Schlusslicht

Amazon Dot mit Alexa-Sprachassistent | Bildquelle: REUTERS

Wunschfee aus dem Netz "Alexa, ich möchte eine Puppenstube"

Stand: 10.01.2017 11:31 Uhr

Eine gute Fee, die auf Zuruf Wünsche erfüllt - welches Kind möchte das nicht? Doch wie Goethes Ballade vom Zauberlehrling beweist: Die Geister, die man unbedacht rief, können sich auch gegen einen wenden - insbesondere dann, wenn sie mit dem Internet verbunden sind.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Alles begann mit Brooke. Brooke ist sechs Jahre alt und lebt in Texas. Ihre Mutter bekam zu Weihnachten einen Echo Dot, die kleine Version des Amazon Echo - es ist ein Lautsprecher, der viel mehr kann als nur Musik abspielen. Das Gerät lässt sich mit der Stimme bedienen, und weil im Echo künstliche Intelligenz steckt, kann man damit seinen Kalender pflegen, Einkaufslisten erstellen, Kinokarten bestellen oder ein Taxi rufen. Echo hört zu, sobald man das Kommando "Alexa" sagt.

Brooke wollte kein Taxi und auch keine Kinokarten, Brooke wollte eine Puppenstube und Kekse, viele Kekse. Und Brooke sprach mit Alexa darüber, nichtsahnend, dass kurze Zeit später knapp zwei Kilo Kekse und eine Puppenstube im Wert von umgerechnet 150 Euro vor der Tür stehen würden.

Das Puppenhaus aus dem Fernsehen

Über diese Geschichte berichtete unter anderem der Lokalsender CW6 in San Diego. Der Moderator wiederholte die magischen Worte des kleinen Mädchens: "Alexa, order me a dollhouse."

Daraufhin machte sich Alexa an die Arbeit - und zwar in etlichen Familien, die den Fernseher laufen hatten und selbst einen Echo hatten, der, ganz so wie er soll, bei dem Kommando "Alexa" loslegte - egal, ob das Wort "Alexa" nun von einem Familienmitglied oder, wie in dem Fall, von dem Onkel im Fernsehen gesprochen wird.

Jeder darf Wünsche äußern

Amazon-Präsentation auf der CES | Bildquelle: REUTERS
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Auf der Messe CES in Las Vegas präsentierte Amazon weitere Alexa-Anwendungen.

Stephen Cobb von der Sicherheitsfirma ESET erklärte den Zuschauern später: "Diese Geräte erkennen nicht eine spezifische Stimme, also kann es passieren, dass Alexa von einem Besucher aktiviert wird oder einem Kind, das aus Versehen eine Bestellung aufgibt."

Die Folge: Etliche Zuschauer meldeten sich und berichteten, dass ihr Alexa nach dem Fernsehbeitrag versucht habe, eine Puppenstube zu bestellen. Dabei hat Amazon dafür gesorgt, dass so etwas nicht passieren muss: Die automatische Kauf-Option lässt sich ausschalten. Das Gerät lässt sich auch so einstellen, dass jeder Kauf mit einer PIN bestätigt werden muss. Außerdem lassen sich alle Bestellungen kostenfrei stornieren oder zurücksenden.

Die versehentliche Massenbestellung von Puppenstuben ist, wenn man so will, eine Kinderkrankheit dieser sprachgesteuerten Geräte. Schon jetzt gibt es erste Geräte, die in der Lage sind, Stimmen zu unterscheiden.

Alexa bald überall

Bleibt abzuwarten, wann der Spracherkennungsdienst von Amazon soweit ist. Denn Alexa breitet sich aus: Auf der Technikmesse CES in der vergangenen Woche in Las Vegas wurden rund 700 neue Geräte oder Dienste gezählt, die mit Amazons Alexa zu tun haben. Der Konzern hatte vor einigen Monaten die Programmschnittstelle zu dem Sprachdienst für andere Hersteller geöffnet.

Amazon Echo: Versehentliche Massenbestellung von Puppenstuben
N. Markwald, ARD Los Angeles
10.01.2017 16:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Januar 2017 um 14:00 Uhr

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