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Spahn im Bericht aus Berlin "Testkapazitäten stark ausgelastet"

Stand: 08.11.2020 19:37 Uhr

Das Gesundheitswesen ist zu überlastet, um jedem einen Corona-Test anzubieten, der einen Anspruch darauf hat. Das räumte Gesundheitsminister Spahn im Bericht aus Berlin ein. Die Lage auf Intensivstationen ist laut Ärzten schlimmer als im April.

Das deutsche Gesundheitswesen ist nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn derzeit zu überlastet, um jeden zu testen, der Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte. Kritik an der neuen Corona-Strategie mit stärker fokussierten Testungen wies der CDU-Politiker im Bericht aus Berlin aber zurück. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfehle seit Monaten, dass sich Kontaktpersonen eines Infizierten ohne Symptome nicht testen lassen, aber zu Hause blieben, sagte Spahn.

"In einer Phase wie jetzt müssen zuerst mal die getestet werden, die Symptome haben oder zur Risikogruppe gehören oder die im Pflege- und Gesundheitswesen arbeiten", erklärte er mit Hinweis auf die hohen Infektionszahlen und die überlasteten Labore. "Jemand, der eine Kontaktperson ist, aber keine Symptome hat, muss nicht getestet werden." Wenn die Kapazitäten nicht ausgelastet seien, könne man sich auch ohne Symptome testen lassen. Das sei aktuell aber eher die Ausnahme.

Gesundheitsminister Spahn zur Belastungen der Gesundheitsämter
Bericht aus Berlin , 08.11.2020

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Überlastung nicht nur bei Gesundheitsämtern

"Wir sehen eine immer größere Überlastung des öffentlichen Gesundheitswesens, also der Gesundheitsämter", sagte Spahn. "Wir sehen jetzt zunehmend auch bei der Intensivmedizin, in den Krankenhäusern, bei den Arztpraxen eine steigende Belastung und eine drohende Überlastung."

Nach der neuen Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die am 15. Oktober in Kraft getreten ist, haben jedoch alle Kontaktpersonen, die vom Arzt oder vom Gesundheitsamt als solche identifiziert werden, Anspruch auf einen Corona-Test. Etwa Menschen, die mit einer nachweislich infizierten Person in einem Haushalt leben, in einer Firma arbeiten oder in einer Schulklasse sind oder die in den vorherigen zehn Tagen durch die "Corona-Warn-App" eine Warnung erhalten haben.

Gesundheitsminister Spahn zur Corona-Warn-App
Bericht aus Berlin, 08.11.2020

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Spahns Rat: Zu Hause bleiben, Kontakte reduzieren

"Aber das geht nur im Rahmen vorhandener Kapazitäten", erläuterte Spahn. "Im Moment sind die Kapazitäten so stark ausgelastet, dass wir sagen müssen: Wer keine Symptome hat - zuhause bleiben, idealerweise in Quarantäne, aber testen geht nur, wenn Kapazitäten entsprechend frei sind." Entscheidend sei es, die Kontakte zu reduzieren.

Denn die Corona-Zahlen bleiben auf Rekordniveau. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete 16.017 Neuinfektionen - der höchste Wert für einen Sonntag. Zunehmend angespannt wird die Lage auf Intensivstationen. Die Zahl der dort behandelten Corona-Patienten hat fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) meldete, dass 2904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Der bisherige Höchststand war im April mit 2933 Patienten erreicht worden.

Lage auf Intensivstationen schlimmer als im April

Tatsächlich sei die Lage in den Kliniken derzeit sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens. Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen - von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde. Anders als im April werde diesmal kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich vielmehr vorerst fortsetzen, sagte Janssens.

Der Grund sei, dass sich die jeweilige Zahl an Neuinfektionen erst verzögert in schweren Verläufen und schließlich in der Belegung der Intensivstationen niederschlägt. "In vier Wochen werden wir die Folgen der Spitzenwerte jetzt sehen." Hinzu kommt, dass der Anteil älterer Infizierter nach RKI-Daten seit Ende September wieder steigt. Sie haben ein höheres Risiko, schwer zu erkranken.

Kretschmann: Corona-Auflagen verschärfen?

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält daher eine Verlängerung und eine Verschärfung der Corona-Auflagen für möglich. "Wenn die Intensivstationen volllaufen, ist es schon zu spät", sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wenn droht, dass diese rote Linie überschritten wird, kommen wir um härtere Maßnahmen - unter Umständen sehr harte Maßnahmen - überhaupt nicht herum." Denkbar sei etwa eine weitere Reduzierung der Kontakte.

Mit Sorge blickt Kretschmann auf die Advents- und Weihnachtszeit. "Weihnachtsmärkte halte ich in diesem Winter leider für vollkommen ausgeschlossen." Auch Silvesterpartys "kann man im Kreise der Familie machen, aber nicht groß, feucht und fröhlich mit vielen Freunden."

Über dieses Thema berichtete Bericht aus Berlin am 08. November 2020 um 18:05 Uhr.

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