Ein Zettel, der den Tod von Königin Elizabeth II. ankündigt, ist am Geländer vor dem Buckingham Palace im Zentrum Londons angebracht. | AFP
Hintergrund

"Operation London Bridge" Was passiert nach dem Tod der Königin?

Stand: 08.09.2022 20:45 Uhr

Das Protokoll für den "D-Day" ist minutiös vorgeplant. Wenn die Queen stirbt, folgen verschiedene "Operationen". Jeder Schritt ist bis ins Detail ausgearbeitet. In London werden Hunderttausende trauernde Menschen erwartet.

"London Bridge is down." Mit diesem Satz - auf Deutsch etwa "Die London Bridge ist eingestürzt" - soll der Privatsekretär der Queen die britische Premierministerin informieren, dass Königin Elizabeth II. tot ist. Das sind laut der Vereinigung der Auslandspresse in Großbritannien die nächsten Schritte:

Das Außenministerium wird die Nachricht an die Regierungen außerhalb des Vereinigten Königreichs, in denen die Königin Staatsoberhaupt ist, und an die anderen Länder des Commonwealth übermitteln. Der Tag, an dem die Königin stirbt, heißt D-Day und jeder folgende Tag bis zum Tag der Beerdigung wird als D-Day +1, D-Day +2 und so weiter bezeichnet.

Die Minister werden per E-Mail über den Tod informiert. Spätestens zehn Minuten nach Bekanntgabe des Todes werden die Flaggen auf der Straße Whitehall im Londoner Regierungsviertel auf halbmast gesenkt. Die britische Nachrichtenagentur Press Association wird eine Blitzmeldung senden. Gleichzeitig wird am Buckingham Palast die offizielle Mitteilung über den Tod an das Tor oder an eine Staffelei geheftet.

Das britische Parlament und die Parlamente in Schottland, Wales und Nordirland werden vertagt. Auf der Webseite der Königsfamilie erscheint eine schwarze Seite mit einer Erklärung, in der der Tod bestätigt wird. Auf der Website der britischen Regierung wird ein schwarzes Banner angezeigt.

Die Premierministerin soll als erste eine Erklärung abgeben. Die königliche Familie wird die Pläne für das Staatsbegräbnis veröffentlichen, das voraussichtlich zehn Tage nach dem Tod stattfinden soll.

Von "London Bridge" zu "Spring Tide"

Eine nationale Schweigeminute wird angekündigt. Die Premierministerin wird eine Audienz mit dem neuen König halten. Damit leitet er die "Operation Spring Tide" (Springflut) ein.

Beerbt wird Elizabeth II. von ihrem Sohn Prinz Charles. Als König wird er eine Ansprache an die Nation halten.

Die Fahne am Buckingham Palace weht auf Halbmast. | picture alliance/dpa/PA Wire

Die Fahne auf dem Buckingham Palace weht auf Halbmast. Bild: picture alliance/dpa/PA Wire

D-Day +1

Am Tag nach dem Tod tritt um 10 Uhr ein Rat zusammen, um den König zum neuen Monarchen zu proklamieren. Die Proklamation wird im St. James's Palace und in der Royal Exchange, dem Ort der ersten Börse Londons, verlesen, wodurch Charles als König bestätigt wird.

Das Parlament tritt zusammen, um eine Beileidsbekundung zu verabschieden. Alle parlamentarischen Arbeiten werden für zehn Tage ausgesetzt. Der Premierminister und das Kabinett werden um 15.30 Uhr mit dem neuen König zusammentreffen.

D-Day +2

Da die Königin in Balmoral in Schottland gestorben ist, wird ihr Leichnam mit dem königlichen Zug nach London überführt ("Operation Unicorn", also Einhorn). Sollte das nicht möglich sein, wird er per Flugzeug überführt. Dann wird der Sarg in den Buckingham-Palast gebracht

D-Day +3

Der neue König wird den Kondolenzantrag in der Westminster Hall entgegennehmen. Anschließend begibt er sich auf eine Trauerreise durch das Vereinigte Königreich, beginnend mit Schottland. Er wird im schottischen Parlament einen Kondolenzantrag entgegennehmen und an einem Gottesdienst in der St. Giles' Cathedral in Edinburgh teilnehmen.

D-Day +4

Der König wird in Nordirland eintreffen, wo er im Hillsborough Castle eine weitere Beileidsbekundung entgegennehmen und an einem Gottesdienst in der St. Anne's Cathedral in Belfast teilnehmen.

Es findet eine Probe für die "Operation Lion" (Löwe) statt: die Prozession mit dem Sarg vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude Palace of Westminster.

D-Day +5

"Operation Lion": Der Sarg der Königin wird auf einer Route durch London vom Buckingham Palace zum Parlamentsgebäude Palace of Westminster überführt. In der Westminster Hall findet eine Gedenkfeier statt.

D-Day +6

"Operation Feather": Die Königin wird drei Tage im Palace of Westminster aufgebahrt. Der Sarg wird 23 Stunden am Tag für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Außerdem wird der Staatsbegräbniszug geprobt.

D-Day +7

Der König reist nach Wales, um einen Antrag des walisischen Parlaments entgegenzunehmen und an einem Gottesdienst in der Kathedrale von Llandaff in Cardiff teilzunehmen.

D-Day +8 und 9

Der Sarg wird aufgebahrt. Hunderttausende Menschen werden in London erwartet, um der verstorbenen Queen die letzte Ehre zu erweisen. Kondolenzbücher werden online geöffnet.

D-Day +10

Staatstrauertag: Das Staatsbegräbnis findet in der Westminster Abbey statt. Im ganzen Land wird es mittags zwei Schweigeminuten geben, Prozessionen finden in London und Windsor statt. Die Königin wird auf Schloss Windsor in der King George VI. Memorial Chapel neben ihrem Vater beigesetzt. Das Porträt der Königin wird mit einem schwarzen Band in allen Rathäusern für einen Monat aufgehängt, bevor es durch ein Porträt des neuen Königs ersetzt wird.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 08. September 2022 um 21:31 Uhr.