätigkeit ausgeübt werden, dazu zählen Geschäfte wie das Spekulieren an der Börse oder die Beteiligung an einem insolventen Unternehmen.