Bildergalerie: Spuren einer unrühmlichen Geschichte - die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia

Bilder

1/23

Spuren einer unrühmlichen Geschichte: Die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Am 9. Juli 1915 kapitulierten die deutschen "Schutztruppen" im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika, der Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Namibia, vor den Truppen der südafrikanischen Union. Die deutsche Kolonialherrschaft war damit zu Ende. Auch 100 Jahre später trifft man noch immer auf Zeugnisse der deutschen Kolonialzeit, wie den ehemaligen Bahnhof in Swakopmund, der heute ein Luxushotel ist ...

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Am 9. Juli 1915 kapitulierten die deutschen "Schutztruppen" im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika, der Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Namibia, vor den Truppen der südafrikanischen Union. Die deutsche Kolonialherrschaft war damit zu Ende. Auch 100 Jahre später trifft man noch immer auf Zeugnisse der deutschen Kolonialzeit, wie den ehemaligen Bahnhof in Swakopmund, der heute ein Luxushotel ist ...

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

... die Turnhalle in Lüderitz ...

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

... das alte Amtsgericht in Swakopmund ...

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

... oder Restaurants und Geschäfte mit deutschen Namen.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Viele der großflächigen Farmen, die überwiegend Viehzucht auf dem kargen Weideland betreiben, gehören auch heute noch Namibiern, die von den deutschen Siedlern abstammen. Etwa 15.000 Deutschsprechende leben heute noch als Farmer oder Geschäftsleute im Land.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

In Lüderitz, wo die Zeit von "Deutsch-Südwest-Afrika" im Jahr 1884 ihren Anfang nahm, stehen noch die evangelische Kirche und das Pfarrhaus.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Das von den Deutschen 1912 errichtete Reiterdenkmal in der Hauptstadt Windhuk hat die Kolonialzeit überdauert. 2013 wurde es demontiert und im Innenhof der Alten Festung, die das namibische Nationalmuseum beherbergt, wieder aufgestellt. Nach den Kämpfen mit den Völkern der Nama und Herero wurden im Deutschen Reich Spenden dafür gesammelt. Das Monument wurde dann in Berlin gegossen und nach Windhuk gebracht, um die Soldaten der deutschen Schutztruppe zu ehren, die den Aufstand der Herero und Nama 1904 brutal niedergeschlagen hatten.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Der Bremer Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz legte den Grundstein für die deutsche Kolonie im Südwesten Afrikas. Er beauftragte im Mai 1883 einen Angestellten mit dem Kauf der Bucht von Angra Pequena. Kaufpreis: 200 alte Gewehre und 100 englische Pfund.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Im Jahr 1883 segelte Lüderitz dann mit dem Schiff "Tilly" nach Südwestafrika, um als neuer Landesherr seine Besitzungen zu besichtigen. Das Gebiet erhielt den Namen Lüderitzbucht.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Dieser Druck zeigt die erste offizielle Flaggenhissung am 7. August 1884. Anwesend waren der Nama-Kaptein Josef Fredericks II., die Besatzungen der Kreuzerfregatte Leipzig und der Korvette Elisabeth. Bereits im April hatte Reichskanzler Otto von Bismarck von dem deutschen Konsul in Kapstadt telegrafiert, dass "Lüderitzland" unter dem Schutz des Deutschen Reiches stehe.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

1884 lebten etwa 80.000 Hereros, 60.000 Owambo, 35.000 Damara und 20.000 Nama auf dem Gebiet des späteren "Deutsch-Südwestafrika".

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Die erste Niederlassung der Firma Lüderitz in der gleichnamigen Bucht

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Beim Bau der Schmalspurbahn 1908 wurden Diamantenvorkommen bei Lüderitz entdeckt. Die Diamantensiedlung Kolmannskuppe wurde gegründet. In der Folgezeit wurden wirtschaftlich erfolgreich industriell Diamanten abgebaut. Lüderitz entwickelte sich zu einem florierenden Handelshafen. Die Gewinne aus dem Diamantenhandel flossen den Unternehmen zu, das Deutsche Reich profitierte kaum davon.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Die Ruinen von Kolmannskuppe sind heute noch zu besichtigen.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag mit Großbritannien 1890 erreichte "Deutsch-Südwestafrika" die endgültige Größe, die in etwa dem Gebiet des heutigen Namibia entspricht. Das Gebiet war damit etwa eineinhalb Mal so groß wie das Deutsche Reich, jedoch äußerst dünn besiedelt. Deutsch-Südwest war die einzige deutsche Kolonie, in der gezielt Deutsche angesiedelt wurden. Vor allem die Viehzucht zog deutsche Siedler ins Land. 1914 gab es ca. 12.000 deutsche Siedler. Das Foto zeigt eine frühe Siedlerfarm.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

1890 wurde die Festung Windhuk errichtet. Dort ließ sich die Schutzgebietverwaltung nieder. Um die Festung entstand die gleichnamige Stadt. Das Foto zeigt die Lohnauszahlung an schwarze Arbeiter am Bahnhof von Windhuk.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Die ursprüngliche Bevölkerung wurde durch die Landkäufe der Deutschen Kolonialgesellschaft immer mehr aus ihren Siedlungsgebieten gedrängt und an den Rand ihrer Existenz gebracht. 1904 rebellierten die Herero, neben Damara, Ovambo und Nama eine der größten Ethnien Südwestafrikas. Zunächst griffen sie einzelne Farmen, Eisenbahnlinien und Handelsstationen an.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Unter der Führung von Oberhäuptling Samuel Mahero kam es 1904 zur großen Rebellion der Herero. Bis 1908 dauerten die Kämpfe an. Die Lage der Urbevölkerung hatte sich durch den Ausbruch einer Rinderpest weiter verschlimmert. Es kam zu einer Hungersnot. Von den deutschen Siedlern wurden sie zudem als billige Arbeitskräfte ausgebeutet.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Dieser Druck stellt einen Überfall von Herero auf eine Abteilung der deutschen Schutztruppen dar.

Kommandowechsel in Windhuk, Juni 1904: Oberst Theodor Leutwein uebergibt das Kommando der deutschen Schutztruppen an

Kommandowechsel in Windhuk im Juni 1904: Oberst Theodor Leutwein übergab das Kommando der deutschen Schutztruppen an Lothar von Trotha. Die deutschen Schutztruppen wurden verstärkt. Im Gegensatz zu Leutwein verfolgte von Trotha das Ziel der völligen Vernichtung der Herero und Nama.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Die 2. Marine-Feldkompanie vor dem Abmarsch in die Schlacht am Waterberg. Am 11. August 1904 wurden dort die Herero-Truppen vernichtend geschlagen. Die Überlebenden mussten mit Kindern, Verwundeten und ihrem Vieh in die Omaheke-Trockensavanne fliehen. Die Schutztruppen unter von Trotha riegelten das Gebiet ab und vertrieben sie von den wenigen Wasserstellen. Menschen und Vieh verdursteten. Zwei Monate nach der Schlacht am Waterberg präzisierte Generalleutnant von Trotha seinen Vernichtungswillen: Am 2. Oktober 1904 gab er folgenden Vernichtungsbefehl: "Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr erschossen".

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

In der Nähe von Windhuk erinnert heute ein Gedenkstein an die Vernichtung der Herero und Nama. In dem zermürbenden Kleinkrieg, der erst 1907/1908 zu Ende war, wurden etwa 90.000 Angehörige der Herero und Nama getötet. Die wenigen Überlebenden kamen in Konzentrationslager oder wurden in Gegenden vertrieben, in denen sie kaum überleben konnten.

Kolonialzeit: Deutsche in Namibia

Die Vereinten Nationen erkannten den Massenmord an den Nama und Herero bereits im Jahr 1948 als Genozid an. Von Seiten der deutschen Regierung gibt es dennoch bis heute keine Anerkennung des Völkermords, keine offizielle Entschuldigung und keine Entschädigungen. Am weitesten ging 2004 die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, als sie bei einem Besuch in Namibia sagte: "Die damaligen Gräueltaten waren das, was man heute als Völkermord bezeichnen würde." So weit gingen die verschiedenen Bundesregierungen seither nie wieder. Anlässlich des 100. Jahrestags des Endes von Deutsch-Südwest bezeichnete Bundestagspräsident Lammert den Mord an den Herero und Nama als Völkermord.

Darstellung: